28.04.2011, 10:13 Uhr
Julian Schieber hat in dieser Spielzeit bereits 16 Scorer-Punkte auf seinem Konto. (Foto: imago)
Das Interview führte Johann Schicklinski
Julian Schieber spielt mit dem 1. FC Nürnberg eine tolle Saison. Der Stürmer steht drei Spieltage vor Saisonende mit den Franken auf Rang sechs, die Qualifikation für das internationale Geschäft ist noch drin. Schieber selbst hat große Anteil am Nürnberger Höhenflug und spielte eine starke Saison, bis ihn Ende Februar eine Verletzung stoppte. Im Saison-Endspurt ist der Angreifer wieder fit und will sich mit dem FCN den Traum von Europa verwirklichen.
Im Interview mit t-online.de spricht Schieber über das Nürnberger Erfolgsmodell, seine Rückkehr zum VfB Stuttgart und das Fernziel Nationalmannschaft.
t-online.de: Herr Schieber, der Club schnuppert als Tabellen-Sechster am internationalen Geschäft. Wie ärgerlich ist vor diesem Hintergrund das Remis im Duell mit dem Tabellen-Fünften Mainz?
Julian Schieber: Das ist kein Beinbruch, immerhin haben wir gepunktet. Durch das Remis ist noch alles drin. Ich denke, es bleibt auf jeden Fall spannend bis zum letzten Spieltag.
Was hätten sie demjenigen entgegnet, der Ihnen vor der Saison prophezeit hätte, dass sie mit Ihrer Mannschaft um den Einzug in die Europa League spielen?
Ich hätte wohl gesagt, dass das nicht komplett unwahrscheinlich ist. Unser Ziel war der Klassenerhalt. Ich hatte uns aber schon weiter oben erwartet, weil mir klar war, dass wir eine starke Mannschaft sind. Vielleicht hätte auch ich uns nicht da gesehen, wo wir jetzt stehen, aber sicher im Tabellen-Mittelfeld. Ich wusste ja, wie wir vor der Saison gearbeitet haben und welches Potenzial in der Mannschaft steckt. Jetzt hoffen wir natürlich alle in Nürnberg, dass wir diese tolle Saison mit Platz fünf am Ende noch krönen können.
Hannover, Mainz oder Nürnberg grüßen aus dem ersten Tabellen-Drittel, während Vereine wie Ihr Ex-Klub VfB Stuttgart oder der VfL Wolfsburg gegen den Abstieg kämpfen. Worin sehen Sie die Gründe für diese Konstellation?
Schwere Frage. Ich glaube,. dass die sogenannten großen Klubs und die kleineren Vereine sich immer mehr annähern. Durch harte Arbeit im Training können mittlerweile alle Mannschaften 90 Minuten Vollgas geben und so für die vermeintlich stärker besetzten Teams ein Problem darstellen. Dazu kommt, dass viele Mannschaften mittlerweile ein System spielen, hinter dem ein Konzept steht und bei dem ein Rädchen ins andere greift. Wenn dann noch die größeren Klubs schwächeln, kann schon mal eine Saison wie diese dabei herauskommen. Aber das ist doch schön, das macht die Bundesliga ja viel spannender.
Sie haben sieben Tore erzielt, aber auch bereits neun weitere Treffer vorbereitet. Eine eher ungewöhnliche Bilanz für einen Stoßstürmer. Liegt Ihre Stärke vor allem auch in der Torvorbereitung?
Rein statistisch gesehen ist das richtig, da ich nun mal mehr Vorlagen als Tore auf meinem Konto habe. Als Stürmer hätte ich das natürlich gerne anders herum (lacht). Im Ernst: Als Angreifer bin ich für Tore zuständig. Ob ich die auflege oder selbst schieße ist nicht so wichtig. Hauptsache ist, dass wir welche erzielen. Aber bis zum Saisonende darf gerne noch der eine oder andere Treffer dazukommen.
Trotzdem hat man als Beobachter manchmal den Eindruck, dass Sie fast lieber Treffer auflegen, als selbst abzuschließen.
