16.07.2010, 11:52 Uhr | Das Interview führte Thomas Tamberg
Heribert Bruchhagen sieht im ungewöhnlichen Flugverhalten des neuen Ligaballes nichts Nachteiliges.(Foto: imago)
Seit 2003 ist Heribert Bruchhagen Vorstandsvorsitzender der Eintracht Frankfurt Fußball AG. In dieser Zeit hat er aus der launigen Diva vom Main, die in der zweiten Liga kicken musste, einen gestandenen Bundesligisten geformt. Im Interview mit t-online.de spricht der 61-Jährige, der für seinen unaufgeregten Blick auf die Fußballbranche bekannt ist, über die deutsche Nationalmannschaft, warum alternde Stars wie Ballack oder Nistelrooy keine Qualitätsverbesserung für die boomende Bundesliga darstellen und wieso er das Wort Europapokal in Zusammenhang mit der Eintracht nicht in den Mund nimmt.
Herr Bruchhagen, die WM hat zuletzt alle in Atem gehalten. Wie beurteilen Sie das Abschneiden und Auftreten der deutschen Nationalmannschaft?
Bruchhagen: Ich bin von der Leistung unserer Mannschaft sehr überrascht worden. Das hätte ich nicht erwartet und ihnen nicht zugetraut. Trainer Joachim Löw ist es gelungen, eine Eigendynamik und einen Teamgeist herzustellen, aus denen sich ein überraschender und spektakulärer Fußball entwickelt hat. Das war wirklich eine Überraschung.
Würden Sie es begrüßen, wenn Löw als Bundestrainer weitermacht?
Das muss er selbst entscheiden. Mir steht es nicht zu, ihm einen Rat zu geben.
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Momentan streiten sich Michael Ballack und Philipp Lahm öffentlich um die Kapitänsbinde bei der Nationalmannschaft. Haben sie so etwas schon einmal erlebt?
Ich glaube nicht, dass sie sich streiten. Philipp Lahm hat gesagt, 'ich möchte gerne die Binde behalten' und Ballack hat gesagt, 'Moment mal ich bin der Kapitän'. Das ist ein normaler Vorgang, die streiten sich doch nicht.
Immerhin diskutieren die beiden öffentlich darüber. Das ist doch schon ungewöhnlich.
Ja schon. Aber das hatten wir bei der Eintracht auch mal gehabt. Und dass das Ganze in der Öffentlichkeit stattfindet? Was ist denn nicht mehr öffentlich, heute ist alles öffentlich. Das sehe ich nicht als Problem an. Die jüngere Generation wird repräsentiert durch Lahm, Ballack ist der alte Platzhirsch. So ist das nun mal. Wie im Leben so im Fußball.
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Bei der WM sorgte der Ball Jabulani für reichlich Kritik. Der neue Ligaball mit dem Namen "Torfabrik" ist im Prinzip der Jabulani, heißt aber nur anders. Fürchten sie, dass es jetzt schlechtere Bundesligaspiele geben wird?
Ich sehe es in jedem Training, wenn die Jungs schießen. Wenn Caio aus 35 Metern abzieht hat der Ball in der Tat hat ein ungewöhnliches Flugverhalten. Aus Spielerkreisen habe ich nichts Negatives gehört. Der Ball ist leichter und hat besondere Flugeigenschaften, aber da muss man sich eben darauf einstellen. Es spielen alle Mannschaften mit dem gleichen Ball. Das ist von der Bundesliga gewollt und von Vorteil.
Stars wie Ballack oder Metzelder kehren in die Bundesliga zurück. Bei Schalke ist sogar Real-Ikone Raul im Gespräch. Van Nistelrooy kam letztes Jahr zum HSV. Täuscht der Eindruck oder boomt die Bundesliga gerade?
Die Bundesliga boomt schon längere Zeit sowohl sportlich als auch wirtschaftlich. Diese Spieler sind aber nur Beimengungen. Sie befinden sich im Herbst ihrer Karriere und werden auf das bestehende Leistungsniveau keinen Einfluss haben.
Aber es gab auch Zeiten, da wechselten selbst alternde Stars nicht in Bundesliga.
