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Die Gründe für zehn Jahre ohne Europapokalsieg

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Zehn Jahre ohne Europapokalsieg

27.05.2011, 10:54 Uhr

Nur gucken, nicht anfassen: Bayern-Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger und der Champions-League-Pokal. (Foto: imago)

Nur gucken, nicht anfassen: Bayern-Mittelfeldspieler Bastian Schweinsteiger und der Champions-League-Pokal. (Foto: imago)

Eine Kolumne von Jonny Giovanni

Die Geburt war alles andere als einfach. In den ersten zehn Jahren des Bestehens europäischer Vereinswettbewerbe mussten die deutschen Klubs viel Lehrgeld bezahlen. Das begann schon mit der Premiere: Obwohl die Nationalmannschaft ein Jahr zuvor die WM gewonnen hatte, ging der Deutsche Meister Rot-Weiß Essen in der Saison 1955/56 zuhause mit 0:4 gegen Hibernian Edinburgh unter. Wie sich in den nächsten Jahren noch häufiger zeigen sollte, war der deutsche Vereinsfußball mit seinen regional aufgesplitterten, semiprofessionellen Ligen international nur bedingt konkurrenzfähig. Durch die Gründung der Bundesliga in der Saison 1963/64 änderte sich das Bild schlagartig. 1966 gewann Borussia Dortmund im Pokalsiegerwettbewerb den ersten Titel und setzte damit den Ton für die nächsten Jahrzehnte.

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Zwei Siegen in den 1960ern (Dortmund und Bayern München, ebenfalls bei den Pokalsiegern) folgten sieben in den 1970ern, dem goldenen Jahrzehnt des deutschen Fußballs (dreimal Bayern bei den Landesmeistern, zweimal Gladbach im UEFA Cup, Hamburg und Madgeburg bei den Pokalsiegern) sowie immerhin noch drei in den 1980ern (Hamburg/Landesmeister, Frankfurt und Leverkusen im UEFA Cup) und vier in den 1990ern (Dortmund/Champions League, Bremen/Pokalsieger, Bayern und Schalke im UEFA Cup). Danach? 2001 gewann der FC Bayern die Champions League. Das war’s.

Lange Durststrecke

Seit zehn Jahren also ist Deutschland ohne Titel, wie zuletzt in den Gründerjahren des Europapokals. Anders als damals ist jedoch auf den ersten Blick kein Grund ersichtlich für diese dunkle Epoche. Das zeigt schon einen Blick auf die Gewinner der letzten Dekade. Sie kommen teilweise aus stärker einzustufenden Ligen wie Spanien (7 Titel) und England (2), teilweise aus ähnlich starken Ligen wie Italien (3), häufig aber auch aus einem schwächer einzustufenden Championat wie Portugal (3), Russland (2), der Ukraine (1) oder Holland (1).

Diese Spieler verlassen die Bundesliga
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Um Ausreden nicht verlegen

Die Funktionäre der Bundesliga und ihre Hofmedien von Sky bis zur "Bild"-Zeitung sind schnell dabei, wenn es darum geht, den deutschen Klubfußball zum Nabel der Welt hoch zu jazzen. Sie leben schließlich von diesem Produkt. Stiller wird es jedoch, wenn es um das fortgesetzte Scheitern im Europapokal geht. Wir Deutschen tun uns bekanntlich nicht so leicht damit zuzugeben, dass andere auch mal etwas besser machen. Und weil nicht sein kann, was nicht sein darf, werden bei den wenigen Statements zum Europapokal gern die Fakten ignoriert. Als ob in diesen zehn Jahren nicht allein der FC Porto drei Titel mehr gewonnen hätte als die ganze Bundesliga, lautet die Standardausrede: Die anderen haben erstens mehr Geld, was sie zweitens nur Oligarchen und Schuldenmachen zu verdanken haben.

Leise Kritik von Löw

Wer unfähig ist zu Reflexion und Selbstkritik, kommt jedoch nicht weiter, ob im Leben oder im Sport. Damit wäre vielleicht schon eine Ursache der Malaise genannt. Es ist nicht nur peinlich, sondern auch wenig zielführend, wenn beispielsweise DFL-Geschäftsführer Christian Seifert dem Bundestrainer über den Mund fährt, nur weil der gelegentlich auf gewisse Defizite in der Liga hinweist. Als Joachim Löw kürzlich anmerkte, dass in Spanien und England nach wie vor der etwas bessere Fußball gespielt werde, keilte Seifert zurück: "Das ist so, als würde man die Bestzeit eines gedopten Sprinters als neue Zielmarke ausgeben. Man muss aufpassen, dass man sich nicht falsche Vorbilder nimmt."

Ginge es um Politik, müsste man bei einer solchen Aussage von Volksverdummung sprechen. Denn, um das Champions-League-Finale am Samstag heranzuziehen, das ja durchaus als repräsentativ für das Beste in Europas Klubfußball gelten darf: Ist es wirklich ein so schlechtes Vorbild, mit sieben Spielern aus der eigenen Jugend in der Startelf anzutreten wie der FC Barcelona? Ein so schlechtes Vorbild, seit 25 Jahren auf denselben Trainer zu vertrauen wie Manchester United?    

