28.12.2011, 10:18 Uhr
Neu in der Hauptstadt: Hertha-Trainer Michael Skibbe. (Quelle: imago)
Eine Kolumne von Jonny Giovanni
Zunächst gebührt Hertha BSC an dieser Stelle mal Dank. Zum Ende einer fußballerisch ordentlichen, unterhaltungsmäßig aber etwas langweiligen Hinrunde (bis dahin nur eine Trainerentlassung) führten die Berliner noch großes Theater auf. Klar, es war ein Schmierenstück, diese Affäre um Markus Babbel und Michael Preetz. Aber ganz ehrlich: Man konnte sich köstlich amüsieren.
Auch Michael Skibbe dürfte die Geschichte gut gefallen haben, erlaubte es sie ihm doch, die Provinzbühne von Eskisehir in der türkischen Provinz gegen das Glitzervarieté der deutschen Hauptstadt einzutauschen. Und einer wie er, der an ehemaligen Stationen als "Kommunikationstalent" in Erinnerung ist, weiß natürlich auch auf Anhieb, wie er eine Metropole zu bespielen hat.Skibbe sagte bei seiner Präsentation als neuer Berliner Trainer: "Die Hertha gehört ins vordere Drittel der Bundesliga".
Zugegeben, spontan vermuteten wir zunächst, Skibbe sei immer noch auf dem Eintracht-Trip und habe sich eine ironische Spitze erlaubt gegen seinen Frankfurter Nachfolger und Abstiegstrainer Christoph Daum ("Ich will die Eintracht wieder in den nationalen Spitzenbereich führen"). Dann aber wurde bewusst, dass Skibbe zwar ein Kommunikationstalent sein mag, aber nie als Ironiker in Erscheinung getreten ist. Sein Statement wird dadurch freilich nicht weniger subtil, eher im Gegenteil: Skibbe positionierte sich dadurch als Hoeneßianer.
Dieter Hoeneß war der Mann, der über die Hertha herrschte, bevor sich Präsident Gegenbauer und Preetz auf tölpelhafte Art und Weise seiner entledigten. Gegenbauer und Preetz stehen, so ihre Anhänger für Realismus. Sie stehen, so ihre Gegner, für Durchschnitt. Hoeneß dagegen stand für Visionen. Er wollte mit der Meisterschale durchs Brandenburger Tor fahren. Und er hatte meistens einen kurz-, mittel-, oder langfristigen Plan zur Hand, wie das denn funktionieren könnte.
Bekanntlich hat es nie funktioniert. Und aus heutiger Sicht kann nur mit zeitgenössisch entrückter Hauptstadteuphorie erklärt werden, dass der ehemalige Präsident Bernd Schiphorst einmal prophezeite, Hertha sei dereinst "in einem Atemzug mit Top-Klubs wie Manchester United genannt" zu nennen. In jenen Jahren, um die Jahrtausendwende, glaubte man ja auch noch, dass Berlin die "Drehscheibe Europas" und gleichzeitig das neue New York werde.
Mittlerweile ist Berlin in der Realität angekommen. Der Aufprall war schmerzlich, aber zuletzt hatte sich die Stadt ganz gut eingerichtet in ihrer Nische als Schmuddelkind unter Europas Metropolen. Dazu passte ein Fußballklub, der nicht allzu sehr vom Wesentlichen, der Party, ablenkte – dafür war er schlicht zu irrelevant. Aus dem gleichen Grund ließen bei ortsfernen Abhandlungen über die Hertha mit der Zeit sogar die üblichen Anti-Hauptstadt-Reflexe der Provinz nach. Bedenklich und für die Kapitale geradezu demütigend wurde die Lage jedoch diese Saison, als der Aufsteiger aus Berlin in den nationalen Medien plötzlich als sympathischer Underdog gehandelt wurde – gerade so, als ginge es um Freiburg oder Nürnberg.
Dieser heimeligen Biederkeit musste dringend ein Riegel vorgeschoben werden, was nun zum Glück ja auch geschehen ist. Die Babbel-Preetz-Saga brachte der Hertha ihre hauptstädtische Verruchtheit zurück. Und Skibbe weckte mit seinem triumphalen Entrée den alten Berliner Instinkt, im Zweifelsfall lieber ein bisschen zu dick aufzutragen. Unter die deutschen Top 6 gehöre der Klub "dem Namen und den Erfolgen der vergangenen Jahre nach", präzisierte der Coach beim Dienstantritt. Sollen doch die anderen feststellen, dass dieses gloriose Manchester Spree-United seit 1931 keinen Titel mehr gewonnen hat und in der ewigen Bundesligatabelle auf Platz 13 rangiert.
Im "Haifischbecken" (Babbel) der Berliner Presselandschaft wird der Neue mit seinen forschen Ansagen dafür umso besser ankommen. Natürlich werden sie ihm diese auch um die Ohren hauen, wenn es dann nicht ganz klappt. Aber erstens mag Skibbe zwar kein Ironiker sein, hat sich aber mit den Jahren eine gewisse Lässigkeit angewöhnt. Und zweitens steht die deutsche Hauptstadt zurecht für Toleranz – auch gegenüber der ewigen Hertha-Dialektik von Traum und Wirklichkeit. Dieter Hoeneß hat seine Ziele auch fast nie erreicht und durfte trotzdem zwölf Jahre bleiben.
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Quelle: t-online.de
Hans schrieb:
am 27. Dezember 2011 um 19:21:48
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Skibbe und Hertha
Das paßt ganz sicher nicht! Was hat Skibbe bisher erreicht? Nichts! In Dortmund mit ner Top-Mannschaft, Super Fans, Super
Stadion = alles Mittelmaß. In Leverkusen, wie in Frankfurt - alles nur Mittelmaß! Die Hertha ist gerade erst aufgestiegen. Ziel sollte der Klassenerhalt sein! Skibbe spricht vom oberen Drittel?! Unglaublich! Herr Skibbe, Sie sollten sachlich arbeiten und Taten sprechen lassen. Das haben Sie in Ihrer bisherigen Karriere noch nicht geschafft!
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Emmes schrieb:
am 27. Dezember 2011 um 18:31:02
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Karl-Heinz schrieb: am 27. Dezember 2011 um 16:33:24
@Karl-Heinz schrieb: am 27. Dezember 2011 um 16:33:24 .
Was soll das denn? Ist eine
Kolumne bei dir kein journalistischer Beitrag? Armes Deutschland!!! Das erkennt man an Kommentare wie die von Karl-Heinz
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BSC Fan schrieb:
am 27. Dezember 2011 um 17:48:03
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Hertha's Theater
Also Leute, mal den Ball flach halten. Als Hertha noch in der dritten Liga war, hat Blau-Weiß 90 versucht ,Hertha den
Rang abzulaufen. War wohl nicht's. Hertha wird immer als graue Maus der Bundesliga hingestellt, wenn sie abgestiegen sind,hieß es immer Schade,aber Hertha gehört in die erste Liga,und wenn sie oben sind,heißt es immer,was für'n öder Verein!! Statt zu meckern, sollte ihr lieber Hertha unterstützen,egal ob nun ein Babbel oder ein Sibbe Hertha trainiert. So ist Theater nun M
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