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Choupo-Moting: "Meinem Spiel fehlt der letzte Biss"

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"Wir müssen auch mal den Sack zumachen"

21.10.2011, 06:58 Uhr | Julian Moering

Maxim Choupo-Moting gibt sich im Interview selbstkritisch. (Quelle: imago)

Maxim Choupo-Moting gibt sich im Interview selbstkritisch. (Quelle: imago)

Das Interview führte Julian Moering

Die Rückrunde der letzten Saison war hart für Maxim Choupo-Moting. Der gebürtige Hamburger wurde beim HSV in die zweite Mannschaft verbannt, eine Flucht zum 1. FC Köln scheiterte an Problemen mit dem Faxgerät. Jetzt spielt der 22-jährige Deutsch-Kameruner bei Mainz 05 und hat sich in der neuformatierten Mannschaft zum Leistungsträger gemausert. Im Interview mit t-online.de spricht er über die Gründe für die sportliche Krise, passives Abseits, seinen Sturmpartner Samuel Eto'o und die Fax-Affäre. 

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t-online.de: Herr Choupo-Moting, Sie sind im Sommer aus der Weltstadt Hamburg ins beschauliche Mainz gewechselt. Haben Sie sich schon eingelebt?

Maxim Choupo-Moting: Ja, auf jeden Fall. Ich bin sehr gut aufgenommen worden. Die Atmosphäre ist locker und die Jungs sind alle ziemlich cool drauf.

Kein Kulturschock?

Im Gegenteil, das Umfeld ist hier sehr ruhig, das gefällt mir gut. Beim HSV war viel mehr Rummel, auch medial. Hamburg ist und bleibt für mich eine der schönsten Städte Deutschlands, aber hier in Mainz lässt es sich prima leben. Das passt schon.

Was nicht passt, sind die Ergebnisse der letzten Wochen. Die Niederlage gegen Augsburg war bereits die fünfte in dieser Saison, seit sieben Spielen wartet der FSV auf einen Sieg. Wo liegen die Gründe für die sportliche Talfahrt?

In den letzten Spielen hat uns vielleicht die allerletzte Konsequenz gefehlt. Wir waren zwar in fast jedem Spiel überlegen, hätten immer gewinnen können, aber die letzte Gier nach dem Erfolg war nicht da. Das war auch gegen Augsburg so. Da müssen wir wieder hin.

Vielleicht wäre das Spiel gegen Augsburg anders gelaufen, wenn das vermeintliche Führungstor durch Nicolai Müller gezählt hätte. Doch der Schiedsrichter hat ihre Abseitsstellung als aktiv gewertet und gepfiffen. Wie haben Sie die Situation erlebt?

Das war aus meiner Sicht ganz klar passives Abseits. Der Schiedsrichter sollte meiner Meinung nur dann abpfeifen, wenn ein abseits stehender Spieler klar ins Spiel eingreift. Das war bei mir nicht der Fall, ich habe den Torwart und den Verteidiger nicht irritiert. Das ist sehr ärgerlich.

Zurück zu den unstrittigen Fakten. Nach den Auftaktsiegen gegen Leverkusen und Freiburg sind die 05er eingebrochen. War das Heimspiel gegen Schalke am dritten Spieltag der Knackpunkt?

Ja, das war bitter, das musst du erst mal verarbeiten. Zur Pause haben wir hoch verdient 2:0 geführt, hatten Schalke im Griff. Doch dann die vier Gegentore. Das Spiel hat uns klar vor Augen geführt, dass ein bisschen Schönspielen nicht ausreicht. Aber von Knackpunkt würde ich nicht sprechen. Wie gesagt, für mich gab es in dieser Saison kein Spiel, in dem wir chancenlos waren.

Woran liegt es dann, dass die Erfolgserlebnisse ausbleiben? Ist das nur Pech?

Teilweise, aber das wäre zu einfach. Wir müssen vor allem daran arbeiten, dass wir auch mal den Sack zumachen, wenn wir in Führung gehen, was ja schon einige Male der Fall war. Dazu müssen wir in den entscheidenden Situationen abgeklärter und sicherer werden. Aber das wird kommen.

Was macht Sie da so sicher?

Die guten Ansätze sind in unseren Spielen zu erkennen. Das zeigt, dass genug Qualität in der Mannschaft vorhanden ist. Die werden wir auch wieder in Siege umwandeln.

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In den letzten beiden Saisons unter Trainer Thomas Tuchel hat Mainz 05 durch schnelles Umschalten und schnörkelloses Offensivspiel begeistert. In dieser Spielzeit war davon wenig zu sehen. Ist die Mannschaft noch nicht eingespielt?

Wir haben jetzt neun Spieltage hinter uns, viele Automatismen greifen schon. Aber man kann sich nie genug einspielen, und es gibt noch viel zu verbessern. Gegen Nürnberg (8. Spieltag, 3:3, die Red.) hat man gesehen, dass wir das schnelle Umkehrspiel beherrschen. Gegen Augsburg haben wir uns schwer getan, die standen hinten sehr kompakt. Wir haben einfach zu schnell die Geduld verloren, das müssen wir in Zukunft konsequenter zu Ende spielen.

Thomas Tuchel hat in den letzten Partien personell viel experimentiert. Sie sind einer der wenigen, die in jedem Spiel auf dem Platz standen. Ist es da nicht schwer, eine Abstimmung zu finden?

Nein, wir trainieren jeden Tag miteinander und jeder der spielt, weiß genau was er zu tun hat und was der Trainer erwartet. Eine feste Formation mag das Erlernen gewisser Automatismen erleichtern, aber die Vorteile der Rotation überwiegen. Wir können uns besser auf den Gegner einstellen und jeder, der einmal draußen gesessen hat, ist umso hungriger, sich dem Trainer zu beweisen und das nächste Mal dabei zu sein. Das hebt das Leistungsniveau.