Deutsche Teams wenig zielführend

Wer sich dagegen anschaut, mit welcher Verve diese Saison die Champions-League-Teilnehmer Bayern München und Schalke 04 ihre Energien in Trainer- und sonstigen Personaldebatten verbraucht haben, braucht sich nicht zu wundern, dass es am Ende nicht reicht für den großen Wurf. Ohne eine gewisse Kontinuität, ohne Geduld und, in Krisenphasen, einer Politik der ruhigen Hand, lässt sich kaum ein internationales Spitzenteam aufbauen. Erst recht nicht, was die Champions League betrifft.

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ManU und Barca brennen auf das Finale

Sir Alex Ferguson sieht seine Mannschaft auf Augenhöhe mit dem FC Barcelona, und glaubt an den Titelgewinn. zum Video

Bayern finanziell auf Augenhöhe

Das Beispiel Manchester United zeigt im Übrigen ganz gut, wie falsch Seifert teilweise mit seinem Standardargument liegt, die deutschen Vereine seien aufgrund ihrer finanziellen Ausgangslage ohne Chancen. United hat nicht wegen eines ausländischen Besitzers, sondern trotz selbigem ein gutes Team beisammen. Die Übernahme durch den Amerikaner Malcolm Glazer hat den zuvor kerngesunden Verein verschuldet und Fergusons Manöverspielraum eingeengt. Über die letzten drei Jahre hat er einen Transferüberschuss von 30 Millionen Euro erzielt. Und nach einer vergleichenden Studie in allen Sportarten liegt das Durchschnittsgehalt eines United-Spielers unter dem eines Profis von Bayern München. Die vier Millionen Euro, die an der Isar monatlich überwiesen werden, übertreffen danach im Fußball substanziell nur zwei Vereine: Barcelona und Real Madrid. Chelsea, Inter Mailand und Manchester City liegen nur minimal vor den Münchnern, der Rest hinter ihnen.    

Als Beobachter kommt man sich da manchmal vor wie in dem Film "Truman-Show“. Die Bundesliga hat eine heile Kunstwelt geschaffen, die sie solange als die einzig wahre und schöne präsentieren kann, wie keiner über ihren Rand schaut. Und wie Jim Carrey im Film daran gehindert werden soll, seine Insel zu verlassen, indem man ihn auf das Böse jenseits des Meeres hinweist, so verteufeln die deutschen Fußball-Funktionäre pauschal jede andere Liga. Der Fan könnte ja sonst dahinter kommen, dass etwa in England der Fußball keineswegs in allen Bereichen so durchkommerzialisiert ist wie immer behauptet wird. Die Werbebanden dort sind zum Beispiel gertenschlank im Vergleich zu den mehrstöckig aufgereihten Mammuttafeln in vielen deutschen Stadien. Es gibt auch keine auf den Rasen gelegten Verkaufsbotschaften neben dem Tor und die Ecken werden weder von einer Wurst noch von einem Putzmittel präsentiert, sondern einfach nur ausgeführt. 

Bundesliga nicht so gefragt

Sieht man von den tatsächlich oligarchen-gedopten Klubs Chelsea und Manchester City ab, dann ergibt sich der finanzielle Vorsprung englischer Klubs aus den höheren TV-Einnahmen, vor allem im Ausland. Offenbar wollen da mehr Menschen zugucken als bei der Bundesliga. Aber die haben natürlich alle keine Ahnung und die falschen Vorbilder. Die Traditionsklubs Leverkusen, Wolfsburg und Hoffenheim, die selbstverständlich niemals fremderwirtschaftetes Geld in Anspruch nehmen würden, eigneten sich da viel besser.

Alles wäre so einfach, die kleinen Notlügen der Bundesliga auf ewig praktikabel, wenn es nur diesen verdammten Europapokal nicht geben würde, in dem die deutschen Klubs eben nicht nur an City und Chelsea scheitern, sondern auch an Benfica und Villarreal. Realistischerweise bleiben da nur zwei Möglichkeiten. Entweder sich aus allen internationalen Wettbewerben zurückzuziehen und in der "Truman Show" zu bleiben. Oder endlich aufhören zu jammern und mit dem Finger auf andere zu zeigen. Der deutsche Klubfußball sollte stolz genug sein, um die Herausforderung sportlich anzunehmen.


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Quelle: t-online.de

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Kommentare (127)

zum Forum

Thema: "Die Gründe für zehn Jahre ohne Europapokalsieg"

F.C. A-Fan; schrieb: am 27. Mai 2011 um 19:16:09
(0) (0) deutscher Fußball
Der deutsche Fußball ist unfähig, ungeduldig, etc. Der deutsche Fußball spiegelt die deutsche Gesellschaft wieder. Es
geht auch besser, mit Geduld etc. . Beispiel Arsenal uns Manu. Die Bundesliga ist eine einzige Lachnummer, so wie die ganze gesellschaft hier.
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Holger schrieb: am 27. Mai 2011 um 19:15:56
(0) (0) Europapokal
Boateng, die beiden, die zu Real abgewandert sind usw. Immer schön in Richtung GELD. Keiner von diesen geldgierigen Jungstars
singt die Nationalhymne - was wollen/sollen sie also in der Bundesliga? Verträge haben keinen Wert mehr!! So ist das Geschäft.
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zahler schrieb: am 27. Mai 2011 um 19:14:13
(0) (0) fußball
dafür sind wir umweltfreundlich! ist doch auch was.

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