04.08.2010, 09:16 Uhr | t-online.de
Arjen Robben und Dick van Toorn, der Arzt seines Vertrauens. (Foto: imago)
Arjen Robben fällt mit einem Muskelriss im linken Oberschenkel für rund zwei Monate aus. Konsultiert der Bayern-Star nun wieder Dick van Toorn? Der 77-jährige Physiotherapeut hatte dafür gesorgt, dass Robben trotz einer kurz vor dem Turnier erlittenen Muskelverletzung bei der WM in Südafrika spielen konnte. Bei dem 26-Jährigen wurde nun beim verspäteten Trainingsauftakt der WM-Teilnehmer in München bei einer Kernspintomografie ein Muskelriss festgestellt. Er fällt mindestens neun Wochen aus. "Die Diagnose ist ein Schock", sagte der Spieler anschließend.
Die Verletzung bringt die Verantwortlichen des FC Bayern München auf die Palme. Nach dem Bekanntwerden schäumten FCB-Arzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge vor Wut und warfen van Toorn vor, Robben auf ihre Kosten verheizt zu haben. "Wieder einmal müssen wir die Zeche dafür bezahlen, dass unsere Spieler bei der Nationalmannschaft waren", sagte Rummenigge.
Der in Holland als "Wunderheiler" geltende Mediziner ist sich allerdings keiner Schuld bewusst. "Arjen hat mir Sonntag eine SMS geschrieben, er habe keine Schmerzen. Es ist mir unerklärlich, wo diese Verletzung herkommt. Vielleicht handelt es sich um Narbengewebe", sagte van Toorn der Nachrichtenagentur "AFP". Robben wurde im WM-Gruppenspiel gegen Kamerun eingewechselt. Ab dem Achtelfinale kam der Linksfuß in jedem Match zum Einsatz, im Finale beim 0:1 gegen Spanien stand er 120 Minuten auf dem Platz.
Auf ausdrücklichen Wunsch Robbens sei die Behandlung erfolgt, hatte van Toorn schon vor der WM gesagt. Robben betont, er wollte "unbedingt nach Südafrika und für Bayern wieder fit werden. Und ich habe ihm gesagt, wenn du dich bei mir behandeln lässt, wirst du 150 Prozent fit sein. Dann wirst du dich an dieser Stelle nie mehr verletzen." Dafür setzte der in den Niederlanden auch als "Frankensteins Magier" bezeichnete Physiotherapeut auf ganz spezielle Methoden. "Manuelle Therapie, Akupunktur, Stromstöße. Keine Massagen, keine Wärme, dafür aber extreme Dehnungen", sagte er der "tz".
Arjen Robben fällt mehrere Wochen aus. Der FCB behält sich rechtliche Schritte vor. zum Video
Eine Behandlungsweise, die Robben selbst als "aggressiv" bezeichnete. Das Resultat ist nun ein fünf Zentimeter großes Loch in der Oberschenkel-Muskulatur. Geht es nach Müller-Wohlfahrt, hätte Robben nie an dem Turnier in Südafrika teilnehmen dürfen: "Ich finde es unverantwortlich, dass man diese Verletzung nicht genauer diagnostiziert hat und Arjen hat spielen lassen." Der Bayern-Doc hatte nach Bekanntwerden der Blessur Anfang Juni seine Dienste offeriert: "Ich hatte von meiner Seite aus mehrfach diagnostische Hilfe angeboten, diese wurde aber nicht in Anspruch genommen."
Nun kann Müller-Wohlfahrt nur noch versuchen, die Genesung des Ausnahmekönners voranzutreiben. "Der Muskelriss muss jetzt entsprechend behandelt werden, und dies dauert mindestens neun Wochen." Oder lässt Robben die Verletzung erneut bei van Toorn behandeln? Das würde den Klub-Verantwortlichen wohl übel aufstoßen. Mit dem niederländischen Verband sieht Rummenigge nun ohnehin Klärungsbedarf. "Es wird in dieser Angelegenheit sicherlich gesprochen. Ich habe die FIFA bereits darüber informiert und sie gebeten, als Mediator zwischen den Parteien zu fungieren." Der FC Bayern behält sich nach eigenen Angaben sogar rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen der Elftal vor.
Erstmals seit der Fußball-WM in Südafrika hat der Bundesligameister am Montag wieder mit dem vollen Kader trainiert. zum Video
Quelle: t-online.de
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