
15.01.2011, 13:53 Uhr | spiegel-online
Kreativ und kritisch: Die Fans des FC St. Pauli. (Foto: imago)
Es ist der ewige Streit am Millerntor: Wie viel Kommerz verträgt der Klub? Die "Grenzen des Ausverkaufs sind überschritten", befand eine Gruppe Fans und gründete die "Sozialromantiker". Deren Forderungskatalog bringt das Präsidium in Rage - der Konflikt droht zu eskalieren.
Die Situation beim FC St. Pauli ist angespannt. Vor dem Rückrundenauftakt des Stadtteilclubs gegen den SC Freiburg am Samstag sorgt allerdings nicht der 15. Tabellenplatz in der Bundesliga und die damit verbundene Abstiegsgefahr bei den Verantwortlichen für Sorgen, sondern neben den Gerüchten um vermeintliche Spielmanipulationen jetzt auch noch ein drohender Fanaufstand.
Im Mittelpunkt der aktuellen Auseinandersetzung steht das Dauerstreitthema am Millerntor: Wie viel Kommerz verträgt der Traditionsverein, der sich selber so gerne mit einem rebellischen, antikapitalistischen und sozial gerechten Image schmückt? Die Grenzen des Ausverkaufs seien erreicht, meinten viele Fans. Sie schlossen sich unter dem Namen "Sozialromantiker" zusammen und stellten einen Forderungskatalog auf.
Ein zentraler Punkt ist der Vorwurf, dass das Präsidium des FC St. Pauli sich nicht an Absprachen gehalten und gegen die gemeinsam vereinbarten Leitlinien verstoßen habe. Die "Sozialromantiker" nennen dafür zwei Beispiele. Mit dem Neubau der Haupttribüne seien doppelt so viele Logen entstanden wie ursprünglich geplant.
Eine dieser Logen ist an einen Striptease-Bar-Betreiber vom Kiez vermietet worden. Der hat sich was ganz besonderes für seine Gäste ausgedacht: Nach jedem Tor der Braun-Weißen tanzen leicht bekleidete Mädchen an einer Stange. Auch wenn das in der Hinrunde nicht so oft der Fall war: Ein Teil der Fans findet derlei Einlagen überhaupt nicht lustig.
Wegen solcher und anderer "Auswüchse des Marketings" drohten die "Sozialromantiker" während der Winterpause öffentlich mit einem Boykott. "Wenn ihr, wertes Präsidium, diesen Forderungen nicht nachkommt, werden wir in den offenen Widerstand gehen. Wir werden sowohl den Verzehr wie auch den Stadionbesuch an sich boykottieren", heißt es in der Erklärung der Gruppe, der sich mittlerweile über 3000 Leute angeschlossen haben.
"Wir werden in den offenen Widerstand gehen"
Diese Anhänger berufen sich auf die Vermarktungsrichtlinie des Klubs. Darin steht, dass "sich der Umfang werblicher Aktivitäten stets - sowohl vom generellen Umfang, als auch vom Inhalt - in einem vernünftigen Verhältnis zum eigentlichen Unterhaltungsangebot, dem Spiel, befinden und sich zudem auf klassische Werbemittel des Fußballs fokussieren soll."
Der Verein lenkte zunächst ein. Die Verantwortlichen erklärten, sie hätten den Mieter der Loge abgemahnt. Geschäftsführer Michael Meeske sagte dazu in der "Hamburger Morgenpost": "Wir nehmen die Sache ernst, werden kurzfristig mit Vertretern aus der aktiven Fanszene reden." Er "halte viel von Diskussionen - im Idealfall allerdings ohne ultimative Drohungen", so Meeske.
Danach passierte das, was beim FC St. Pauli in der Vergangenheit schon für manche Eskalation gesorgt hat. Die beiden Parteien redeten mehr über- als miteinander. Es sah alles danach aus, als wolle der Verein das Thema aussitzen. Unter dem Motto: Wer Bundesliga-Fußball sehen will, muss eben auch ein paar Kröten schlucken.
