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Kolumne: Junge Trainer vs. Trainer-Routiniers

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Modern ist, was den Erfolg bringt

10.03.2011, 13:16 Uhr | t-online.de

Ob Dutt, Tuchel oder Klopp: Der Südwesten Deutschlands bietet einen guten Nährboden für kompetente Trainer. (Foto: imago; Kombo: t-online.de)

Ob Dutt, Tuchel oder Klopp: Der Südwesten Deutschlands bietet einen guten Nährboden für kompetente Trainer. (Foto: imago; Kombo: t-online.de)

Von Jonny Giovanni

Noch ist der FC Bayern München amtierender Doublegewinner und Champions-League-Finalist. Aber wer weiß schon, wie die Dinge gelaufen wären, hätte Uli Hoeneß im Jahr 2008 eine kalifornische statt einer Mainzer Telefonnummer gewählt, um seinem Gegenüber am anderen Ende der Leitung mitzuteilen: "Du, der andere Jürgen macht’s.“ Hoeneß unterrichtete damit den einen Jürgen, Klopp, dass der andere Jürgen, Klinsmann, den Trainerjob bei den Münchnern erhalten werde.

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Heute gilt das als kapitale Fehlentscheidung des Bayern-Vorstands, denn Klinsmann scheiterte, während Klopp mit seiner großartigen Arbeit bei Borussia Dortmund zum Maß aller Dinge in der Bundesliga aufstieg. Man sollte allerdings nicht vergessen, dass vor nicht einmal einem Jahr das Maß aller Dinge in der Bundesliga ein Bayern-Trainer war, der im Zuge des Klinsmann-Scheiterns nach Deutschland kam – Louis van Gaal. Kein FCB- Freund hätte damals, vor nicht einmal einem Jahr, auch nur einen wehmütigen Gedanken an Klopp verschwendet.

The trend is your friend

Im Fußball, es ist nichts Neues, ändern sich die Moden in rasantem Tempo. Auf dem Trainermarkt der Bundesliga ändern sie sich sogar noch etwas schneller. Vor einem Jahr, als sich van Gaal, 59, Felix Magath, 57, und Jupp Heynckes, 65, mit ihren Klubs Bayern, Schalke und Leverkusen um den Meistertitel stritten, konstatierten die Trendforscher die Rückkehr der Routiniers. Erfahrung und Autorität hießen die Schlüsselwörter, und nicht wenige Beobachter nutzten die Konstellation zu spöttischen Bemerkungen über die jüngeren "Modernisierer“ und "Reformpädagogen“. Nun sieht es allerdings so aus, dass neben Klopp, 43, die Trainer Mirko Slomka, 43 (Hannover), Thomas Tuchel, 37 (Mainz) und Robin Dutt, 46 (Freiburg) erstaunliche Erfolge feiern. Wodurch die vor einem Jahr belächelten Faktoren wieder ganz hoch im Kurs stehen, während die Alten als Fossile gelten, denen bloß noch Notnagel-Rollen zugedacht werden wie nun womöglich Otto Rehhagel auf Schalke.

Eine Frage des Wissens

Die Wahrheit indes liegt wie fast immer in der Mitte. Das heißt, um genau zu sein, liegt sie woanders, denn nicht auf das Alter kommt es an, sondern auf den Background. Weder verstehen Heynckes oder van Gaal nichts von zeitgenössischem Fußball noch Klopp oder Tuchel nichts von Autorität –  allen gemeinsam ist aber, dass sie sich als "Fußball-Lehrer“ begreifen. Sie sind zuvorderst exzellente Fachleute, mit einer klaren Idee vom Spiel und hoher taktischer Kompetenz. Gerade im Umgang mit der neuen, gut ausgebildeten Fußballer-Generation aus den Jugendakademien ist das eine Grundvoraussetzung, um von der Mannschaft überhaupt ernst genommen zu werden und das Maximum aus den Spielern heraus zu holen. Demgegenüber scheinen solche Trainer ausgedient zu haben, die vor allem auf einzelne Stars, Motivationskünste oder ihre Aura setzen. Nicht umsonst fährt Jürgen Klinsmann nicht einmal mit auf dem aktuell so hochtourigen Trainerkarussell.

