14.05.2011, 13:37 Uhr
Jürgen Klopp steht mit Borussia Dortmund vor den nächsten Herausforderungen. (Foto: imago)
Von Jonny Giovanni
Es kann nun wirklich niemanden überraschen, dass der Mann der abgelaufenen Bundesliga-Saison kein Spieler ist, sondern ein Trainer. Nie standen die Übungsleiter so im Mittelpunkt wie dieses Jahr. Zwölf von ihnen wurden entlassen, und an den paar Orten, wo sie es nicht wurden, erarbeiteten sie sich den Ruf von Wundermännern, weil sie aus so wenig so viel machten. Slomka in Hannover, Tuchel in Mainz, Hecking in Nürnberg, Dutt in Freiburg. Und natürlich Klopp in Dortmund.
Dass Jürgen Klopp beim BVB wenig an begabtem Spielerfundus zur Verfügung gehabt hätte, lässt sich natürlich nicht behaupten. Aber es war doch nur Rohmaterial, bevor er ihm seinen Schliff gab und eine Mannschaft nach seinem Ebenbild formte. Eine Mannschaft, die leidenschaftlich und doch klug spielt. Entschlossen und doch sympathisch. Fußball mit einem Lachen. Voller Romantik und doch auf der Höhe der Zeit.
Denn das wird ja oft ein wenig übersehen bei den Porträts über den Antreiber Jürgen Klopp, über den Motivator, ja "Menschenfänger", wie ihn der eigenen Sportdirektor Michael Zorc genannt hat: Klopps Mannschaft ist auch taktisch weiter als alles, was man in der Bundesliga zuvor kannte. Wenn man so will, ist Klopp der bessere Rangnick oder Löw. Ähnlich geschult und interessiert an der theoretischen Seite des Spiels, aber darüber hinaus auch eine Ausnahmebegabung in Ansprache und Menschenführung. Und deshalb: Der erste der "neuen deutschen Generation" von Fußball-Lehrern mit einem bedeutenden Titel.
Die besten Trainer lassen sich nicht leicht kategorisieren, so verführerisch es auch ist, sie in Strategen zu unterscheiden, in Kommunikatoren, in Ideologen und Pragmatiker. Die besten Trainer haben von all dem etwas. Sie sind ideologisch, indem sie bestimmte Grundüberzeugungen pflegen, wie der Fußball ihrer Mannschaft aussehen soll. Sie sind Strategen, indem sie die Waffen des Gegners zu entschärfen und seine Schwächen auszunutzen verstehen. Sie sind Kommunikatoren, indem sie zum Wohl der Mannschaft die Aufmerksamkeit auf sich lenken. Und sie sind pragmatisch genug, um in wechselnden Situationen variieren zu können.
Während der außergewöhnlichen Saison von Borussia Dortmund hat Jürgen Klopp all diese Eigenschaften demonstriert. Seine Mannschaft spielt mit einer unverkennbaren DNA: das aggressive Pressing, das Tempo, die direkten Kombinationen, die Involvierung aller Spieler in allen Aufgaben - ein Hauch von Total Football. Sie hat bei ihrem Meisterstück, dem souveränen Auswärtssieg in München, die Schwäche des Gegners, seine langsame Verteidigung, perfekt ausgenutzt und seine Stärke, das offensive Flügelspiel, weitgehend annulliert. Und auch in Sachen PR hat Klopp eine nicht zu unterschätzende Leistung vollbracht. Schon seit Ende der Hinrunde wurde sein Team zum kommenden Meister hochgejazzt. Wie gewitzt er demgegenüber immer den Wert des bereits Erreichten betonte und damit Druck von den Spielern nahm, war ein Lehrstück darin, dass ein Trainer genauso mit den Medien spielen wie sich von ihnen treiben lassen kann.
In der nächsten Saison kommt jetzt die Champions League dazu, es ist auch für Klopp das erste Mal. Die Herausforderungen werden auf aller Ebene zunehmen. Die Gegner werden besser, der Verschleiß größer, die Chance auf Negativerlebnisse steigt. Klopp dürfte die Eliteklasse vor allem auf der pragmatischen Ebene testen. Welche Kompromisse müssen vielleicht gegen einen FC Barcelona eingegangen werden? Welcher Spieler kann in der Bundesliga vielleicht mal geschont werden? Auch die schwer erlernbaren Königstugenden des Trainerwesens werden in der Champions League auf eine noch härtere Probe gestellt: Der Instinkt. Die Stressresistenz. Und aus beidem abgeleitet: Die Fähigkeit, in den entscheidenden Momenten die richtige Entscheidung zu treffen.
Wie man Jürgen Klopp kennen gelernt hat, kann er es kaum erwarten, diese neue Herausforderung anzugehen. Er mag kein bedeutender Fußballer gewesen sein, aber er ist spätestens mit seiner ersten Meisterschaft in der Riege der bedeutenden Trainer angekommen. Er ist überzeugt von dem, was er tut, und er multipliziert diese Überzeugung auf alle, die unter ihm arbeiten. Ein Mann wie geboren für den Job. Bisher jedenfalls wäre keine wichtige Trainerqualität bekannt, die er nicht hat.
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El Cid schrieb:
am 14. Mai 2011 um 18:35:45
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Jürgen Klopp ist der Mann des Jahres
Ulli, Du hast Recht, eine tolle Mannschaft. Hoffentlich wird sie nicht von Aufkäufern anderer
renomierter Klubs (Real, Barca, FCB etc.) auseinander gekauft, es wäre schade darum.
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Ulli schrieb:
am 14. Mai 2011 um 18:27:34
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einfach gut
Das war einfach eine Klasse Saison von BvB und das muss man als ehrlicher Fussballfan anerkennen. Alle Grossen geschlagen ,
begeisternden Fussball gespielt , alles gegeben und alles gewonnen .Was will das Fussballherz mehr?
Mehr als verdient geht die Schale nach Dortmund!
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costa.brava.hombre schrieb:
am 14. Mai 2011 um 18:27:25
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BVB
Herzlichen Glückwunsch vom Schalkefan, ihr habt es ehrlich verdient.
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