15.01.2012, 17:38 Uhr
Marco Reus peilt mit Borussia Mönchengladbach auch eine erfolgreiche Rückrunde an. (Quelle: imago)
Von Björn Wannhoff
Wenn Borussia Mönchengladbach zum Rückrundenauftakt den großen FC Bayern zu Gast hat, ist diese Partie zum ersten Mal seit gefühlten Äonen ein echtes Spitzenspiel. Der Vierte trifft auf den Ersten, getrennt durch gerade einmal vier Punkte. Die Borussia hat sich dank der besten Hinserie seit 35 Jahren mit 33 Punkten und teilweise begeisterndem Fußball zu einem ernstzunehmenden Bayern-Verfolger gemausert. Ein Hauch der goldenen 70er Jahre wird also durch den Borussia-Park wehen.
Doch wer im Umfeld aufgrund der grandiosen Hinrunde und dem Einzug ins DFB-Pokal-Viertelfinale Aufbruchstimmung erwartet hat, wird enttäuscht werden. Die bekannt gegebenen Abgänge von Roman Neustädter und vor allem natürlich von Marco Reus zu Borussia Dortmund haben dafür gesorgt, dass die Presse von den "Trümmern eines Traums", vom Zerfall einer Mannschaft und "herausgerissenen Herzen" schrieb.
Dabei gibt es eigentlich weiter genügend Gründe, zuversichtlich auf die Rückrunde zu blicken. Reus und Neustädter haben bekräftigt, dass sie alles dafür tun werden, dass Borussias Höhenflug auch in der zweiten Saisonhälfte weitergeht. "Es liegt mit sehr viel an Gladbach, sonst hätte ich den Vertrag letztes Jahr nicht verlängert", sagte Reus, der die Hauptlast in der Offensive tragen wird. Dazu kommen die Neuzugänge Alexander Ring und Tolga Cigerci, die in der Vorbereitung bereits ihr Talent angedeutet haben und möglicherweise sofort als Alternativen für die Startelf zur Verfügung stehen.
Überhaupt scheinen die atmosphärischen Störungen weniger aus der Mannschaft selbst als aus den Medien zu kommen. Mike Hanke sieht das jedenfalls so: "Ich finde es Wahnsinn, was gerade hier los ist. Es wird von außen versucht, eine negative Stimmung reinzubringen". Der Manager gibt sich ebenfalls betont abgeklärt: "Ich habe bei der Entwicklung, die ein Marco Reus bei uns genommen hat, damit gerechnet. Mich trifft das nicht völlig überraschend", sagte Max Eberl bei "torfabrik.de". Im Gegenteil, der schon jetzt bekannt gegebene Wechsel könnte auch für mehr Ruhe in Gladbach sorgen. Immerhin können sich die Münchner ihre allwöchentlichen Avancen in Richtung Reus nun sparen.
Ansonsten wird noch immer das Team auf dem Feld stehen, dass in der Hinrunde für Furore sorgen konnte und viele Mannschaften in der Liga vor unlösbare Aufgaben gestellt hat. Grundlage dafür sind aber nicht allein die herausragenden Leistungen von Reus, sondern vor allem das Erfolgssystem von Taktik-Fuchs Lucien Favre. Das Rezept des Trainers ist eine Mischung aus konzentrierter und wohlgestaffelter Defensive und einer quirligen Offensive, die natürlich in großem Maße von den Einzelkönnern Arango, Reus und Herrmann abhängt.
Unterschätzen wird die Borussia freilich niemand mehr. Die Siege in München und gegen Bremen sowie im Pokal gegen Schalke haben bei der Konkurrenz Eindruck hinterlassen. Dementsprechend wissen die Gegner nun, mit welch konter- und abwehrstarken Mannschaft sie es zu tun haben. Aber wirklich entschlüsselt hat noch kein Team die Borussia. Einzig der Aufsteiger aus Augsburg hat es geschafft, Gladbach mit unbändiger Einsatz- und Laufbereitschaft über 90 Minuten zu beherrschen.
Wie Favre nicht müde wird zu betonen, waren viele der Gladbacher Siege knapp, ausgenommen das Schützenfest gegen Werder Bremen. Unverdient war jedoch keiner der Erfolge. Wichtig wird sein, das stramme Auftaktprogramm mit dem Heimspiel gegen Bayern München und in Stuttgart und Wolfsburg gut zu überstehen. Dann steht einer fesselnden Gladbacher Rückrunde und der Qualifikation für die Champions League nichts mehr im Wege.
Quelle: t-online.de
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