18.01.2011, 22:02 Uhr | sid, dpa
Der HSV will Matthias Sammer holen. (Foto: imago)
Beim Hamburger SV rückt die große Lösung immer näher. Der neuformierte Aufsichtsrat des früheren Europapokalsiegers hat sich für Matthias Sammer als neuen Sportdirektor ausgesprochen und damit den Weg frei für ein mögliches Engagement des Europameisters von 1996 gemacht. "Der Aufsichtsrat ist voll überzeugt von ihm und der Art und Weise, wie er Fußball lebt. Der HSV will ihm ein Angebot machen, dann muss er sehen, ob er beim DFB rauskommt", sagte Alexander Otto, der stellvertretende Aufsichtsratvorsitzende, nach der konstituierenden Sitzung.
Sammer, der seit dem 1. April 2006 Sportdirektor beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) ist, soll beim HSV der neue starke Mann werden. "Wir hoffen, dass wir die Sache innerhalb von wenigen Tagen dingfest machen können", sagte der neue HSV-Chefkontrolleur Ernst-Otto Rieckhoff.
Vertreter Otto lobte den potenziellen neuen Sportchef in höchsten Tönen. "Wir sind von seiner konzeptionellen Stärke, der sportlichen Vision und seiner Leidenschaft im und für den modernen Fußball voll überzeugt", sagte der Unternehmer: "Sollte es eine Möglichkeit geben, in gegenseitigem Respekt und Einverständnis eine vorzeitige Freigabe von Matthias Sammer beim DFB zu erwirken, hat der HSV-Aufsichtsrat einstimmig beschlossen, Herrn Sammer ein Angebot zu unterbreiten." Allerdings hat der 43-Jährige beim DFB noch einen Vertrag bis 2013.
DFB-Präsident Theo Zwanziger hatte einen Wechsel Sammers zum HSV aber zuvor schon nicht kategorisch ausgeschlossen und die Spekulationen um einen baldigen Abschied vom DFB weiter genährt. "Wenn es das Hamburger Angebot wirklich gibt, ist es sicherlich ernst zu nehmen. Ich bin gespannt, wie Matthias Sammer darauf reagieren wird", sagte Zwanziger. Allerdings betonte der Verbands-Boss zugleich, dass er noch kein entsprechendes Gespräch mit Sammer geführt habe.
Der Hamburger SV möchte Sammer ein Angebot für den Sportdirektor-Posten unterbreiten. Amtsinhaber Reinhardt soll aber beim Klub bleiben. zum Video
Der Sportdirektor des DFB wird seit Tagen mit den Hamburgern in Verbindung gebracht und soll beim HSV das vermeintliche Kompetenz-Vakuum im sportlichen Bereich füllen. Im Falle einer Einigung mit den Hanseaten würde Sammer auch in den Vorstand des Bundesligasiebten rücken.
Trotz des offensiven Werbens vom Hamburger SV um Sammer hofft der DFB weiter auf einen Verbleib seines Sportdirektors. "Der erklärte Wunsch des DFB ist es, dass er uns als Sportdirektor mit seinem Engagement und seiner Kompetenz erhalten bleibt", sagte DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach.
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"Für den DFB ist die Situation unverändert: Auch nach einem Telefonat zwischen Matthias Sammer und mir gibt es für uns kein Signal, dass der bis 2013 auslaufende Vertrag aufgelöst werden soll", sagte Niersbach. "Wir können aber das Interesse des HSV nachvollziehen, schließlich sind auch wir von den Qualitäten unseres Sportdirektors restlos überzeugt", so Niersbach weiter.
Beim DFB hatte Sammer im vergangenen Jahr bei einem Kompetenzgerangel mit Bundestrainer Joachim Löw über die Zuständigkeit für die U21 nach einem Machtwort von Zwanziger den Kürzeren gezogen. Dennoch war vom ehemaligen Dortmunder Meistertrainer noch zu Jahresbeginn ein Bekenntnis zum DFB zu hören. Zuletzt äußerte er sich auch vor dem Hintergrund des HSV-Interesses zurückhaltender.
"Derzeit habe ich nicht vor, um eine Freigabe zu bitten. Aber was in den kommenden Tagen passiert, ist reine Spekulation. Ich bin mit dem Hamburger SV immer im Austausch gewesen, mal mehr, mal weniger", hatte Sammer gesagt. Bei den Hamburgern dürfte man die Äußerungen von Zwanziger und Sammer mit Wohlwollen aufgenommen haben.
Dementsprechend war die Personalie Sammer bei der Sitzung des neu zusammengesetzten Aufsichtsrats ganz oben auf der Agenda. Eine Verpflichtung Sammers würde den Hamburgern fraglos gut zu Gesicht stehen. Der derzeitige Sportchef Bastian Reinhardt ist seit seinem Amtsantritt im vergangenen Mai nicht unumstritten und verfügt noch nicht über das Profil eines starken Mannes. Sammer könnte diese Rolle hingegen problemlos übernehmen und mit seiner großen sportlichen Kompetenz paaren. Billig dürfte die Verpflichtung des potenziellen neuen Managers jedoch nicht werden.
Angeblich soll Sammer im Falle einer Einigung mit einem Jahresgehalt von 2,5 Millionen Euro zum Top-Verdiener im Vorstand werden. Ob der DFB-Sportdirektor bei seinem Amtsantritt wie zuletzt spekuliert HSV-Ikone Horst Hrubesch in verantwortlicher Funktion als Trainer oder Nachwuchskoordinator mitbringen würde, scheint derweil fraglich. "Ich weiß von nichts", sagte der DFB-Juniorencoach und spottete über die ins Kraut schießenden Gerüchte: "Das ist alles so spannend. Ich habe über die Medien sogar schon mein Gehalt beim HSV erfahren. Meine Zukunft ist gesichert."
Zuletzt hatte sogar Franz Beckenbauer dem HSV zu einer Verpflichtung Sammers geraten. "Es gibt keinen Besseren als ihn", sagte der 65-Jährige. Für eine Entscheidung müsste sich nun aber der frühere Nationalspieler selbst erklären. Sollte er den Hamburgern absagen, wäre es der Außendarstellung des Vereins alles andere als förderlich.
Quelle: sid , dpa
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