Es kommt auf die Situation an. Man hat ja als Stürmer nicht so viele Räume. Wenn man dann sieht, dass ein Mitspieler besser positioniert ist muss man ihm eben den Ball spielen oder versuchen, für ihn Platz zu schaffen. Das funktioniert bei uns in dieser Saison.
Es fällt auch auf, dass Sie extrem laufstark sind, keine Wege scheuen und keinem Zweikampf aus dem Weg gehen. Ist das einfach Ihre Spielweise oder ist das eine Vorgabe Ihres Trainers Dieter Hecking?
Das ist meine Spielweise. Ich bin schon immer viel gelaufen und habe viel gearbeitet auf dem Platz, weil ich weiß, dass ich irgendwann dafür belohnt werde. Das ist meine Philosophie: Wenn ich mir die Chancen erarbeite, bekomme ich sie. Dann liegt es an mir, mich für meine Arbeit zu belohnen.
In welchen Bereichen sehen Sie bei sich noch Defizite?
Mit meinen 22 Jahren bin ich ja lange noch kein kompletter Spieler. Ich denke, ich kann in allen Bereichen noch zulegen. Am wichtigsten dafür ist Spielpraxis, denn in den Spielen lernst du am meisten dazu.
Beim Club hat man in der jüngsten Zeit mit Leihspielern gute Erfahrungen gemacht. Akteure wie Ottl, Breno, Reinartz oder aktuell Ekici, Hegeler und Sie kickten oder kicken hier. Ist Nürnberg ein ideales Sprungbrett für junge Spieler?
Für mich war es auf jeden Fall eine lohnende Sache. Die angesprochenen Spieler haben mit Sicherheit alle davon profitiert, aber auch der Club. Ich denke, das ist ein gewinnbringender Deal für beide Parteien.
Ist das vermeintlich ruhige Pflaster in Nürnberg ideal, um als junger Spieler zu reifen?
So ruhig ist es hier gar nicht (lacht). Bei uns ist auch immer viel los, hier gibt es ja auch einige Tageszeitungen und andere Medien, die täglich über die Mannschaft berichten. Für mich war nach den Gesprächen mit Trainer Hecking und Sportdirektor Martin Bader klar, dass ich hier hin will.
Warum?
Das Konzept hat mich überzeugt und mein Bauchgefühl hat mir sofort gesagt, dass der Schritt nach Nürnberg der richtige ist. Im Nachhinein muss ich sagen, dass das genau die richtige Entscheidung war.
Sind die vielen jungen Spieler auch ein Baustein für den Erfolg des FCN in dieser Saison?
Wir haben eine gute Mischung und verstehen uns auch abseits des Spielfeldes. Gerade wir jungen Spieler unternehmen auch gerne etwas zusammen. Das kann sicher auch ein Faktor für unsere gute Saison sein.
Welchen Anteil hat Trainer Dieter Hecking am Nürnberger Höhenflug?
Das ist nicht nur ein Verdienst von Dieter Hecking, sondern vom gesamten Trainerteam und auch von der Mannschaft. Bei uns greift ein Rädchen ins andere, jeder weiß, was er auf dem Platz zu tun hat. Das funktioniert in dieser Saison sehr gut.
Ihr Ex-Klub VfB Stuttgart spielt eine echte Seuchen-Saison. Wie beurteilen Sie die aktuelle Entwicklung dort?
Es ist dort immer ein Auf und Ab. Schlechte Hinrunde – gute Rückserie. Warum das so ist, kann ich auch nicht sagen. Die Verantwortlichen dort werden sich aber schon Ihre Gedanken machen. Der VfB wird aber drinbleiben. Sie spielen eine gute Rückrunde und im Prinzip fehlt ja nur noch ein Sieg, dann haben sie es geschafft.
Wenn der VfB drin bleibt, müssen Sie im Sommer wohl zurückkehren. Drücken Sie Stuttgart trotzdem die Daumen?
