22.07.2010, 12:40 Uhr | dpa
Peter Gagelmann greift durch. (Foto: imago)
Fandel fordert harte Linie: Die deutschen Schiedsrichter sollen nach den teilweise verheerenden Leistungen ihrer internationalen Kollegen bei der Weltmeisterschaft hart durchgreifen. "Bei Attacken mit offener Sohle in die Beine des Gegenspielers kann es nur Rot geben", sagte Herbert Fandel, der Chef der neuen Schiedsrichter-Kommission im DFB, vor dem viertägigen Lehrgang der 40 Erst- und Zweitliga-Unparteiischen. Dort sollen auch Szenen aus Südafrika aufgearbeitet werden.
Fandel spielte damit auch auf die Kung-Fu-Einlage von Hollands Nigel de Jong im WM-Finale gegen Spaniens Xabi Alonso an, die nur mit Gelb bestraft worden war. Fandel will aber keine Rot-Orgie: "Wenn es um den Ball geht, habe ich nichts gegen hart geführte Zweikämpfe."
Bei der WM setzte es für die Spielleiter lautstarke Kritik aus aller Welt, die Gründe für die Fehlentscheidungen sind selbst für Experten wie Fandel schwierig zu erkennen. "Es gibt keine klaren Erkenntnisse von der WM, das Bild ist sehr diffus", sagte der 46-Jährige. Möglicherweise kann Wolfgang Stark Licht in die Sache bringen: Der Bankkaufmann war der einzige deutsche Unparteiische in Südafrika - und pfiff seine drei Spiele souverän. Er wird bei der Tagung von seinen Erfahrungen berichten.
Der neue Lehrwart Lutz Wagner und DFB-Abteilungsleiter Lutz Michael Fröhlich setzen neben der Analyse von Spielszenen noch einen weiteren Schwerpunkt: Körpersprache und Außenwirkung. "Diese haben einen enormen Anteil an der Akzeptanz eines Schiedsrichters", sagte Fandel. "Wir sind uns einig, dass wir die Schiedsrichter in ihrer Persönlichkeit stärken müssen."
Damit will der Nachfolger von Schiedsrichter-Chef Volker Roth auch vermeiden, "dass vorschnell und inflationär Gelbe Karten gezogen werden". Auch da dient das WM-Finale als Fallbeispiel: Der Engländer Howard Webb zeigte bei Spaniens 1:0-Sieg nach Verlängerung zwar zwölf Mal Gelb (und einmal Gelb-Rot), bekam die Partie aber nie in den Griff.
Bei der Diskussion um technische Hilfsmittel haben die deutschen Spielleiter wenig begeistert auf die Nachricht reagiert, dass der Weltverband FIFA erst einmal den Test mit den Torrichtern in der Champions League verlängert. "Wir haben unsere Skepsis dazu schon geäußert. Zwei zusätzliche Schiedsrichter-Assistenten wird es in Deutschland zunächst nicht geben, weil es unserer Überzeugung nach der falsche Weg ist." Über technische Hilfsmittel für Schiedsrichter wie Chip im Ball oder Videobeweis wollen die Regelhüter des International Football Association Board (IFAB) erst im Oktober diskutieren.
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Quelle: dpa
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