28.07.2011, 06:59 Uhr
Shinji Kagawa jagt dem Ball hinterher - der BVB will wieder Bayern-Jäger sein. (Foto: imago)
Von Patrick Brandenburg
Jürgen Klopp hat die große Reset-Taste gedrückt. Löschen? Sicher! Nämlich den Gedanken, dass Borussia Dortmund zuletzt die Bundesliga dominierte wie kaum ein Team zuvor. Der überraschende Erfolg der jüngsten Meistermannschaft der Geschichte soll weder zur Belastung werden, noch zur Gemütlichkeit einladen. „Wir haben kein Prozent an Dampf verloren. Wir haben alle Entscheidungen getroffen, als ob wir nicht den Titel geholt hätten“, sagt Trainer Klopp. Das offizielle Saisonziel heißt daher nicht Titelverteidigung, sondern internationale Startplätze. Dortmund ist wieder der Jäger, nicht der Gejagte.
So jedenfalls stellt sich die Klubführung die neue Saison vor. Fragt sich nur, ob der Rest der Liga das auch so sieht - mal abgesehen vom ewigen Topfavoriten FC Bayern. Im 18. und letzten Teil der Teamcheck-Serie geht t-online.de der Frage nach, ob Dortmund den Meister-Blues vermeiden kann, wie der Abgang von Spielmacher Nuri Sahin kompensiert werden soll und wie der Klub für die Mehrbelastung Champions League aufgestellt ist.
Sahins Wechsel zum Weltklub Real Madrid hat die Statik des Dortmunder Spiels verändert. „Wir können Nuri nicht Eins-zu-Eins ersetzen“, gibt Sportdirektor Michael Zorc offen zu. Der Anteil des Mittelfeldregisseurs am Powerfußball soll auf mehrere Spieler verteilt werden, nicht nur auf Ilkay Gündogan oder Moritz Leitzner. Wer von den beiden künftig an der Seite von Sven Bender (oder Sebastian Kehl) den offensiven Part auf der Doppelsechs spielt, ist noch nicht klar. Der für gut vier Millionen Euro vom 1. FC Nürnberg gekommene Gündogan hatte seine Favoritenrolle kurzzeitig verloren, nachdem er einige Kilo zuviel mit zum Trainingsauftakt brachte. Mittlerweile hat der 20-Jährige seine Defizite ausgeglichen und glänzte beim Supercup gegen Schalke mit Übersicht und feinen Anspielen. Der noch zwei Jahre jüngere Leitner gehört zu den absoluten Gewinnern der Vorbereitung und überzeugte in fast allen Tests.
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Der glückliche Gewinner im Kampf um den Platz in der Startelf darf sich freuen, vom „halben Neuzugang“ Shinji Kagawa unterstützt zu werden. Der Japaner ist nach seinem Fußbruch wieder fit und versprüht im offensiven Mittelfeld schon wieder die alte Spielfreude. In Ivan Perisic, der für 5,5 Millonen Euro vom FC Brügge kam, hat der BVB zudem einen weiteren Offensiv-Allrounder geholt. Der 22-Jährige hat den Schock der knüppelharten Vorbereitung überwunden und sein Können angedeutet.
Trotz der gewachsenen Begehrlichkeiten ist es Michael Zorc gelungen, den Meisterkader weitgehend zusammen zu halten. Außerdem hat der Sportdirektor die Mannschaft mit Augenmaß in der Breite gestärkt, um für die Champions League gerüstet zu sein. Mit der Verpflichtung von Spielern mit Perspektive bleibt sich der Verein auch im Erfolg treu. „Wir haben es wieder nicht geschafft, den Altersschnitt zu erhöhen“, sagt Zorc selbstironisch zur weiteren Verjüngung des Kaders. Der Kern des Teams ist eingespielt, was den Einbau der Neuen erleichtert und die Chancen erhöht, dass Dortmund seinen atemberaubenden Offensivfußball in die neue Saison rettet. Das größte Plus könnte Mario Götze werden. Sollte der Shooting-Star gesund bleiben, ist ihm in der neuen Spielzeit sogar der internationale Durchbruch zuzutrauen. Schon jetzt ist es ein Traum, dem 19-Jährigen beim Fußballspielen zuschauen zu dürfen.
Das heimliche Glanzstück der Borussia in der Meistersaison war die Abwehr, die nur knapp am Rekord des FC Bayern mit den wenigsten Gegentoren vorbei schrammte. Mats Hummels, Marcel Schmelzer, Neven Subotic, Lukas Piszczek und Torwart Weidenfeller - sie alle können sich sogar noch steigern. Hinter der zweiten Reihe der Verteidigung stehen aber Fragezeichen. So muss sich der vom Drittligisten Chemnitz gekommene Chris Löwe erst in der Bundesliga bewähren. Zurzeit scheint es fast wahrscheinlicher, als würde Allzweckwaffe Kevin Großkreutz als Linksverteidiger aushelfen, sollte Schmelzer ausfallen - das würde zudem auf der Position davor den Weg für Perisic ins Team ebnen. Auf der rechten Abwehrseite bekommt Piszczek zu wenig Druck, denn Patrick Owomoyela bleibt verletzungsanfällig, und Duisburg-Rückkehrer Julian Koch wird nach seiner schweren Verletzung frühestens in der Winterpause voll ins Mannschaftstraining einsteigen. Für die Ersatzbank fehlt zudem ein zweiter Innenverteidiger von Format neben Felipe Santana.