Na klar, ich komme ja von da und schaue nach unseren Spielen auch immer auf das Ergebnis vom VfB. Dass ich im Sommer zurück muss, wusste ich ja vorher, so ist das Geschäft. Ich habe auch schon mit Trainer Bruno Labbadia und Manager Fredi Bobic gesprochen, sie haben mir versichert, dass ich in der neuen Saison eine wichtige Rolle spielen soll. Sicher verlasse ich Nürnberg auch mit einem weinenden Auge, ich hatte hier eine tolle Zeit und habe viele Freunde gewonnen. Aber ich denke, dass alle Parteien von meiner Zeit hier profitiert haben. Ich habe hier viel gelernt, dem Club aber auch etwas zurückgegeben. Und der VfB hat auch etwas davon.
Hypothetische Frage: Würden Sie auch zum VfB zurückkehren, wenn der Klub absteigen sollte?
Keine Sorge, das passiert nicht (lacht). Da bin ich mir zu einhundert Prozent sicher!
In Stuttgart spielt mit Sven Schipplock aktuell ein Sturmkollege von Ihnen, dessen Vertrag ausläuft und der vom Club umworben sein soll. Würden Sie ihm zu einem Wechsel nach Nürnberg raten?
Wir sind gute Freunde und ich würde mich freuen, wenn er zum FCN kommen würde. Nürnberg ist ein toller Klub für junge Spieler. Aber wie er seine weitere Karriere plant, muss er alleine entscheiden.
Bei den Schwaben fällt immer Ihr Name, wenn es um den Nachfolger von Mario Gomez geht. Wie sehr nerven Sie solche Vergleiche?
Ach, das hört man immer. Der VfB hat halt schon immer gute Stürmer herausgebracht, vor Gomez war es eben Kevin Kuranyi, davor war es wieder ein anderer. Mich nervt das nicht, das ist halt so. Ich bin Julian Schieber, habe meine eigenen Stärken und Schwächen und will meinen eigenen Weg gehen.
Bei der Frage nach künftigen Zentrumsstürmern in der Nationalmannschaft für die Zeit nach Miroslav Klose fällt neben Mario Gomez auch immer Ihr Name. Wie sehr spornt Sie das an?
Das macht einen natürlich schon stolz, ist aber noch Zukunftsmusik, Erst einmal muss ich meine Leistung von dieser Saison bestätigen und an meinen Schwächen arbeiten. Wenn es irgendwann mal mit der Nationalmannschaft klappen sollte, wäre das natürlich ein Traum, doch aktuell ist das DFB-Team im Sturm gut besetzt, da mache ich mir noch keine Gedanken.
Quelle: t-online.de
Gandalf1904 schrieb:
am 28. April 2011 um 20:12:47
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Danke Julian!
Unser Club hat auch noch nach einer Niederlage in Dortmund locker eine Chance die Europa League zu erreichen. Leider würden
wir dann allerdings die Bayern in die Champions League schießen (Sieg in Hannover - letzter Spieltag)! Aber was soll`s! Julian Schieber hätte ich auch gerne noch nächstes Jahr in Nürnberg gesehen, aber ich verstehe auch, dass er zu seinem Verein zurück will! Aber es werden neue junge Talente kommen - einfach nur so weitermachen!! ..... seht Ihr die Fahnen weh´n.....!
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Whaleheart schrieb:
am 28. April 2011 um 20:07:34
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FCN
Bin schon ewig Clubfan. Je besser eine Saison gelaufen ist, desto größer war der Aderlass zur neuen Saison. Die Verkaufserlöse sind
meist bescheiden. Wieder müssen 2-3 Jahre hingearbeitet werden, dann beginnt der Reigen von vorne.
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Didi schrieb:
am 28. April 2011 um 15:44:41
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@Bodo
Lieber Bodo. Du scheinst die saison wohl nicht richtig verfolgt zu haben. Dortmund vergiebt zwar viele Changen lässt hinten aber kaum
welche zu. Der Club wird sich nach dem Samstag nicht mehr von der deutlichen Schlappe in Dortmund erholen und nicht International spielen. Aber träumen dürft ihr weiter.
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