03.01.2011, 10:36 Uhr | spiegel online

Rangnick (l.) und Hopp: zur Schau gestellte Einigkeit. (Foto: dpa)Ralf Rangnick hat bei Hoffenheim die Machtfrage gestellt - und verloren. Sein Abgang verdeutlicht einmal mehr den großen Einfluss von Dietmar Hopp im Klub. Die Vorstellungen des Mäzens von einem kontrollierten Wachstum passten mit der Erfolgsbesessenheit des Trainers nicht mehr zusammen.
Am Ende bemühten sich alle Beteiligten um Harmonie: "Der einzigartige Erfolg des Durchmarsches in die erste Liga ist und bleibt eng mit dem Namen von Ralf Rangnick verbunden", ließ Mäzen Dietmar Hopp in einer Stellungnahme auf der Pressekonferenz anlässlich der Trennung von Hoffenheim und Trainer Ralf Rangnick gönnerhaft verkünden. Rangnick dankte Hopp im Gegenzug förmlich für ein stets "respekt- und vertrauensvolles Arbeitsverhältnis".
Doch die zur Schau gestellte Einigkeit war nur der finale Akt in einem öffentlich ausgetragenen Machtkampf zwischen Rangnick und Hopp. Anlass war der Wechsel von Defensivspieler Luiz Gustavo zum FC Bayern München, den Rangnick unbedingt verhindern wollte und über den er sagt: "Es ist wohl einzigartig, dass so ein Spieler ohne das Wissen des Trainers verkauft wird." Das von Rangnick betonte "vertrauensvolle Arbeitsverhältnis" war damit wohl in Frage gestellt.
Zudem hatte Hopp offenbar dem Trainer schon vor Silvester zu verstehen gegeben, dass es am besten sei, wenn man sich trenne. Hopp sagte der "Rhein- Neckar-Zeitung", ausschlaggebend sei eine E-Mail Rangnicks vom 23. Dezember gewesen, in der sich der Trainer laut Hopp im Ton vergriffen haben soll. "Das war richtig heftig. Extrem heftig. Unter anderem hat der Trainer mit seinem Rücktritt gedroht", sagte Hopp. Zusammen mit dem Vorsitzenden und Hauptgesellschafter Peter Hofmann habe er daher noch vor dem Jahreswechsel die Trennung von Rangnick beschlossen. "Deshalb gab es auch keinen Grund mehr, Rangnick vom Gustavo-Transfer zu unterrichten", sagte Hopp.
Hopp verkaufte einfach einen Spieler, ohne den Trainer zu informieren. Daher gehen er und die TSG Hoffenheim ab sofort getrennte Wege. zum Video
Schon früher waren Rangnick und Hopp mit unterschiedlichen Vorstellungen über die Ausrichtung des Klubs aneinandergeraten. Auf der einen Seite der extrem ambitionierte Rangnick, der den Verein als regelmäßigen Anwärter auf den Europapokal-Einzug etablieren wollte. Auf der anderen Seite der Unternehmer Hopp, der vor allem die wirtschaftlichen Angelegenheiten des Klubs im Blick hat und nicht länger bereit ist, Erfolge mit teuren Spielertransfers zu alimentieren.
Schon während der katastrophalen Rückrunde in der Saison 2008/2009, als sein Team trotz Herbstmeisterschaft noch auf Platz sieben abrutschte, hatte Rangnick gesagt: "Mit Mittelmaß kann ich mich nicht identifizieren. Ich bin nicht bereit, weitere Rückschritte in Kauf zu nehmen." Er forderte öffentlich Verstärkungen auf sechs bis sieben Positionen. Hopp reagierte höchst verärgert: "Ich lasse mich nicht erpressen." Der 70-Jährige wies schon damals darauf hin, dass "der Etat in erster Linie wirtschaftlich ausgewogen und sinnvoll sein muss".
Hoffenheims bisheriger Co-Trainer Pezzaiuoli springt in die Bresche und rät dem Team: Zusammenrücken und noch eine Schippe drauf legen. zum Video
Rangnick kämpfte öffentlich um mehr Einfluss. Im Juni des vergangenen Jahres hatte der ehemalige 1899-Manager Jan Schindelmeiser genug von Rangnick und dankte ab. Beflügelt vom Sieg in diesem Machtkampf blieb Rangnick seiner Linie treu. Im Sommer 2010 verlangte Rangnick erneut teure Verstärkungen, Hopp hingegen erklärte: "Man muss sich auf das Machbare konzentrieren. Mein Ziel ist es, auf einen grünen Zweig und aus den roten Zahlen zu kommen. Ich würde am liebsten einen Transferüberschuss sehen." So wurde vor der aktuellen Saison Mittelfeldmann Carlos Eduardo für kolportierte 20 Millionen Euro verkauft, nun Gustavo für rund 15 Millionen Euro.
Den Transferüberschuss hat Hopp nun. Und einen Wechsel in der sportlichen Leitung dazu. Das Team wird künftig von Marco Pezzaiuoli betreut, der zuvor als Co-Trainer unter Rangnick gearbeitet hatte.
