22.08.2010, 20:01 Uhr | t-online.de, sid
Das hat mit Fußball nichts tun: Rund 15 vermummte Hooligans des Hamburger SV lauerten in der Nacht zum Sonntag am Bahnhof in Altona FC St. Pauli-Fans auf und bedrängten diese lautstark mit Tritten und Schlägen. Unter den Opfern soll auch St. Paulis Torhüter Benedikt Pliquett gewesen sein, berichtete das "Hamburger Abendblatt". Die Pauli-Fans und der Torwart kamen mit dem Zug vom Auswärtsspiel beim SC Freiburg.
"Eine Flasche verfehlte ganz knapp meinen Kopf. Ich rief die Polizei. Sie griff auch sofort ein", sagte Pliquett bei "bild.de".Auch bereits am Boden liegende Personen seien weiter getreten und geschlagen worden, teilte die Polizei mit.
Aber selbst als die Bundespolizei eingriff, ließen die Angreifer nicht von ihren Opfern ab. Erst als weitere Bundespolizisten und sieben Streifenwagen der Landespolizei eintrafen, flüchteten die Angreifer aus dem Bahnhof. Drei verletzte St. Pauli-Fans mussten im Krankenhaus behandelt werden. Einem Fan wurde das Nasenbein gebrochen, das Hörgerät eines älteren Mannes zerstört. Polizeibeamte wurden nicht verletzt.
"Das war hooligantypisches Verhalten. Die Täter sind durchaus organisiert vorgegangen", sagte der Sprecher der Bundespolizei, Reiner Urban. Die Bundespolizisten nahm drei der Angreifer vorläufig fest. Die drei seien der Polizei bekannte HSV-Hooligans gewesen, erklärte die Polizei weiter. Diese seien 16, 19 und 26 Jahre alt. Der 16-Jährige habe bei dem Überfall einen zehn Kilogramm schweren Absperrpfosten verwendet.
Für Freiburg-Fan Konstantin hat nach der Last-Minute-Niederlage gegen St. Pauli der Abstiegskampf schon begonnen. zum Video
"Ich bin frustriert und maßlos enttäuscht, dass es diesen Übergriff gegeben hat und dieser dem HSV zuzuordnen ist", sagte HSV-Vorstand Oliver Scheel zu den Angriffen der vermeintlichen HSV-Fans im "Hamburger Abendblatt". Besonders brisant: Am 4.Spieltag empfängt der FC St. Pauli den HSV zum Stadtderby. "Für mich ist dieser Vorfall auch ein deutliches Warnsignal, dass wir alles dafür tun müssen, dass rund um das Derby alles ruhig und sportlich zugeht", sagte Scheel weiter. Er regte an, das Spiel nicht für den Abend zu terminieren. "Auch eine Ansetzung um 18.30 Uhr wäre nicht günstig."
St. Paulis Pressesprecher Bönig macht sich ebenfalls Sorgen um die Sicherheit vor dem ersten Hamburger Stadt-Derby seit mehr als acht Jahren am Millerntor. "Das war sicher ein organisierter Übergriff, den wir aufs Schärfste verurteilen", sagte er dem TV-Sender Sport1: "Wir rufen unsere Fans auf, Ruhe zu bewahren und dies nicht zu vergelten. Wir werden vor dem Derby zu Ruhe und Besonnenheit aufrufen. Aber wir dürfen uns keinen Sand in die Augen streuen: Es wird immer ein paar Vollidioten geben."
Pliquett sei nach den Vorfällen "schockiert", so Bönig weiter: "Er hat mich noch in der Nacht angerufen und war sehr aufgebracht, weil er so etwas miterleben musste." Der Fanbeauftragte des HSV, Mike Lorenz, sagte dem "Abendblatt": "Wir werden versuchen, in den nächsten Tagen die Täter zu kontaktieren. Von unserer Seite müssen sie natürlich mit harten Konsequenzen rechnen." Gerade in Bezug auf das bevorstehende Derby sei dieser Vorfall sehr ärgerlich.
Quelle: sid , t-online.de
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