10.10.2010, 11:09 Uhr | t-online.de, dpa
Bayern-Trainer Louis van Gaal im "Sportstudio" des ZDF. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Der historisch schlechte Saisonstart des FC Bayern München in die Bundesliga bringt seinen erfahrenen Welt-Trainer Louis van Gaal nach wie vor nicht aus der Ruhe. Den Begriff der Krise hielt der oft als stur bezeichnete Niederländer auch eine Woche nach dem 0:2 in Dortmund als Gast im "Sportstudio" des ZDF für unangebracht: "Es gibt keine Krise beim FC Bayern München. Ich habe schon vor der Saison gesagt, dass das passieren wird." Für van Gaal wiederholt sich schlicht Geschichte. Auch nach der WM 1974 rangierte der damalige Titelverteidiger mit sieben Weltmeistern nach sieben Spielen nur auf zwölf und wurde letzten Endes nur Zehnter. Heute "fehlen uns noch fünf Prozent. Es ist ein mentales Problem. Die Spieler müssen ihren Kopf immer fokussieren. Das müssen sie in der Bundesliga wieder lernen."
Offensichtlich: Platz 12 für den erfolgsgewohnten FC Bayern, 13 Punkte Rückstand auf Bezwinger und Tabellenführer, mit fünf Toren die wenigsten der Liga - schmachvolle Zahlen. Van Gaal aber mag keine undifferenzierten Schlussfolgerungen alleine auf Grundlage von Ergebnissen und Punkten. "Wir spielen nicht schlecht, spielen ein gutes Spiel, sind meistens die bessere Mannschaft auf dem Platz. Wir kreieren Chancen. Aber wir können kein Tor schießen. Uns fehlt noch die 90-minütige Konzentration. Letztes Jahr hatten wir die."
Das Maß war voll bei den Bayern nach der 0:2-Pleite in Dortmund. Präsident Uli Hoeneß rief spontan den Super-GAU aus, Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge redete von "einer Situation, die uns Sorgen bereitet". Torwart Hans-Jörg Butt sprach in der "Bild am Sonntag" von einer "dramatischen Situation" und forderte schnelle Lösungen. Die Aufregung in der Chefetage hat sich inzwischen gelegt. Hoeneß wünscht eine "Politik der ruhigen Hand. Damit sind wir immer gut gefahren".
Auch van Gaal hält nichts von Panikmache. Das wichtigste Saisonziel, die Meisterschaft, sieht der Niederländer noch nicht ernsthaft gefährdet: "In der Bundesliga ist noch alles offen". Van Gaal redet die prekäre Lage in München aber auch nicht schön. "Wir haben sehr schlecht angefangen, das will ich nicht leugnen", gestand der 59-Jährige, "aber ich glaube nicht, dass wir schlecht spielen".
Die Probleme zu lösen, sei eine Frage der Zeit, meinte van Gaal, "das ist nicht so einfach, das habe ich vorausgesagt. Die Spieler hatten die WM, eine schlechte Vorbereitung, waren abgelenkt. Aber Fußballer sind auch nur Menschen und keine Maschinen".
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Zuvor hatte van Gaal aus seinem Buch "Biographie & Vision" vorgelesen, die Zuschauer mit Liebeserklärungen an seine Wahl-Heimat ("Ich liebe Deutschland") amüsiert. Trotzdem treibt ihn seit dem Scheitern mit den Niederlanden als deren Bondscoach in der Qualifikation zur WM 2002 noch ein großer Traum. "Ich will als Trainer einer Nationalmannschaft bei einem großen Turnier dabei sein und es gewinnen", sagte van Gaal, "aber wenn es nicht ein gutes Land ist, werde ich es nicht machen. Und wenn der FC Bayern das will, werde ich vielleicht weitermachen". Seinen Vertrag in München hat er gerade bis Saisonende 2012 verlängert, eine weitere Zusammenarbeit ist nicht ausgeschlossen: "Ich will gerne gewinnen mit schönem Fußball, bei Bayern habe ich die Chance dazu".
Die Top Ten der schlechtesten Saisonstarts des FC Bayern München:
Saison | Platz | Siege | Unentschieden | Niederlagen | Tore | Punkte | Trainer |
2010/11 | 12 | 2 | 2 | 3 | 5:8 | 8 | Louis van Gaal |
1966/67 | 12 | 2 | 2 | 3. | 12:10 | 8 | Zlatko Cajkovski |
1974/75 | 12 | 3 | 0 | 4 | 12:19 | 9 | Udo Lattek |
1977/78 | 10 | 2 | 3 | 2 | 14:16 | 9 | Dettmar Cramer |
2008/09 | 11 | 2 | 3 | 2 | 15:13 | 9 | Jürgen Klinsmann |
1999/00 | 5 | 3 | 2 | 3 | 8:8 | 11 | Ottmar Hitzfeld |
1991/92 | 9 | 3 | 2 | 2 | 9:8 | 11 | Jupp Heynckes |
2009/10 | 7 | 3 | 2 | 2 | 13:7 | 11 | Louis van Gaal |
1993/94 | 6 | 3 | 2 | 2 | 16:8 | 11 | Erich Ribbeck |
1979/80 | 5 | 3 | 3 | 1 | 10:7 | 12 | Pal Csernai |
Quelle: t-online.de , dpa
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