17.02.2012, 09:18 Uhr
Arjen Robben gilt auf dem Fußballplatz als Egoist. (Quelle: imago)
Von Jonny Giovanni
Philipp Lahm hat sich diese Woche als Meister der Dialektik erwiesen. Diese bereits in der Antike angewandte Wissenschaft nähert sich den Dingen über ihre Gegensätze, über These und Antithese. Lahm, der als Bestseller-Autor natürlich um solche intellektuellen Feinheiten weiß, sagte also über seinen Mitspieler Robben: "Man kann es so stehen lassen, dass Arjen ein Egoist ist. Aber er wird auch immer alles für die Mannschaft geben."
Ja, nein, doch – die Bayern haben dieser Tage erkennbar Probleme dabei, das Profil des holländischen Außenstürmers zu bewerten. "Er ist ein Egoist", sagte Ehrenpräsident Franz Beckenbauer, und meinte: Das nervt! "Er ist ein Egoist", sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, und meinte: Zum Glück! Beziehungsweise: Hoffentlich bald wieder! Rummenigge beobachtete zuletzt, dass Robben "fast zu mannschaftsdienlich gespielt" und "fast krampfhaft" versucht habe, "den Ball abzulegen". Weil man ihn ja sonst wieder einen Egoisten schimpft.
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Pragmatisch und das kleine bisschen altklug, das er nun einmal ist, argumentierte Thomas Müller aus Spielersicht: "Zu Arjen Robbens Spiel gehört, dass er im Dribbling sehr stark ist – und Dribbling ist meistens alleine." Müller, immerhin, ist der Spieler, der sich vorige Saison nach einem Sieg in Bremen eine Watsch’n von Robben einfing, weil er sich zuvor wild gestikulierend über, genau, dessen Egoismus echauffiert hatte. Wenn die Bayern jetzt also sagen, die Robben-Frage sei "kein Thema für die Mannschaft, nur für die Öffentlichkeit" (Lahm), dann muss man ihnen das nicht unbedingt aufs Wort glauben.
Robben selbst hält es immerhin für so virulent, dass er seinen Verbleib in München längst nicht mehr als "Formalie" sieht, wie noch in den Weihnachtsferien. Zuletzt orakelte er in der Bayern-Stadionzeitschrift, er habe schon öfters erlebt, wie es "manchmal auch ganz schnell gehen kann, und du bist woanders, ganz unabhängig von der Vertragssituation."
Robben bezieht sich damit auf seine fluchtartigen Wechsel von Chelsea zu Real Madrid (2007) und von dort zu den Bayern (2009). Bei beiden Vereinen war er auch mal Star, doch irgendwann standen sie vor einer ähnlichen Güterabwägung wie nun die Bayern: Inwieweit nimmt man zugunsten der Genialitäten des Niederländers in Kauf, dass andere Spieler sich weniger entfalten können? Als etwa Madrid wegen dem Einkauf von Cristiano Ronaldo sein Team nicht mehr um Robben bauen wollte, verkaufte es ihn lieber gleich.
Es kann eben immer nur ein Zirkuspferd geben, so die Kalkulation. Auch bei den Bayern hatte Robben seine beste Phase, als er das Angriffsspiel monopolisierte – in seinem ersten Jahr, als Franck Ribéry, der andere Primgeiger im Kader, wegen diverser Blessuren und Affären kaum eine Rolle spielte. Bei den seltenen gemeinsamen Gala-Auftritten schwärmte die Presse zwar von "Robbery". Doch übermäßig sympathisch, gar befreundet, wie bisweilen suggeriert, waren sich die beiden nie.
Ribéry hat sich die Rolle des Angriffsführers inzwischen von Robben zurück geholt. Und wohl nicht ganz zufällig war er es, der nach dem Pokalsieg in Stuttgart das Mannschaftsurteil im Fall Robben sprach. Man musste gar nicht viel zwischen den Zeilen lesen, um es zu dechiffrieren. "Toni Kroos ist wichtig auf der Zehner-Position", sagte Ribéry, einerseits. Und andererseits: "Thomas Müller spielt rechts am besten." Da man davon ausgehen darf, dass der Franzose seinen Platz links in der Dreier-Halbstürmerkette kaum aufgeben will und Robben wohl auch nicht zum Ersatz von Gomez in der Stoßspitze erkoren hat, bedeutet das im Klartext: Robbens Platz ist auf der Bank.
