10.08.2010, 08:00 Uhr | Eine Analyse von Patrick Brandenburg
Das neue Team von Jürgen Klopp. (Foto: imago)
Am 20. August startet die Bundesliga in ihre 48. Spielzeit. t-online.de hat alle 18 Klubs unter die Lupe genommen. Teil 14 der Teamcheck-Serie beschäftigt sich mit Borussia Dortmund.
Es war fast wie Mitte der Neunziger: Konfettikanonen bliesen Lametta in den Dortmunder Abendhimmel, die Südtribüne feierte ihre Helden, als Kapitän Sebastian Kehl den Pokal entgegennahm. Dass es nur der so genannte "Ferrostaal Cup" war, für den Sieg im Testspiel gegen Manchester City, nahmen die Dortmunder mit Humor. "Ich hole nur die ganz großen Pokale", sagte der bislang titellose Trainer Jürgen Klopp nach dem viel versprechenden 3:1 über die Engländer im vorletzten Spiel der Saisonvorbereitung.
In der Bundesliga dürfte die Jagd nach Meriten schwerer werden. Aber für die Fans von Schwarz-Gelb ist es mehr als nur ein kleiner Trost, wieder den Weg zurück nach Europa geschafft zu haben. Sollte die Borussia die letzte Hürde Qarabag Agdam aus Aserbaidschan nehmen, winken in der Gruppenphase der Europa League gegen Top-Teams wie Man City auch Pflicht- und nicht nur harmlose Freundschaftsspiele.
Offensivhoffnung: Polens Torschützenkönig Lewandowski. (Foto: imago)Dank der Qualifikation für die Playoff-Runde der Europa League hat sich der BVB den lang gehegten Wunsch erfüllt, Robert Lewandowski von Lech Posen zu kaufen. 4,5 Millionen Euro investierte Dortmund in den Torschützenkönig der polnischen Liga. Lewandowski soll der Offensive mehr Treffsicherheit verleihen. Für Polens Fußballer des Jahres muss Publikumsliebling Nelson Valdez weichen. Darüber hinaus hat Sportmanager Michael Zorc durch Lukasz Piszczek (von Hertha BSC) und Shinji Kagawa (Cerezo Ozaka) die zweite Reihe gestärkt. Der 21-jährige Japaner ist ein toller Techniker, aber an das Tempo und die Härte der Bundesliga muss er sich erst gewöhnen. Von den sechs Nachrückern aus den eigenen Reihen wird dem 18-jährigen Mario Götze das größte Potenzial zugesprochen.
Trainer Klopp und Manager Zorc haben ihr großes Ziel fast erreicht, eine auf allen Positionen doppelt besetzte Mannschaft zu bauen. Einzig bei den Torhütern ist der BVB blank. Nach dem Abgang von Marc Ziegler stehen in Mitchell Langerak und Johannes Focher nur zwei Rookies als Ersatz für Roman Weidenfeller parat.
Die Innenverteidigung steht sicher mit den beiden Jungnationalspielern Neven Subotic und Mats Hummels. Marcel Schmelzer hat sich auf der linken Abwehrseite etabliert und Routinier Dede verdrängt. Patrick Owomoyela muss sich gegen Piszczek behaupten. Im Mittelfeld hat Klopp mittlerweile so viele Akteure zur Verfügung, dass sich ein Offensivkünstler wie Tamas Hajnal meist nur auf der Bank wiederfindet und der Abschied des beliebten Kämpfers Tinga völlig untergegangen ist. Kehl und Nuri Sahin (oder der starke Ersatz Sven Bender) regieren als Doppelsechs in der Zentrale. Im offensiven Mittelfeld haben sich die Flügelspieler Kevin Großkreutz und Jakub Blaszczykowski bewährt – ganz zu schweigen von Lucas Barrios im Sturm, der in seiner Debütsaison mit 19 Toren gleich den Durchbruch schaffte.
Das einzige Fragezeichen: Wo ist Platz für Lewandowski? Der Pole ist ein Instinktfußballer mit einem guten Abschluss: ein klassischer Mittelstürmer. Aber in der BVB-Offensive ist nur Raum für einen Angreifer und der heißt Barrios. Für Lewandowski ist daher zunächst die Planstelle 10,5 von Mohamed Zidan vorgesehen, dessen Kreuzbandriss noch nicht ausgeheilt ist. Aber Lewandowski scheint als hängende Spitze hinter Barrios verschenkt. Ein gesunder Zidan, Hajnal und selbst Frischling Kagawa sind mit ihrer Spielübersicht an der Nahtstelle zur gegnerischen Abwehr viel besser aufgehoben.
