06.08.2011, 08:16 Uhr
Aus Dortmund berichtet Patrick Brandenburg
Als Trainer der Dortmunder Borussia hat man es nicht leicht. Jürgen Klopp ist nicht zu beneiden. Schließlich ist es harte Arbeit, das Haar in der Suppe zu finden, wenn man Chef einer solch außergewöhnlich starken Mannschaft ist. Zum Glück für Klopps Seelenfrieden ließ der BVB in der Schlussviertelstunde des 3:1-Sieges zum Saisonauftakt gegen den Hamburger SV nach, kassierte einen Treffer und wackelte ein wenig. Genug Stoff, um in den nächsten Teamsitzungen Selbstzufriedenheit im Ansatz zu bekämpfen.
Denn dazu hätten die BVB-Jungs allen Grund nach der Fußball-Gala im ersten Spiel der Saison 2011/12. Beim deutlich zu knapp ausgefallenen Erfolg über den HSV zauberte der Meister über weite Strecken der Partie mit einer Selbstverständlichkeit, die der Konkurrenz Angst machen wird, und getrost als Kampfansage im Titelrennen verstanden werden muss.
Öffentlich aussprechen würde das nie jemand beim BVB. Nicht Klopp, auch nicht Sportdirektor Michael Zorc oder Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke. Schließlich sieht die Klubführung ihre jüngste Meistermannschaft nicht als normalen Titelverteidiger, sondern wieder als Jäger, vor allem des großen FC Bayern. Aber so wie die Rasselbande nur 83 Tage nach dem Titelgewinn auftrat, obwohl sie inzwischen ihren Spielmacher Nuri Sahin an Real Madrid verloren hat und gegen den HSV in Neven Subotic, Marcel Schmelzer und Lucas Barrios gleich drei weitere Stützen der Meistersaison ausfielen, lässt eigentlich nur eine völlig irre Erklärung zu: Vermutlich wird folgender Satz auf dem Rasen des früheren Westfalenstadions sichtbar, wenn man die Laufwege der Dortmunder wie in einigen Taktikschemata üblich mit Strichen verbindet: "Seht ihr, München, so wird das gemacht!“
Einen "Klassenunterschied in allen Belangen des Fußballs" hatte der frühere Dortmunder Meistertrainer Matthias Sammer nach der lange völlig einseitigen Partie festgestellt. Auch HSV-Verteidiger Heiko Westermann fühlte sich nicht immer in der gleichen Liga mit dem Gegner: "Das muss man einfach eingestehen." Sein Trainer Michael Oenning bemühte gleich die Gesamtperspektive, um die Unterlegenheit seines Teams zu rechtfertigen: "Ich glaube nicht, dass viele Mannschaften in der Bundesliga diesem BVB etwas entgegenzusetzen haben." Selbst Klopp lobte: Mit den ersten 70 Minuten bin ich sehr zufrieden." Seinen Nachsatz "Mit den ersten 49 ....“, brach der frisch gekürte Trainer des Jahres ab, sonst wäre er vermutlich ebenfalls ins Schwärmen abgedriftet.
Denn was sein BVB bis zum 3:0 kurz nach der Pause gegen den runderneuerten HSV zeigte, war schlicht großer Fußball. "Wir ziehen unser Ding durch und haben heute überragend nach vorne gespielt", sagte der zweifache Torschütze Kevin Großkreutz lapidar. Seine beiden Treffer und der von Mario Götze waren wunderbar herausgespielt. Wie in der Meistersaison erzeugte die Borussia bei fremdem Ballbesitz einen solchen Druck, dass die Kugel stets nur wenige Sekunden beim Gegner blieb und dann Shinji Kagawa und seine Mitstreiter überfallartig das Hamburger Tor von Jaroslav Drobny bestürmten. Die Statistik von 58 Prozent Ballbesitz bei 16:7-Torschüssen drückte nur völlig unzureichend aus, wie einseitig die Partie wirklich war, bis dem HSV in der 79. Minute der Ehrentreffer gelang.