Der breitere Kader könnte außerdem für Härtefälle beim BVB sorgen. Gerade im Mittelfeld, wo zehn Startelf-Kandidaten um vier bis fünf Plätze streiten. So droht Kapitän Sebastian Kehl erneut die Regentschaft vom Spielfeldrand. Keine leichte Situation für den Routinier auf der Zielgeraden seiner Karriere. Für ein erstes teaminternes Störfeuer sorgte Innenverteidiger Santana, als er vor Beginn des Trainingslagers Wechselwünsche äußerte. Ein Überraschungskandidat für schlechte Laune könnte Lucas Barrios werden. Der Stürmer kommt verspätet und verletzt von Paraguays furiosem Final-Ausflug bei der Copa America zurück zum BVB und wird vor Anfang September wohl kaum in Startelf-Form sein. Bis dahin könnte Robert Lewandowski dem Publikumsliebling den Rang ablaufen. Der vier Jahre jüngere Pole ist vor der EM in seinem Heimatland möglicherweise besonders motiviert.
Das allergrößte Dortmunder Manko bleibt der Torabschluss. Schon in der Meistersaison hat der BVB seine Fans ein ums andere Mal mit der teils fahrlässigen Chancenverwertung an den Rande der Verzweiflung getrieben. Solange es am Ende gut geht wie 2011/12, trösten sich die Anhänger der Schwarz-Gelben mit dem gewagten Vergleich, dass auch Lionel Messis FC Barcelona den Ball stets ins Tor tragen will. Eine längere Pechsträhne könnte die Geduld der Fans aber schnell vor eine harte Bewährungsprobe stellen.
Kein BVB-Fan muss befürchten, dass sich Jürgen Klopp mit einem Titel zufrieden gibt. In nur drei Jahren hat er der Borussia seine Handschrift verpasst und vermutlich will er jetzt erst damit anfangen, die Früchte seiner Arbeit zu ernten. Der Trainer hat enormen Ehrgeiz, ein klares Konzept und die nötige Autorität, seine junge Mannschaft zu Höchstleistungen anzutreiben. Wer nicht mitzieht, ist ganz schnell draußen - der öffentlich Eindruck vom TV-Darling täuscht gewaltig. Entertainer Klopp ist auf der großen Bühne Champions League angekommen, und nicht nur die BVB-Fans dürfen gespannt sein, welche Vorstellung er mit seinem Team dort gibt. „Auch wir werden unsere Waffen auspacken. Es wäre nicht clever, sich Borussia Dortmund als Gegner zu wünschen“, droht Klopp schon forsch.
Es wäre vermessen zu glauben, die Borussia könnte den Durchmarsch zum Titel in der neuen Saison wiederholen. Dass liegt aber weniger an der Borussia selbst, als am FC Bayern, der wahnsinnig aufgerüstet hat und nicht erneut so weit unter Niveau spielen wird. Der aktuelle Meister ist daher gut beraten, sich in die Rolle des Verfolgers einzuordnen, mit der Hoffnung, die Münchner im Titelrennen möglichst lange zu ärgern. Verstecken muss sich der BVB vor keiner Mannschaft und ein Platz unter den ersten drei Teams erscheint viel wahrscheinlicher, als ein Absturz wie etwa beim VfL Wolfsburg und beim VfB Stuttgart in jüngster Vergangenheit. Dazu zeigt der BVB zuviel Kontinuität. Klopps Rasselbande geht mit noch mehr Selbstbewusstsein ins Rennen. Auch hat sie spielerisch Luft nach oben, obwohl das Offensivspektakel schon jetzt als Kopiervorlage für die Konkurrenz taugt. Über Sahins Abgang wird der Klub hinwegkommen, wenn Kagawa und Götze fit bleiben und der BVB seine Torchancen konsequenter nutzt. Eine kleine Gefahr liegt darin, sich Anfangs im Neuland Champions League zu verzetteln. Aber diese Herausforderung kommt für die schwarz-gelben Himmelsstürmer als nächster Entwicklungsschritt vielleicht sogar zur rechten Zeit.
Quelle: t-online.de
Ich schrieb:
am 28. Juli 2011 um 21:19:33
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BvB
lasst mal erst die CL Spiele kommen und sich beim BvB das Lazarett füllt, dann fängt bei denen auch das grosse Jammern an.
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Kater Kimble schrieb:
am 28. Juli 2011 um 21:12:02
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Der Klopp,
also wirklich, er will die Meisterschaft nicht verteidigen. Vielleicht sollten sie eine Nichtabstiegsprämie ausmachen.
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Kater Kimble schrieb:
am 28. Juli 2011 um 21:07:20
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Bitte um Aufklärung,
ich habe Georg nicht verstanden.
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