04.05.2011, 10:28 Uhr
Eine Kolumne von Jonny Giovanni
Eins vorneweg: Die Oppositionsbewegung des Stefan Effenberg bei Borussia Mönchengladbach ist erstens völlig legitim und zweitens durchaus segensreich. Wie in der Politik gilt auch für Fußballvereine, dass Vertrauen gut ist, Kontrolle jedoch besser. Haben die Mitglieder eine Alternative, zwingt das die Klubführung, ihre Argumente zu schärfen, ihre Fehler zu reflektieren, ihre Pläne zu verbessern. Insofern macht sich Effenberg dieser Tage um die Borussia verdient. Wieder einmal.
Schon zu Spielerzeiten konnte man dem "Tiger" mangelnden Einsatz für seinen Klub nicht vorwerfen. Zweimal, von 1987 bis 1990 sowie 1994 bis 1998, spielte der gebürtige Hamburger für Gladbach, wobei vor allem seine zweite Schaffensperiode von außergewöhnlichen Leistungen geprägt war. Effenberg führte Gladbach 1995 zum DFB-Pokalsieg, dem bis heute einzigen Titel seit Ende der glorreichen 1970er-Jahre, und 1996 auf Platz vier, dem bis heute letzten einstelligen Saisonabschluss. Sogar seine beiden Wechsel zu den Bayern wurden ihm nachgesehen – nicht umsonst steht er als einziger Spieler der jüngeren Vergangenheit in der Gladbacher Jahrhundert-Elf.
Zu Recht erinnert er nun daran, wie grau sich die Gegenwart gegenüber der Geschichte ausnimmt. Zwei Abstiege hat der Verein seit seinem Abgang hinnehmen müssen, nie auch nur an die Tür des Europapokals geklopft, in dem der fünfmalige deutsche Meister früher so denkwürdige Spiele ablieferte. Allerdings vergisst der ehemalige "Cheffe", dass der Verfall schon in seiner Epoche begann. Bereits in der Spielzeit 1997/1998 waren Mannschaft und Verein so morsch, dass nur ein grandioser Effenberg den Klassenerhalt sichern konnte. Ein Jahr später, ohne ihn, erreichte das Team dann bloß noch 21 Punkte und stieg als Tabellenletzter ab.
Einen Spieler wie Effenberg gibt es nur alle paar Jahrzehnte. Ihn hat die aktuelle Borussia nicht. Den Funktionär Effenberg aber braucht sie momentan auch nicht. Denn die aktuelle sportliche Konjunktur - Abstiegskampf - einmal ausgenommen, war sie schon lange nicht mehr so gut aufgestellt wie jetzt.
Beginnen wir beim Präsidenten. Rolf Königs hat von Fußball zugegebenermaßen nicht so viel Ahnung. Was er auf der wirtschaftlichen Seite geleistet hat, ist jedoch enorm. Auch ohne Einnahmen aus dem internationalen Geschäft und trotz der Jahre in der 2. Liga hat die Borussia einen Stadionneubau gestemmt, ohne verschuldet zu sein. Mit großem Geschick in der Sponsorenakquise hat Königs den Gesamtetat mittlerweile bis auf rund 70 Millionen Euro geschraubt. Gladbach ist von der Größe der Stadt her eher mit Kaiserslautern zu vergleichen, wirtschaftlich aber ähnlich potent wie Eintracht Frankfurt oder der 1. FC Köln - eine bemerkenswerte Leistung.
Nach vielen Fehlgriffen hat Königs in Max Eberl zudem einen Sportdirektor gefunden, der das Geld sinnvoll auszugeben versteht. Um beim Vergleich mit Köln und Frankfurt - Rivalen im Abstiegskampf und ebenfalls Traditionsvereine fernab früherer Größe - zu bleiben: Von diesen Klubs hat Gladbach den besten und perspektivreichsten Kader. Eberls Anteil daran ist nicht zu bestreiten, wie beispielhaft sein Meisterstück zeigt. 2009 verkaufte er für acht Millionen Euro Marko Marin und holte als Ersatz für eine Million Euro Marco Reus. Dessen Marktwert inzwischen? Acht Millionen Euro.
Wie Königs bei den Managern hatte Eberl zunächst allerdings bei den Trainern kein gutes Händchen. Die Wahl von Michael Frontzeck bewies zwar Sinn für Stallgeruch, aber nicht gerade Ambitionen. Schließlich war der Ex-Borusse mit Aachen und Bielefeld zweimal abgestiegen. Nach einer ordentlichen Debütsaison auf Platz zwölf hielt Eberl in dieser Spielzeit zu lange an dem glücklosen Fußballlehrer fest, ehe er ihn im Februar durch Lucien Favre ersetzte. Seitdem hat der kompetente Schweizer die schon abgeschlagene Borussia wieder in die Nähe des Nichtabstiegs geführt und dabei demonstriert, dass mit diesem Kader eine Platzierung im Mittelfeld locker möglich wäre.
Mit anderen Worten: Auf jedem Posten werkelt jetzt jemand, der seinen Bereich beherrscht. Gladbach hat das richtige Dreigestirn gefunden, um nächste Saison vielleicht wirklich den ersehnten Sprung nach vorn zu machen. Voraussetzung ist natürlich der Klassenerhalt. Sollte er gelingen, werden Effenberg und seinem Team kaum Chancen für die Machtübernahme eingeräumt. Aber auch im Abstiegsfall müsste der Tiger die Mitglieder überzeugen, dass es ihm wirklich um den Verein geht und ihm nicht einfach nur langweilig ist in seinem momentanen Leben als Sky-Experte. Dass er in dieser Funktion beim letzten Heimspiel der Gladbacher gegen Dortmund ein 0:3 tippte, hat die Fans nicht gerade von seiner Liebe zur Borussia überzeugt.
Aber dafür wird es dann ja den Wahlkampf geben. Wie unterhaltsam so etwas auch bei Fußballklubs sein kann, zeigen die Vorbilder von Real Madrid oder dem FC Barcelona. Dort übertreffen sich die Kandidaten gegenseitig mit ausgeklügelten Kampagnen und vollmundigen Transferversprechen. Auch bei Borussia Mönchengladbach beginnt jetzt der Wettstreit der Ideen. Dreieinhalb Wochen sind es noch bis zur Mitgliederversammlung am 29. Mai. Möge der Bessere gewinnen.
Quelle: t-online.de
Uli schrieb:
am 4. Mai 2011 um 21:12:41
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Darum braucht Gladbach Effenberg nicht
Lasst diesen Alleinunterhalter Effenberg wo er ist, ganz weit draußen.
Er kann ja an seiner Frau
rumfummeln und die Bälle aufstellen, aber er soll von Gladbach die Finger lassen.
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juergen50 schrieb:
am 4. Mai 2011 um 21:04:25
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beweihräucherung
warum wird hier in dem oben stehenden artikel der vorstand und die sportliche leitung so in den himmel gehoben ? sie haben
allesamt versagt und gehören ausgetauscht. das sieht man doch an dem neuen trainer. seit dem der da ist,funktioniert es auf einmal. merkwürdig - oder ? bei einer firma, die kurz vor der pleite steht, kommt auch sofort eine neue geschäftsführung mit neuen ideen und durchsetzungsvermögen. bloß nicht effe, der kann noch nicht mal unfallfrei seinen eigenen namen schreiben.
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manni51 schrieb:
am 4. Mai 2011 um 20:18:25
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EFFE
Effe bleib wo du bist, oder machst du den Schopp für Lau?
Großklotze wie dich gibts genug.
Ahnung hast du von dem Geschäft sowie so nicht.
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