Rangnick ist in Hoffenheim vor allem an seiner Erfolgsbesessenheit gescheitert. Seit 2006 lenkte er das Bundesliga-Projekt Hoffenheim entscheidend mit, stieg mit seinem Team von der Regionalliga Süd in die zweite Bundesliga auf, schließlich in die Bundesliga. In dieser Zeit formte er Schritt für Schritt eine Mannschaft, die sich zuletzt im oberen Drittel der Liga etabliert hat. Doch nun hält die Entwicklung des Klubs seinen Erwartungen nicht mehr stand.
"Verständlich, dass Ralf Rangnick, nachdem das 'Projekt erste Liga' schon nach zwei Jahren vollendet war, Herausforderungen in anderen Dimensionen sucht und damit naturgemäß in Hoffenheim an Grenzen stößt", erklärte Hopp. Auch Rangnick hat unterschiedliche Auffassungen ausgemacht: "In den letzten zwei Wochen hat es einen intensiven Austausch mit Dietmar Hopp über grundlegende Dinge gegeben. Dabei wurde mir klar, dass es in Zukunft nicht mehr so ist, dass der Klub einen Trainer wie mich braucht", sagte Rangnick.
Schon auf Schalke, wo Rangnick zuvor tätig war, kam es zu Reibereien mit dem machterfüllten Manager Rudi Assauer, was am Ende in der Trennung von Rangnick mündete. Assauer sprach damals von Dissonanzen, "die nicht mehr zu beheben waren". Rangnick hingegen sah schon damals seinen Erfolg gefährdet, wenn er im sportlichen Bereich nicht die alleinige Entscheidungsgewalt habe.
Der Abgang von Rangnick sagt einiges über die Verhältnisse bei Hoffenheim aus. Wenn Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge zum Gustavo-Transfer erklärt, "wir haben uns mit Dietmar Hopp geeinigt", dann verdeutlicht das die Einmischung durch den größten Geldgeber des Klubs in das Tagesgeschäft Bundesliga.
Hopp wollte diesen Transfer, Hopp hat ihn möglich gemacht, Hopp ist Hoffenheim.
Diese Machtdemonstration dürfte für einige Kritik sorgen. Die "50+1-Regelung" in den DFL-Statuten besagt, dass es Kapitalanlegern nicht möglich ist, die Mehrheit in von Fußballvereinen gegründeten Kapitalgesellschaften zu übernehmen, also die Kontrolle über einen Klub.
Werksvereine wie Bayer Leverkusen oder der VfL Wolfsburg waren in der Vergangenheit häufig dafür kritisiert worden, dass sie eine Ausnahmeposition innehaben und der Bayer-Konzern beziehungsweise die Volkswagen AG mehr als fünfzig Prozent der Stimmanteile halten darf. In Hoffenheim werden die DFL-Regeln formal eingehalten, Hopp besitzt nur 49 Prozent der Anteile des Klubs. "Ich habe kein Problem damit, auch wenn ich kapitalmäßig 99 Prozent stelle", sagte er der "Welt am Sonntag".
Wie groß sein Einfluss aber tatsächlich ist, wurde jetzt deutlich.
Quelle: Spiegel Online
Detlev schrieb:
am 3. Januar 2011 um 21:01:12
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Kein Mäzen
Der Verein Hoffenheim interessiert mich nicht wirklich, aber hier ist häufig davon die Rede, daß Herr Hopp ein Mäzen wäre.
Keine Ahnung, ob er sich selbst auch so sieht. Nun, ein Mäzen gibt Geld ohne sich einzumischen. Wenn Herr Hopp die Geschicke des Vereins steuert, sollte man ihn nicht als Mäzen bezeichnen. Ein Bundesligaclub nur zum Zwecke der Talentförderung ist idiotisch und Augenwischerei. Es geht nur um viel, viel Geld. Der Sport verliert jedoch dabei. Glückwunsch, Herr Hopp...
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CS schrieb:
am 3. Januar 2011 um 20:13:52
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Hoffenheim
Mir geht die TSG Hoffenheim glatt am A.... vorbei, aber wenn ich die Kommentare der "Hopp-Gegner" so lese, frage ich mich, wo denn
Hoffenheim ohne den Hopp jetzt stehen würde?? Kann ich beantworten: Wenns ganz gut wäre, VIELLEICHT Mittelfeld Regionalliga! Daran sollten diejenigen, die jetzt auf diesen Mann schimpfen und der mit dem Verkauf von Gustavo rein kaufmännisch vollkommen recht hatte, mal denken!! Das ist Business und ohne Hopp wäre der Rangnick niemals zu diesem Dorfverein gegangen!
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Hoppla schrieb:
am 3. Januar 2011 um 19:17:42
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Hopp
Die Offenställe des Herrn Hopp werden alle nur genutzt um Spieler zu testen und dann mit Gewinn zu verkaufen im Fußball wie im
Handball. Der Kerl zahlt einfach zu wenig Steuern. Menschenhandel ist ja in D legal oder ?
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