In nur zwei Jahren hat sich Jürgen Klopp in Dortmund als feste Größe etabliert. Nicht einmal eine verhunzte Spielzeit würden die Fans ihrem Idol übelnehmen. Dieses Vertrauen will der Coach nicht auf die Probe stellen. Schon in der vergangenen Saison hat er dem BVB seinen Stempel aufgedrückt und teilweise tollen Systemfußball spielen lassen. Der ambitionierte 43-Jährige wartet nach dem Aufstieg mit Mainz und Bundesligaplatz fünf mit dem BVB nun auf den nächsten Karriereschritt – einen Titel oder einen ansehnlichen Lauf im Europapokal.
„Europapokal, Europapokal…“ – an den letzten Spieltagen der vergangenen Saison kannten die Fans in Dortmund nur dieses Thema. Die Sehnsucht nach Flutlichtspielen elektrisiert die Ruhrgebietsmetropole. Der Sprung in die Gruppenphase der Europa League sollte gelingen - allein, um nicht allzu neidisch auf die Auftritte des Rivalen Schalke in der Königsklasse blicken zu müssen. Hinter diesem großen Ziel verblassen kleinere Problemchen. Zum Beispiel, dass Zidan aufgrund ungeklärter Wehrdienstfragen noch in Ägypten festhängt. Oder dass der BVB-Busfahrer entlassen wurde, weil er sich angeblich zu oft verfahren hat. Es sind eher lustige Nachrichten, die rund um den BVB kursieren. So will Torwarttrainer Teddy de Beer seine Schützlinge mit selbst geschreinerten Rampen besser machen: Im Training lässt er Bälle von den Hindernissen abfälschen und simuliert so echte, wirre Spielsituationen.
Neu im BVB-Mittelfeld: Shinji Kagawa. (Foto: imago)Der Vorlauf zur Saison 2010/2011 verlief für den BVB nahezu optimal. In Österreich konnte das Team eine ordentliche Grundlage schaffen. Nur Barrios und Subotic waren bei der WM aktiv, ansonsten hatte Klopp seinen Kader frühzeitig zusammen. Von den Testspielen vor Ligastart hat die Borussia kein einziges verloren. Nur zwei Partien mitten in oder kurz nach dem anstrengenden Trainingslager endeten 1:1 - gegen Bursaspor und 1860 München. Die Neuzugänge Lewandowski und Kagawa zeigten sich als Torschützen bereits gut integriert.
Klopp favorisiert das 4-2-3-1. Torjäger Barrios ist im Angriff gesetzt, im offensiven Mittelfeld hat der Trainer viele Alternativen. Zurzeit gelten Kuba, Lewandowski und Großkreutz als Favoriten. Dahinter sichern Kehl und Sahin das Spiel ab. In der Abwehr sind Owomoyela, Subotic, Hummels und Schmelzer erste Wahl. Unangefochten die Nummer eins im Tor ist Weidenfeller. Sollte Lewandowski im Mittelfeld nicht zurechtkommen, ist aber auch die Rückkehr zum klassischen 4-4-2 denkbar.
Diese Spieler könnten gegen Leverkusen auflaufen
Der BVB-Kader scheint gut gerüstet für eine anstrengende Saison. Um ganz vorne in der Bundesliga mitzumischen, reicht das vermutlich nicht, dazu fehlt die nötige Qualität. Aber der BVB hat die Chance, erneut die Angriffe der Konkurrenten Stuttgart, Leverkusen, Wolfsburg oder Hoffenheim abzuwehren und Rang fünf zu verteidigen - vorausgesetzt, die Borussen können ihr laufintensives Spiel durchhalten. Denn das ist das eigentliche Ziel des Champions-League-Siegers von 1997: sich dauerhaft in Europa zu etablieren.
Quelle: t-online.de
Observer schrieb:
am 20. August 2010 um 15:15:10
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BVB
lass doch die bayern machen wie sie wollen, ganz neidlos gesagt: haben ja auch meist ein gutes ergebnis vorzuweisen.
der BVB hatte wohl,
wie wir noch alle wissen, super jahre und super titel eingeheimst bevor der abstieg kam.
da gibt es andere die erst einmal am ende anfangen und sich vorher verschulden und dann plötzlich den trainer nicht mehr wollen und sich finanziell überheben.
na solch ein hühnerhaufen aus einer kleinvorstadt kann doch gar nicht meister werden, dann also die bayern.
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dergoebel schrieb:
am 11. August 2010 um 12:45:27
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@Franz und Schwabe
Die Bayern spielen ein 4-2-3-1 ganz anders als es Dortmund tut - das sieht man schon allein an der Defensivarbeit berder
vereine - und eigentlicg ist es wursch wer damit anfing... ich meine Ahlen hat so schon vor 2 JAhre gespielt... wen interresiert das?
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Schwabe schrieb:
am 10. August 2010 um 19:47:23
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@Franz
Bayern hat sich das system nicht von den bayern abgeguckt, das system kommt aus Spanien.
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