Die steuerliche Situation in Spanien und die Wirtschaftlichkeit in Italien spielen dabei auch eine Rolle. Die Bundesliga ist auch eine starke Wirtschaftskraft. Das wirkt sich auch aus. Ich bin nicht überzeugt davon, dass diese Spieler eine sportliche Verbesserung bringen, aber sie sind auf jeden Fall spektakulärer.
Wird sich der Aufwärtstrend der Bundesliga weiter fortsetzen?
Das kann man nicht sagen. Die anderen Ligen sind natürlich alle ein bisschen aufgeblasen. Dort wird mit kreditiertem Geld das Niveau hochgehalten. Irgendwann wird sich aber die wirtschaftliche Vernunft durchsetzen. Davon wird die Bundesliga profitieren.
Zur Eintracht. Trainer Skibbe forderte vehement Verstärkungen. Die hat er jetzt bekommen und ist zufrieden. Steigt jetzt die Erwartungshaltung an den Trainer und das Team?
Ob ein Spieler eine Verstärkung ist, dass wissen sie erst nach einem Jahr. Nach 34 Spieltagen kann man urteilen. Den Journalisten ist es vorbehalten, bereits nach einem Probetraining eine Meinung abzugeben. Aber für einen Verantwortlichen bei einem Verein wartet man immer ein Jahr mit seiner Beurteilung. Außerdem sind wir nicht allein auf dieser Welt. Die anderen Vereine rechts und links von uns sind auch sehr aktiv. Allein um unseren Staus quo zu halten, müssen wir uns schon verbessern.
Das Wort Europapokal wird im Eintracht-Umfeld, aber auch von Spielern wieder häufiger in den Mund genommen. Ist eine Qualifikation in dieser Saison bereits drin?
Auf diese Frage möchte ich nicht antworten.
Weil dieses Thema in Frankfurt immer ein bisschen heikel ist?
Ich habe einen Informationsvorsprung gegenüber den Fragestellern und den Anhängern und davon möchte ich keinen Gebrauch machen.
Caio wird Vater. Diese Mehrverantwortung lässt Spieler zuweilen schneller reifen. Schafft er im dritten Jahr bei der Eintracht den Durchbruch?
Caio ist ein sehr guter Spieler. Es kommt immer darauf an, wie weit man seine Fähigkeiten ins Spiel integrieren kann und wie weit dies dem Trainer gelingt. Der Trainer wird immer versuchen, die effektivste Mannschaft zu nominieren. Man wird sehen wie weit Caios Fähigkeiten in das Team integrierbar sind.
Sie haben einen großen Kader. Planen sie noch Verkäufe? Bellaid und Steinhöfer können sich angeblich einen neuen Verein suchen.
Namen haben wir nie genannt. Sie wurden bisher nur von außen hineingetragen. Aber es ist richtig, dass wir den Kader noch um zwei, drei Spieler verkleinern wollen.
Gibt es schon etwas Konkretes?
Die Bundesliga ist in diesem Punkt ein Geschäft, das nur dann läuft, wenn man die Öffentlichkeit ausspart.
Quelle: t-online.de
Didi schrieb:
am 16. Juli 2010 um 23:21:27
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HB forever
HB hebt sich immer noch meilenweit von den Phrasendreschern und Pseudo-Managern rund um die Bundesliga ab. Seine geschliffenen
Worte bei Interviews sind wohl überlegt. Immer wieder toll. Nur Uli Hoeness ist mit ihm auf Augenhöhe
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Horst Ossi Fleischer schrieb:
am 16. Juli 2010 um 21:40:31
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Interview
Sehr schönes Interview. Der Heribert lässt sich nicht so leicht aus der Reserve locken.
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Vasi 7 schrieb:
am 16. Juli 2010 um 21:02:05
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Herbi
Herbi, das war ein klasse Interview. Viele, auch ich,haben länger gebraucht, um Ihre unaufgeregte coole Art zu verstehen.Immer
konstant wenn es um Verträge geht. (zu 99% Ausnahme Oka.) Das viele Vereine sie haben wollen, kann ich mir gut vorstellen. Aber wir werden kämpfen.Denn wir sind gut und werden noch besser.Wir lassen sie nicht mehr weg aus Ffm. Bei Altintop hatten schon viele Angst, das sie zu viel hinlegen.
Gruss
Vasi7
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