Dort aber gehört er nicht hin, dafür ist er zu gut, das lässt er sich auf Dauer auch nicht gefallen. Doch letztlich, das ist die Crux für den Niederländer, geht es nur gut, solange seine Brillanz alle Debatten darüber erübrigt, ob sein Mehrwert den durch ihn geringeren Beitrag seiner Mitspieler überwiegt. Und daran wiederum ist das Dilemma: Je besser die Mannschaft ist, in der er spielt, desto schwerer ist es für ihn, diese Gleichung zu gewinnen.
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Die Saison 2009/2010, seine bayerische Premium-Referenz, war die beste seiner gesamten Karriere – endlich einmal von Verletzungen verschont, führte er die Münchner zum Beinahe-Triple. Aber da war eben Ribéry in der Krise, Müller noch ein Novize, Kroos gar nicht im Verein. Nun hat er es mit gestandenen Klassespielern zu tun, während er durch seine wieder häufigen Blessuren zermürbt und gehandicapt ist. Allein gegen drei: Mit seinen Waffen, die, wie Müller sagt, nun einmal die eines Solisten sind, hat er da kaum eine Chance. Oder er verrät seine Waffen, aber dann ist er eben nicht mehr Arjen Robben – da trifft Rummenigge mit seiner Analyse den Nagel auf den Kopf.
Es spricht für den berühmten Familiensinn der Bayern, dass ihm der Vorstandschef trotzdem erneut die Vertragsverlängerung in Aussicht gestellt hat. Oder ist das alles nur Chimäre, und in Wahrheit hat Beckenbauer die Lizenz, mit seinen Brachialattacken ("Die Anerkennung hat er teilweise verspielt") die Trennung einzuläuten? Womöglich wäre sie das Beste für alle Beteiligten. Denn ein angezweifelter, bekrittelter, verunsicherter Robben – der bringt nun wirklich niemandem etwas, nicht einmal sich selbst.
Quelle: t-online.de
Nordlicht schrieb:
am 17. Februar 2012 um 21:31:00
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Arjen Robben in Bestform ist Weltklasse
Genau deshalb haben ihn 2010 seine Profi-Fussballerkollegen mit Riesenabstand zum Spieler des Jahres
und die Sportjournalisten zum Fussballer des Jahres in Deutschland gewählt. Schon vergessen? 33 Tore in 50 BL-Spielen, und dass nicht als Mittelstürmer. Kennt jemand einen BL-Spieler, der auf seiner Position eine bessere Tor-Quote hatte? Unglaublich, wie verblendet einige Beitragsschreiber hier sind ("Robben ist Kreisklasse"), nur weil er nicht für ihren Verein spielt, sondern in Mün
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Kai schrieb:
am 17. Februar 2012 um 21:30:34
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@Uli
Wieso sollte Franz Beckenbauer seine Meinung nicht sagen? Zumal es in München die Spatzen von den Dächern pfeifen, dass es bei den
Bayern keinen Spieler mehr gibt, der nicht am liebsten ohne Robben auskommen würde.
Mir gefällt es, wenn er in seiner launischen, entspannten Art Stellung bezieht und nicht, wie die meisten Anderen, politisch korrekte Statements abgibt, die Null Unterhaltungspotential haben und fast schon voraussagbar sind.
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Uli schrieb:
am 17. Februar 2012 um 19:29:22
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Arjen Robben
Der Franz sollte vielleicht endlich mal seinen senilen Mund halten. Was der Mann für einen Bullshit verzapft geht auf keine
Kuhhaut. Soll er sich am besten ins nächste Seniorenheim begeben und Rommee spielen. Franz schweig still, damit hilfst du dem FCBayern am meisten.
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