Das Präsidium schlägt zurück
Diese Taktik hatte schließlich auch schon zuvor funktioniert. Der Verein baute Logen und nannte sie Separees, in der Fankurve entstanden Business-Seats mit Blick auf die Ultras, neuerdings präsentierte ein Sponsor die Mannschaftsaufstellung. Die Vermarktungsabteilung tastete sich Schritt für Schritt an die Schmerzgrenze der als sehr kritisch bekannten Anhänger des FC St. Pauli.
Diese ist jetzt für viele überschritten. Doch statt den Dialog zu suchen, verschärfen die FC-Verantwortlichen den Konflikt. St. Pauli lud kurz vor dem Freiburg-Spiel eine ausgesuchte Journalistenrunde zu einem Plausch ein. Er finde den Ton der Diskussion "nicht St.-Pauli-like", sagte Vizepräsident Gernot Stenger. Die "Beleidigungen und Drohungen verstoßen gegen die Leitlinien", so Stenger weiter (siehe Infokasten).
Noch ungeschickter verhielt sich Manager Helmut Schulte. Der einstige Publikumsliebling reagierte auf die Kritik mit Durchhalteparolen der Marke: "Wenn unsere Jungs mit Stani und Truller (gemeint sind Cheftrainer Holger Stanislawski und Co-Trainer André Trulsen, Anmerk. d. Red.) auf dem Platz um überlebenswichtige Punkte kämpfen, dann müssen alle zusammenstehen, egal welcher Überzeugung sie sind: ob sie lieber Sitzen oder Stehen, ob sie in der Halbzeit ein Astra trinken oder vorzugsweise Prosecco."
Die Kritiker fühlen sich nicht ernst genommen. Sie empfinden die Aussagen der Vereinsverantwortlichen als naiv und arrogant. Und als Ansporn, ihre Protestaktion noch zu forcieren. Mittlerweile haben sie einen Alternative zum berühmten St.-Pauli-Totenkopf entworfen: den Jolly Rouge, ein leicht veränderter Totenkopf auf rotem Hintergrund. Dazu stellten sie den Slogan: "Bring back Sankt Pauli."
Zudem riefen sie zu einer Demo nach dem Spiel am Samstag auf unter dem Motto "Fans und ein ganzes Viertel sehen rot und schlagen gemeinsam zurück."
Es wird ernst am Millerntor - sowohl sportlich als auch politisch.
Quelle: Spiegel Online
Reza schrieb:
am 15. Januar 2011 um 18:05:27
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Wer Gewalt sät, erntet Gewalt
Als Außenstehender bin ich entsetzt, zu sehen, dass eine kleine Gruppe von sozialromantischen Terroristen dem
Management eines Fußballclubs mit gewalttätigen Aktionen droht. Das wird niemals einen vermeintlichen Missstand abstellen, sondern ist eher eine Kriegserklärung. Generell ist es so, dass die bezahlten Manager für das Management zuständig sind und niemand sonst! Was hier wirklich passiert, ist, dass der Sport zerstört wird und St. Pauli in Abstiegsgefahr gerät. Leute, bleibt fair!!!
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kurt schrieb:
am 15. Januar 2011 um 17:46:48
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st pauli
wer braucht den die Kiez Kicker eigentlich nur eine handvoll ehemaliger Hausbesetzer die gemerkt haben das es noch eine andere Sache
auf dem Kiez gibt außer Häuser zu besetzen.auf Polizisten einprügeln und Nu.. eh das las ich lieber weg .
und schaut sie euch an die Schwarz vermummten was hat das mit Fußball zu tun nichts
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Wirklicher Paulianer schrieb:
am 15. Januar 2011 um 16:01:22
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Sozialromantiker
Bin seit 1972, meinem 11. Lebensjahr Paili-Fan, war bei unserem Sieg gegen den HSV 1976 dabei und verdiene gutes Geld. St.
Pauli ist ein Profi-Klub, der nun einmal auch vom Geld lebt, oder glaubt ihr etwa, dass die Spieler hier für Holzknöpfe spielen?
Wer glaubt, dass Pauli-Anhänger politisch links stehen müssen, der hat sich geschnitten. St.Pauli wurde euch nicht weg genommen, ihr habt ihn vereinnahmt. Wäre besser, wenn ihr die Biege macht. Ihr seid die wirklichen Quertreiber.
Forca St. Paul
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