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Borussia Dortmund nimmt den Finger vom Panikschalter

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Dortmund schafft den Lucky Punch

25.09.2011, 08:21 Uhr

Nach dem Last-Minute-Treffer brechen bei Borussia Dortmund alle Dämme. (Foto: dpa)

Nach dem Last-Minute-Treffer brechen bei Borussia Dortmund alle Dämme. (Foto: dpa)

Aus Mainz berichtet Patrick Brandenburg

Falls noch irgendjemand Zweifel hatte, welchem Druck Borussia Dortmund nach dem schlechtesten Meisterstart der letzten 27 Jahre ausgesetzt war, hat er sie spätestens in der 73. Minute des siebten Spieltags verloren. Zu Gast bei schwachen Mainzern stand es nur 1:1, und irgendwie hatte der BVB den Zugriff aufs Spiel verloren. Daher entschloss sich Trainer Jürgen Klopp, ein Risiko einzugehen und den gerade erst genesenen Lucas Barrios in die Partie zu werfen.

Vor der Einwechslung redete er lange auf seinen Starstürmer ein, rempelte ihn frontal mit der Brust wie ein Adrenalin-Junkie vor der wilden Tat und herzte ihn schließlich wie nach einem heldenhaften Sieg. Wir müssen heute gewinnen, verriet die Körpersprache des Chefeinpeitschers. Wir MÜSSEN heute gewinnen.

"Lernen, wie es ist, Meister zu sein"

Am Ende war es nicht Torgarant Barrios, der den so wichtigen ersten Auswärtssieg seit über sieben Monaten sicherte, sondern ein abgefälschter Verzweiflungsvolley von Außenverteidiger Lukasz Piszczeck in sprichwörtlich letzter Sekunde. Aber das dürfte dem BVB egal gewesen sein. Denn nur der Sieg beim FSV bewahrte Dortmund davor, endgültig in den Abwärtssog aus Selbstzweifeln und öffentlicher Schadenfreude zu geraten, aus dem schon andere begabte Teams nicht herausgefunden haben. Welcher Bundesligist kennt dieses Phänomen nicht? Stattdessen konnte Klopp nach dem hochverdienten, aber doch erduselten Erfolg eine neue Positivliste aufstellen: "Wir lernen gerade, wie es ist, Meister zu sein. Wir haben uns heute gewehrt. Wir haben unsere Idee vom Spiel nicht verraten."

Lucky Punch sorgt für Erleichterung

Letzteres wäre künftig wohl ein schweres Stück Arbeit geworden, hätte Piszczek nach der glücklichen Mainzer Führung durch Nicolai Müller (33.) und dem Ausgleich durch Ivan Perisic (64.) nicht mit dem Lucky-Punch für kollektives Aufatmen bei Schwarz-Gelb gesorgt. Kaum auszudenken, wie der BVB mit nur acht Punkten aus sieben Spielen in die nächsten Aufgaben gegangen wäre. Oder sogar mit noch weniger, schließlich hätten der Mainzer Andreas Ivanschitz den Spielverlauf kurz vor Schluss fast komplett auf den Kopf gestellt, als er alleine vorm Tor an Roman Weidenfeller scheiterte. Der Begriff Krise, bei Klopp trotz zwei Liga-Pleiten in Folge nur in der Verniedlichungsform Ergebniskrise geduldet, hätte sich nicht mehr wegdiskutieren lassen.

Viele Fragezeichen

Das Selbstbewusstsein, eine ebenso weiche wie wichtige Währung im Fußball, wäre weiter gesunken, der Respekt bei den ohnehin längst cleverer auftretenden Gegnern ebenso. Zumal Fragezeichen rund um den Meister weiter bestehen: Ist das Experiment mit Robert Lewandowski im Sturm gescheitert? Auch gegen Mainz ließ der Barrios-Ersatz wieder zwei Riesenchancen aus. Bekommt Ilkay Gündogan die Schaltzentrale nicht in den Griff? Auch gegen den FSV agierte der zweite Sechser neben dem kampfstarken Kapitän Sebastian Kehl unglücklich. Wann findet Shinji Kagawa wieder zur Galaform der vergangenen Hinrunde zurück? Auch in Mainz konnte er seine Klasse nur andeuten. Zudem leistete der Japaner mit zwei erfolglosen Distanzschüssen aus aussichtsreicher Position seinen Beitrag zum Dauerthema Chancenverhunzung.

Foto-Show: Abstürze nach der Meistersaison
6 Bilder von 11

Klopp plant zunächst ohne Barrios

Immerhin gilt es für den Deutschen Meister, die internationalen Plätze nicht frühzeitig aus dem Blick zu verlieren. Denn eigentlich will der ambitionierte Revierklub wieder regelmäßig Europapokalnächte feiern. So wie am Mittwoch, wenn es in der Champions League zu Olympique Marseille geht. Nach dem Sieg in Mainz fährt die Borussia zwar nicht befreit, aber doch erleichtert und vor allem ohne Panik ans Mittelmeer. Das zeigt sich schon daran, dass Stürmer Barrios noch Zeit bekommen soll, nachdem er gerade erst wieder ins Training eingestiegen ist. "Wenn es sich vermeiden lässt, wird er nicht in der Startelf stehen“, sagt Klopp - und verschweigt, dass er Barrios wohl auch in Mainz gerne von seiner Vollkontakt-Motivation verschont hätte.

7. Spieltag

VfB Stuttgart

-

Hamburger SV

1:2

zum Spielbericht

FC Schalke 04

-

SC Freiburg

4:2

zum Spielbericht

1. FSV Mainz 05

-

Borussia Dortmund

1:2

zum Spielbericht

VfL Wolfsburg

-

1. FC Kaiserslautern

1:0

zum Spielbericht

Borussia Mönchengladbach

-

1. FC Nürnberg

1:0

zum Spielbericht

FC Augsburg

-

Hannover 96

0:0

zum Spielbericht

FC Bayern München

-

Bayer Leverkusen

3:0

zum Spielbericht

1. FC Köln

-

TSG 1899 Hoffenheim

2:0

zum Spielbericht

SV Werder Bremen

-

Hertha BSC

2:1

zum Spielbericht


Quelle: t-online.de

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