24.11.2011, 21:59 Uhr
Marco Reus von Borussia Mönchengladbach muss im Derby beim 1. FC Köln ran. (Quelle: imago)
Aus Köln berichtet Marc L. Merten
Im RheinEnergie Stadion des 1. FC Köln herrschte schon am Tag vor dem Flutlicht-Derby gegen Borussia Mönchengladbach Hektik und Panik: Kurz vor der Spieltags-Pressekonferenz ertönte im weiten Rund der Feueralarm, alle Journalisten mussten das Stadion auf der Stelle verlassen. Die Feuerwehr rückte an, auch die Polizei bezog Stellung. Zwanzig Minuten später dann die Entwarnung, ein technischer Defekt hatte den Alarm ausgelöst. Und während im Innenraum noch die letzten Feuerwehr-Leute ihre Sachen zusammensuchten, konnte FC-Trainer Stale Solbakken in der Lounge endlich kundtun, wie er die zuletzt überragende Borussia um Super-Dribbler Marco Reus stoppen will.
Einzig: Gute Nachrichten hatte er nicht für die FC-Fans. "Im Moment sind wir nicht bei 100 Prozent, weil wir seit drei Wochen keine Spielpraxis mehr haben und Spieler im Kader stehen werden, die acht bis zehn Wochen nicht mehr gespielt haben", verwies der Coach einerseits auf die Verletztenmisere der Kölner und andererseits auf das, was am vergangenen Samstag passiert war. Denn das Spiel gegen Gladbach ist für den FC auch das erste Spiel nach dem Selbstmordversuch von Babak Rafati und dem abgesagten Spiel gegen Mainz 05. Solbakken weiß schon jetzt, dass der fehlende Spielrhythmus zum Problem werden könnte. "Es kann sein, dass wir in den letzten 15 bis 20 Minuten zu kämpfen haben werden. Da müssen wir einen Plan B haben. Taktisch und personell."
Köln will gegen Gladbach Revanche für die Klatschen der letzten Saison. zum Video
Denn die Borussia wird im 79. Aufeinandertreffen der beiden rheinischen Traditionsklubs ihrerseits alles daran setzen, mit weiteren drei Punkten zumindest für 24 Stunden die Tabellenführung der Bundesliga zu übernehmen. Nach zuletzt drei Siegen in Folge ist das Selbstvertrauen scheinbar grenzenlos. "Wir wollen bis zur Winterpause oben dran bleiben", sagte der zuletzt überragende Torjäger Reus, der in den letzten drei Spielen unglaubliche sieben seiner insgesamt zehn Tore erzielt hat. Doch auch er weiß: "In einem Derby ist immer alles etwas anders."
Daher lehnt sein Trainer Lucien Favre die Favoritenrolle auch rundheraus ab. "Das Spiel gegen Köln wird sehr hart. Der FC ist eine sehr, sehr gute Mannschaft: gut organisiert, defensiv kompakt, gutes Pressing, gefährlich nach Balleroberung", sagte Favre. Besonders auf Lukas Podolski, mit neun Toren und fünf Vorlagen der Kölner Gegenpart zu Marco Reus, müsse seine Defensive in jeder Sekunde des Spiels achten. Podolski gegen Reus – alle Augen werden am Freitagabend auf diese beiden Spieler gerichtet sein.
Auch Podolski soll dafür sorgen, dass den Kölnern im Klassiker endlich wieder ein Sieg gelingt. "Wir wollen die Revanche", kündigte Solbakken an. Immerhin verlor Köln in der vergangenen Saison beide Spiele gegen die Fohlen-Elf auf blamable Art und Weise - 0:4 und 1:5. Jetzt gehen die Geißböcke mit dem Wissen in die Partie, zuhause in dieser Saison eine Macht zu sein. Die letzten drei Heimspiele gewannen die Kölner, ohne ein einziges Gegentor zu kassieren. Damit das auch gegen Gladbach so bleibt, muss der FC beim Gegner die "Harmonie stören", so Solbakken.
Und Marco Reus stoppen. "Als Mannschaft", wie der Kölner Trainer wenig überraschend vorgibt. Manndeckung sei nicht mehr zeitgemäß und gegen ein Team wie die Borussia, die "auch über sehr gefährliche Außenspieler verfügt", der falsche Weg. Einzig eine Option steht für den nie um einen Spruch verlegenen Norweger zur Debatte. Gegen den schnellen und ausdauernden Reus könne doch Kölns Oldie "Kevin McKenna Mann gegen Mann spielen. 90 Minuten über den ganzen Platz. Das wäre toll."
Köln: Rensing - Brecko, Geromel, McKenna, Eichner - Riether, Matuschyk - Clemens, Jajalo, Peszko - Podolski.
Gladbach: ter Stegen - Jantschke, Brouwers, Dante, Daems - Nordtveit, Neustädter - Herrmann, Arango - Reus, Hanke.
1. Das Spiel leitet Schiedsrichter Manuel Gräfe.
2. Die Borussia muss auf Innenverteidiger Martin Stranzl (Knieverletzung) verzichten.
3. Der FC muss weiterhin auf die gesperrten Martin Lanig und Henrique Sereno verzichten, da ihre Sperren durch das ausgefallene Mainz-Spiel nicht abgelaufen sind.
4. Die Polizei setzt bei dem als "Spiel mit erhöhtem Sicherheitsrisiko" eingestuften Derby auf die "Sektorentrennung" der Tribünen. So sollen Fanvermischungen vermieden werden. Vor den Fankurven werden die Sicherheitszäune hochgefahren.
Quelle: t-online.de
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