Man sagt Thomas Tuchel ja gerne nach, er könne schlecht verlieren. Folglich muss er gerade durch die Hölle gehen. Wie wirkt er momentan auf Sie?

Natürlich ist er angespannt, das sind wir alle. Das merkt man auch an seiner Ansprache.

Woran genau?

Er spricht konkreter die Dinge an, die momentan fehlen.

Welche Dinge?

Er vermisst die Gier und die Bereitschaft, alles und nicht nur 95 Prozent zu geben. Er treibt uns immer an, die fehlenden Prozente aus uns rauszuholen. Man merkt, dass der Trainer viel nachdenkt, über sich, die Situation und über uns. Er arbeitet hart an sich, und das müssen wir Spieler auch tun. Jeder muss überlegen, was er persönlich besser machen kann.

Sind Sie für sich schon zu einem Ergebnis gekommen?

Besonders nach der Partie gegen Augsburg ist mit klar geworden, dass meinem Spiel derzeit der letzte Biss und auch die Cleverness vor dem Tor fehlt. Aber das wird wiederkommen, da bin ich mir sicher. Wichtig ist, dass wir alle an die Wende zum Guten glauben.

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Fast 7000 Kilometer von Mainz entfernt liegt ihre zweite fußballerische Heimat, Kamerun. In der U21 haben Sie noch für Deutschland gespielt, sich dann aber für das Land ihres Vaters entschieden. Haben Sie die Entscheidung jemals bereut?

Nein, niemals. Zu null Prozent. Bei Kamerun bin ich einfach nur glücklich. Die Atmosphäre ist eine ganz andere, die Jungs sind viel lockerer. Wir lachen zusammen, wir tauschen uns aus.

Ohne despektierlich klingen zu wollen: Die Chance auf einen großen Titel wäre beim DFB höher gewesen. Reizt Sie das nicht?

Ja, Erfolg hätte ich mit Deutschland sicherlich mehr haben können. Aber das, was Kamerun mir gibt, ist nicht durch Titel oder Geld aufzuwiegen. Das ist eine Herzenssache. Dieser Enthusiasmus und die Freude, mit der die Leute uns dort bei Spielen begegnen, ist einfach fantastisch. Jeder auf der Straße jubelt dir zu. Fußball ist in Kamerun die Nummer eins. Hier hat Fußball auch einen sehr hohen Stellenwert, aber das kann man nicht vergleichen.

Was macht die Stimmung in Kamerun so besonders?

Du kommst ins Stadion, 50.000 Zuschauer, und du spürst die Energie. Du hörst Musik und Trommeln, die Leute jubeln. Das ist Gänsehaut pur.

Aber auch vor der Nationalmannschaft machen die sportlichen Probleme nicht halt. Zwar erzielten Sie zuletzt kurz vor Schluss den 3:2-Siegtreffer für Kamerun gegen den Kongo, dennoch verpassten die unzähmbaren Löwen die Qualifikation für den Afrika Cup. Sind Sie sehr enttäuscht?

Einerseits ja, andererseits nein. Ich hätte sehr gerne den Afrika Cup gespielt, denn ich weiß von den Jungs, dass es etwas ganz Besonderes ist. In Kamerun sind die Leute sehr enttäuscht über das Ausscheiden. Da der Afrika Cup aber im Winter stattfindet, hätte ich hier gefehlt. So stehe ich Mainz uneingeschränkt zur Verfügung. Ab 2013 soll der Afrika Cup im Sommer stattfinden, dann will ich unbedingt dabei sein.

In der Nationalmannschaft stürmen Sie neben Samuel Eto'o. Schaut man da im Training und im Spiel mal was ab?

Ja klar, die Art und Weise, wie er sich auf dem Platz verhält und wie er die Bälle verwertet, ist absolut nachahmenswert. Darüber hinaus ist er ein sehr netter Mensch und ich bin glücklich, mit ihm spielen zu dürfen.

In ungefähr einem Monat steht für Mainz 05 das Auswärtsspiel in Köln an.  Freuen Sie sich auf die Partie?

Ich weiß, worauf Sie hinaus wollen.

Hätte es vor fast einem Jahr nicht die Probleme mit dem Faxgerät gegeben, würden Sie wahrscheinlich auf der Gegenseite stehen. Doch der unterschriebene Leihvertrag mit dem FC trudelte erst 13 Minuten nach Ablauf der Transferfrist bei der DFL ein, der Wechsel platzte. Wie haben Sie das damals erlebt?

Das war in dem Moment natürlich sehr ärgerlich. Mein Berater und ich haben alles getan, was in unserer Macht steht. Letztendlich hat es nicht geklappt, unsere Schuld war es nicht. Die Transferperiode dauert nun einmal mehrere Wochen und nicht nur einen Tag, das hätte man auch alles schon früher regeln können. Für mich stand dann jedenfalls fest, dass ich nicht beim HSV bleiben werde.

Das klingt nach jeder Menge Groll.

Zu viele Dinge sind damals nicht korrekt abgelaufen. Es ist traurig, dass ich aussortiert wurde, nur weil ich nicht sofort zu einer Vertragsverlängerung bereit war. In der Hinrunde war ich bei jedem Spiel im Kader, in der Rückrunde bei keinem mehr. Für mich ist Fußball immer noch ein Leistungssport und dann sollte auch nach Leistung aufgestellt werden, unabhängig vom Vertragsstatus. Aber der HSV interessiert mich momentan nicht. Ich schaue jetzt nicht mehr zurück, für mich zählt nur noch Mainz 05. Hier kann ich spielen und das macht mich glücklich.

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Quelle: moe , t-online.de

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