Die Trainer-Legende geht davon aus, dass Borussia Dortmund und Bayern München den Titel unter sich ausmachen werden. zum Video
Und wenn Gäste-Coach Oenning nach dem Spiel eine Rechnung der Konjunktive aufmachen durfte - hätte Marcell Jansen nur eine Minute nach dem Anschlusstor durch Robert Tresch ebenfalls getroffen; hätte es Elfmeter gegeben; wäre ein weiterer strittiger Treffer anerkannt worden - so standen dem auf BVB-Seite doppelt und dreifach so viele verpasste Gelegenheiten gegenüber. Rein im Konjunktiv betrachtet wäre diese Partie 10:3 ausgegangen. Denn auch dieses Element hat die Borussia aus der Meistersaison herübergerettet: die mangelnde Chancenauswertung. Der großartige Kagawa verschenkte zwei so genannte Hundertprozentige. Ilkay Gündogan, der sein Talent als Sahin-Nachfolger andeutete, vergab eine weitere Großchance. Und Götze, der schwarz-gelbe Supertechniker, sucht wohl noch auf der Torlinie nach einem besser postierten Mitspieler.
Für die Konkurrenz sind das keine guten Nachrichten, zumal Großkreutz Versprechen "Wir können uns alle noch weiterentwickeln", wie eine Drohung im Raum hängt. Außerdem ist beim BVB zurzeit auch anderswo kein Konfliktpotenzial erkennbar. Der Teamgeist scheint genauso intakt wie eh und je. So freute sich Kapitän Sebastian Kehl über den Führungstreffer an der Seitenlinie, als hätte er ihn selbst erzielt. Arm in Arm mit Trainer Klopp, der ihn gerade zurück auf die Bank versetzt hatte, obwohl der Routinier sich wieder ganz nah an der Startelf fühlte. Oder der verletzte Lucas Barrios, der sich nach dem bärenstarken Auftritt von Robert Lewandowski seines Stammplatzes nicht mehr hundert Prozent sicher sein darf. Trotzdem kam er in Zivil aufs Feld und absolvierte mit die Ehrenrunde.
Jedenfalls fiel es auch der Konkurrenz in Person von Münchens Präsident nach der Gala sichtlich schwer, beim BVB Wasser in den Wein zu kippen. "Fürs erste Saisonspiel war das schon eine feine Sache", sagte Uli Hoeneß mit etwas zu viel Understatement, um authentisch unbeeindruckt zu wirken. Aber warum soll es auch ausgerechnet für die Dortmunder Konkurrenten leichter sein als für BVB-Berufskritiker Klopp, das Haar in der Suppe zu finden?
Quelle: t-online.de
Hansimäuschen schrieb:
am 6. August 2011 um 18:07:04
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BVB
Mein lieber Freund, zeigt Klopp wieder Zähne. Doch warum ist er nicht emotional ?
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Kater Kimble schrieb:
am 6. August 2011 um 18:01:28
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BvB vs. FC B.
in München um die Champions League, eine sehr, sehr charmante Idee. Das wär´s doch. Das wäre die verdiente Belohnung für
unsere Liga, die Europäisachen Schuldenkönige zumindest einmal nicht vorne.
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bvb-fan schrieb:
am 6. August 2011 um 17:55:30
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(0)
zu alligator
hm, demnach gäbe es kein wirklich gutes spiel irgendeiner mannschaft, weil, wenn es mal so aussähe, als ob eine mannschaft gut
fussball spielen könnte, dann läge es nur daran, weil die andere so furchtbar schlecht wäre? he, junge, in den ersten 47-minuten ging gestern so die post ab, das muss erst mal in zukunft gegen die hsv jemand nach machen. da hätte es gut und gerne schon 6:0 stehen können, keiner beim hsv hätte sich beschweren können.
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