24.10.2010, 20:16 Uhr | t-online.de
Die offene Personalie nach Soldo: Michael Meier. (Foto: imago)
Ein Kommentar von Marc L. Merten
Er war das viel zitierte schwächste Glied in einer schon längst zerrissenen Kette. Doch vor allem war Zvonimir Soldo am Ende nur noch die ärmste Sau, die schamlos durchs Dorf getrieben wurde. Erst gab ihn Manager Michael Meier für die Medien zum Abschuss frei. Dann wollte Präsident Wolfgang Overath vor dem Hannover-Spiel anstelle des Kroaten eine Kabinenpredigt halten. Am Ende feuerten sie ihn. Und ziehen mit Frank Schaefer ihren letzten Trumpf.
"Kein Medienfuchs" sei er, der Soldo. Wie sehr sich Michael Meier doch getäuscht hat. Der letzte öffentliche Auftritt Soldos als FC-Coach im "Doppelpass" wurde zum Lehrstück im Umgang mit Medien. Und das, obwohl Soldo bereits ahnte, was ihm blühte. Trotzdem blieb er ruhig, analysierte, ohne persönlich auszuteilen, gab sich uneitel und realistisch. Ein Medienprofi kann eben auch sympathisch rüberkommen, ohne Zoten zu reißen und populistisch zu werden.
Diese Attribute sind in Köln nun nicht mehr gefragt. Und auch ein Wort, das seit dem Amtsantritt Meiers im Dezember 2005 über dem Geißbockheim kreist, hat sich mit Soldo verabschiedet: Kontinuität. Diese hatten Meier und Overath dem Klub einimpfen wollen. Das Erreichte jedoch liest sich anders.
Bei Soldos Entlassung ging es drunter und drüber. Die Chronologie des Rauswurfs sehen Sie hier. zum Video
Als ersten Trainer verpflichtete Meier zu aller Überraschung den Schweizer Hanspeter Latour. Ein halbes Jahr später entließ er ihn wieder. Mit großen Brimborium kam kurz darauf der Mann, auf den alle gewartet hatten: Doch Christoph Daum freute sich über eine "Wann immer ich Lust habe, gehe ich wieder"-Ausstiegsklausel. Und statt mit Daums Hilfe ein Team mit Entwicklungspotential aufzubauen, kamen und gingen überteuerte Ex-Stars zum letzten Abkassieren. Daums Nachfolger Soldo bekam in diesem Sommer die Quittung: Sparkurs, Umbruch, dem Nachwuchs eine Chance geben. Doch schon neun Spieltage später hatte Soldo selbst keine Chance mehr.
Der Schluss liegt nahe: Soldo war nicht der falsche Trainer, er war nur beim falschen Klub. Gescheitert ist nicht Soldo, sondern der FC! Und damit auch Michael Meier. Nach fünf Jahren als Geschäftsführer steht der FC genau da, wo er war, als Meier zum FC kam: auf einem Abstiegsplatz, ohne Trainer und völlig desillusioniert. Jetzt soll es vorerst U23-Coach Frank Schaefer richten. Den fordern viele Kenner rund ums Geißbockheim schon seit Jahren. Auch deswegen, weil er den FC-Nachwuchs neu strukturiert und erfolgreich gemacht hat - und für kontinuierliche Arbeit steht. Nur Meier und Overath haben ihn lange übergangen. Bis jetzt.
Quelle: t-online.de
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