Im Südwesten gedeihen gute Trainer

"Ein Fußball-Lehrer – das ist, was wir im Moment brauchen“, sagte Hoeneß, als er vor zwei Jahren Klinsmann entließ und seinen alten Freund Heynckes als Interimstrainer anstellte. Einen Fußball-Lehrer suchen sie jetzt auch wieder, in München, wo Heynckes als erster Kandidat gilt, aber auch in Hamburg, Schalke und Wolfsburg, wo zur neuen Saison weitere interessante Posten zu vergeben sind. Dabei geht der Blick vor allem in den Südwesten Deutschlands, das Laboratorium der Fußball-Republik, wo einst Ralf Rangnick, 52, auszog, dem Land die Viererkette beizubringen, und Joachim Löw, 51, seine Neuerfindung der Nationalmannschaft plante. Auch Klopp, Tuchel und Dutt lernten ihr Handwerk im Kulturraum zwischen Frankfurt und Basel, während Slomka jahrelang als Rangnicks Assistent die progressive Arbeit mit und gegen Ball studierte.

Immer lernbereit

Das große Verdienst dieser Gruppe ist es, mit offenen Augen die Welt des Fußballs studiert zu haben anstatt bloß das altbekannte Gras zu fressen (und es permanent wiederzukauen). Rangnick implantierte in den Neunziger Jahren als erster deutscher Trainer die taktischen Innovationen von Milan-Trainer Arrigo Sacchi und nahm sich fortan insbesondere den Hochgeschwindigkeitsfußball von Arsène Wengers Arsenal zum Vorbild. Löw studierte schon vor seiner Zeit beim DFB die Schule des FC Barcelona und hat diese Anleihen aus Katalonien in den letzten Jahren weiter intensiviert. Als wichtigen Einfluss nennen viele der zeitgenössischen deutschen Trainer auch Louis van Gaal. Nicht umsonst bildete Löw das Gerüst seiner WM-Elf voriges Jahr nur zu gern um einen Bayern-Block. 

Ähnlichkeiten in der Teamführung

Auch der Führungsstil ist übrigens gar nicht so unterschiedlich. Zwar mögen die Klopps, Löws und Tuchels smartere Kommunikatoren sein als der hochfahrende Niederländer, aber ihre Entscheidungen ziehen sie genauso hart durch. Sie lassen sich nicht in ihre Arbeit reden und haben exakte Vorstellungen davon, welche Spieler in ihr Konzept passen und welche nicht. Wenn die Bayern, wie spekuliert wird, also wirklich nach einer Übergangsperiode mit Heynckes in einem Jahr den Bundestrainer anwerben möchten, bleibt die Frage, ob das nicht genauso unausweichlich im Streit enden wird wie jetzt mit van Gaal.

Ebenso wie die Frage bleibt, ob Klopp in München überhaupt hätte reüssieren können. Was würden sie dort sagen, wenn er einen Jugendkicker anstelle von Ribéry aufbietet? Was, wenn er erst einmal ein paar Partien verliert? Was, wenn er lieber einen unbekannten Verteidiger einkaufen will als den Lieblingsspieler des Vorstands? Klopp bekam bei Dortmund die Zeit und die Freiheit, sein Konzept umzusetzen. Die Vereine die jetzt mal wieder auf Trainersuche sind, die Bayern, die Schalker, die Hamburger, sie alle sind nicht bekannt dafür, diese Zeit und Freiheit zuzugestehen. Wenn sie jetzt über Tuchel und Löw, Rangnick und Dutt nachdenken, ist die Frage nicht, ob diese Trainer bereit sind für so einen Klub. Die Frage ist, ob diese Klubs bereit sind für so einen Trainer.


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Quelle: t-online.de

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Kommentare (24)

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Thema: "Kolumne: Junge Trainer vs. Trainer-Routiniers"

Manfred schrieb: am 10. März 2011 um 20:45:01
(0) (0) Trainer
Auch ich werde 5 Familienmitglieder bei so4 abmelden,wenn es bei dieser hirnrissigen Entscheidung des unfähigen Metzgermeisters
bleibt!Ich schäme mich für Stil,Form und Art der Publizierung einer angeblich geheimen Aufsichtsratssitzung von so4.Herzliche Entschuldigung,Felix,im Namen aller echten Schalker.
mehr Kommentar melden

Geburtsschalker schrieb: am 10. März 2011 um 20:22:41
(0) (0) Magath
Ich wohne aber jetzt bei Mainz. Er, Du hast recht was Slomka angeht. Den Rauswurf habe ich nie verstanden. Was er kann zeigt er ja
momentan. Bei Magath schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Warum heißt er denn Quälix. Er hat kein Verhältnis zu seinen Spielern so wie der Holländer bei den Bayern. Die Zeit der harten Hunde ist vorbei. Seht euch mal Tuchel in Mainz oder J.Klopp beim Erzfeind an. O.Hitzfeld, O.Rehagel waren auch keine Weicheier aber die kommen beim Spieler an.
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AGLS schrieb: am 10. März 2011 um 19:52:51
(0) (0) SCHALKE
Seit 40 jahren Schalker. Geht Magath, gehe ich auch. Adieu Schalke!

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