06.06.2011, 09:26 Uhr
Offenbachs Präsident Horst-Gregorio Canellas im Gerichtssaal. (Foto: imago)
Das Datum sage ihm nichts, gar nichts, versichert der sonst so treffsichere Klaus Fischer. 6. Juni 1971? 40 Jahre Bundesliga-Skandal? So langsam klingelt's. "Kann sein, dass es damals Absprachen gegeben hat. Wahrscheinlich", sagt die Schalker Torjäger-Legende. "Wir haben helfen wollen, es war ein Freundschaftsdienst, eine Dummheit." Nur ungern spricht Fischer über den Bestechungsskandal, den Horst-Gregorio Canellas damals auffliegen ließ.
Tags zuvor war dessen Verein aus der Bundesliga abgestiegen, seinen 50. Geburtstag feierte der Präsident von Kickers Offenbach dennoch. Auspacken wollte das Geburtstagskind allerdings keine Präsente. Zwischen Sekt und Schnittchen zauberte der Südfrüchte-Importeur auf der Gartenparty im südhessischen Hausen derart Exotisches aus dem Hut, dass den geladenen DFB-Größen, unter ihnen Bundestrainer Helmut Schön, und den Pressevertretern schlecht wurde. Anhand von Tonbandmitschnitten deckte Canellas den bis heute größten Skandal in der bald 50-jährigen Bundesliga-Geschichte auf. Das brisante Material schlug nicht nur auf der Party ein wie eine Bombe.
"Der deutsche Fußball ist ein einziger Sumpf", klagte Canellas an. "Die Bundesliga geht kaputt, wenn nichts getan wird. Was ich aufgedeckt habe, ist nur ein Anfang." Am Ende kam ans Licht, dass 18 Bundesliga-Spiele in der Endphase der Saison 1970/71 manipuliert worden waren, manchmal blieb es beim Versuch. Beteiligt war mehr als die halbe Liga, zehn von 18 Bundesligaklubs waren betroffen. Anfangs hatte DFB-Generalsekretär Hans Paßlack die Anschuldigungen noch als "vage Vermutungen" abgetan, doch dann beschäftigte der Skandal Öffentlichkeit, Verband und Justiz fast zwei Jahre lang.
Von "menschlichen Widerwärtigkeiten, wie Lug und Trug, Erpressung und Nötigung" sprach die "Frankfurter Allgemeine Zeitung". Klaus Fischer nennt das Ausmaß schlicht "unglaublich". Der DFB verdonnerte Arminia Bielefeld und Offenbach schließlich zum Zwangsabstieg. Neben "Kronzeuge" Canellas und weiteren Vereinsfunktionären sowie Trainern wurden mehr als 50 in den Skandal verwickelte Profis gesperrt, darunter auch die Schalker Nationalspieler Klaus Fichtel, Rolf Rüssmann, Stan Libuda - und eben Jungprofi Klaus Fischer. "Ich habe mir damals keine Gedanken gemacht, wir Jüngeren haben einfach mitgemacht", sagt Fischer zurückblickend. "Ich bin mitgeschwommen. Ich war ein ganz kleines Lichtlein." (Lesen Sie auch: Der Bundesliga-Skandal - Was wurde aus den Tätern?)
Für 2300 Mark pro Mann hatten Fischer und Co. 0:1 zu Hause gegen Bielefeld verloren. Für Fischer, der später das Tor des Jahrhunderts erzielte, war es ein Eigentor. "Was wir gekriegt haben, war lächerlich", sagt der frühere Stürmer. "Wir, die Jungen, wir waren damals dumm." Der inzwischen 61-Jährige bezeichnet sein Mitwirken noch heute als größten Fehler seines Lebens, vieles sei dadurch "zerstört" worden. Und obwohl Fischer, wie er sagt, seit Jahrzehnten nur noch von Journalisten auf die Affäre angesprochen werde, verfolgt sie ihn doch bis heute. "Man kann das nicht ausradieren", gibt Fischer zu. "Aber lieber spreche ich über meine Tore."
Quelle: sid
Schubiak schrieb:
am 6. Juni 2011 um 14:29:07
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fcbfan
Hat 1971 der Verein Schalke 04 betrogen oder waren es vielleicht einige Akteure, die u.a. später auch bei anderen Klubs willkommen
waren? Auf die Antwort bin ich jetzt aber mal gespannt.
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fcbfan schrieb:
am 6. Juni 2011 um 13:57:05
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deswegen hassen alle schalke !!!
ich sag euch hier im pott is schalke eine der meist gehassten wenn nicht DIE meist gehasste manschaft egal
wenn man fragt ob drotmunder bayern bremen stuttgart hamburg hannover oder leverkusenfan alle hassen schalke es ist einfach so die eigenen fans und eventuel die nürnberger mögen schalke sonst hassen alle schalke und naja kann ich verstehen ich bin bayernfan und hasse die ich sag nur 2001 war das beste jahr :D:D:D:D:D
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xyz schrieb:
am 6. Juni 2011 um 13:14:20
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BL-Skandal
Lieber Nörgler, natürlich ist alles verjährt und es interessiert heute auch niemanden mehr. Offensichtlich ist es aber für die
Beteiligten immer wieder ein Thema. Das hängt vielleicht mit Unrechtsbewusstsein und Scham zusammen. Der ein oder andere wird das nicht los. Der Betroffene sieht die Dinge immer anders als der Außenstehende.
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