02.11.2010, 12:11 Uhr | t-online.de
Uli Hoeneß will mit dem Trainer streiten und ernst genommen werden. (Foto: imago)
Tag zwei nach dem gefühlten Bombeneinschlag in München. Nach wie vor herrscht Verwunderung und Fassungslosigkeit um die Säbener Straße. Keiner kann sich so richtig erklären, warum Uli Hoeneß live im TV eine derartige Verbal-Attacke auf Trainer Louis van Gaal startete. Der FC Bayern München muss jetzt optimale Krisenbewältigung betreiben, sonst droht die Saison aus dem Ruder zu laufen. Während Karl-Heinz Rummenigge den Bayern-Präsidenten rüffelt, Franz Beckenbauer um Erklärungsversuche bemüht ist, setzt der tief verletzte Hoeneß sogar noch einen drauf und legt im Zoff um van Gaal nach. (Foto-Show Die spektakulärsten Wutanfälle von Uli Hoeneß)
Mittlerweile ist klar, dass Hoeneß vor seinem Frontalangriff auf den Trainer weder Vorstandsboss Rummenigge noch Sportdirektor Christian Nerlinger in sein Vorhaben eingeweiht hatte. Auf Nachfrage der "Süddeutschen Zeitung" antwortete Hoeneß dazu entsprechend trotzig. "Das ist mir auch wurscht. Ich habe eine Position im Verein, wo ich mir das erlauben kann", sagte der Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende des deutschen Rekordmeisters. Es sei die "reine Privatmeinung von Uli Hoeneß. Punkt."
Es muss sich eine Menge angestaut haben, dass sich der ehemalige Bayern-Manager auch zwei Tage nachdem er sich öffentlich den Frust von der Seele redete, immer noch im Kampf-Modus befindet. "Ich habe im Leben gelernt, Streit, wenn er unvermeidlich ist, nicht aus dem Weg zu gehen."
Hoeneß ist genervt von der One-Man-Show van Gaals. Ihm missfällt angeblich die Nähe von Nerlinger zum Trainer. Es hat ihn bereits seit über einem Jahr gewurmt, dass van Gaal die Transfers (Gomez, Timoschtschuk, Altintop), die Hoeneß noch getätigt hat, nicht wertgeschätzt hat. Aber am meisten wurmt es Hoeneß, dass van Gaal den Fußballsachverstand des Präsidenten nicht wirklich ernst nimmt und dessen Ratschläge konsequent ignoriert. Der angestaute Frust bei Alphatier Hoeneß, der zusehen musste wie das andere Alphatier van Gaal einen Alleingang nach dem anderen startete, musste einfach mal raus.
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"Er will ein bisserl Feuer in den Laden bringen", versuchte jetzt Franz Beckenbauer in der "Bild"-Zeitung einen ersten Erklärungsversuch. Ob Hoeneß mit seiner Kritik richtig lag, wollte der ehemalige Bayern-Präsident indes nicht bewerten. "Ich kenne Louis van Gaal zu wenig, um das beurteilen zu können. Zu meiner Zeit als Präsident habe ich ähnliche Klagen gehört, dass er eine ungewöhnliche Persönlichkeit ist."
Beim Abflug zum Champions-League-Spiel nach Cluj trafen beide auf dem Münchner Flughafen aufeinander. Hoeneß kam etwas später, schien den Bayern-Trainer zunächst nicht einmal zu beachten. Im Flugzeug folgte eine unterkühlte persönliche Begrüßung. Akuter Redebedarf scheint zu bestehen, doch beide dürften auf dem Flug wohl kein Wort miteinander wechseln. Laut Berichten der "Bild" soll van Gaal geschockt reagiert haben, als er mit den Hoeneß-Aussagen konfrontiert wurde. Beckenbauer hoffte indes, dass van Gaal "souverän" mit der Kritik umgehen wird.
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"Wichtig ist, das wir miteinander und nicht übereinander sprechen", kritisierte Rummenigge vor dem Abflug zum Champions-League-Spiel in Cluj den Alleingang des Präsidenten. Zu den Inhalten der Attacke von Hoeneß wollte sich Rummenigge nicht äußern, er bestätigte aber, dass er bereits einzeln mit Hoeneß und van Gaal gesprochen habe und kündigte ein baldiges Schlichtungsgespräch an. "Wir wollen das nicht aussitzen, sondern Dinge ansprechen und haben uns zeitnah verabredet."
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Quelle: t-online.de
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