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Nach Hertha-Randalen: Diskussion um Stehplätze entbrannt

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Nach Hertha-Randalen: Diskussion um Stehplätze entbrannt

17.03.2010, 14:44 Uhr | t-online

Die Randale der Berliner Fans lösten eine Diskussion um die Stehplätze aus, obwohl es im Olympiastadion keine solche Stehkurve mehr gibt. (Foto: dpa)

Alle Jahre wieder machen Randalierer Stadien zu Schauplätzen von Gewalt - und alle Jahre wieder streiten Klubs, Deutscher Fußball-Bund (DFB), Polizei und Fanprojekte um Maßnahmen gegen die Chaoten. Nach den Hertha-Krawallen ist die Diskussion erneut entbrannt, Die Polizeigewerkschaft hat einen neuen Sündenbock gefunden: Die Stehplätze, die "Orte, wo sich die Gewalt hochschaukelt", sollen Schuld sein an der jüngsten Misere und deshalb abgeschafft werden - obwohl es in Berlin gar keine Stehplätze mehr gibt. Während dessen denken der DFB und der Ligaverband DFL darüber nach, die Auswärts-Kontingente der Vereine herunter zu schrauben - oder bei brisanten Duellen gleich ganz zu streichen.

Wenn es nach Baden-Württembergs Innenminister Heribert Rech geht, könnte auch ein sogenannter "Sicherheits-Euro" Teil des Maßnahmenpakets sein. Danach sollen Besucher von Fußballspielen einen Aufschlag für die Gewährleistung ihrer Sicherheit bezahlen. "Ich bin überzeugt, dass die Fans, die ein friedliches Spiel erleben wollen, bereit sind, diesen Euro zu zahlen", sagte Rech. Eine weitere Maßnahme, die von Polizeigewerkschafts-Boss Rainer Wendt ins Spiel gebracht wurde, ist der Verkauf von personalisierten Tickets.

Polizeigewerkschaft: "Übliche Betroffenheitsrhetorik"

Gegenüber dem Deutschen Fußball-Bund fuhr Wendt schwere Geschütze auf. Er warf dem DFB die "übliche Betroffenheitsrhetorik" vor und stellte den Sinn der Fanprojekte, in denen sich DFB, Vereine und Fans gemeinsam um das Thema Sicherheit kümmern, in Frage: "Ich erwarte, dass der DFB und die DFL ihre sozialpädagogischen Programme auf ihre Wirksamkeit hin überprüfen. Da gibt es viel Aktionismus ohne Sinn, wenn Geld für die Bastelstuben der Ultras ausgegeben wird." Sauer stößt Wendt dabei auch auf, dass der DFB sich zwar mit den Fans auseinander setzt, aber nicht mit der Polizeigewerkschaft: "Wir sind gerne zu einem Gespräch bereit. Aber der DFB spricht nur mit Leuten, die ihn nicht kritisieren. Theo Zwanziger hat ja öffentlich erklärt, er wolle nicht mit mir sprechen", sagte Wendt.

Fans gehen auf die Barrikade

Die Fanvertreter reagierten ungehalten und fühlen sich in Sippenhaft genommen: "In der Kindererziehung bestraft man auch nicht mehr die ganze Klasse, wenn ein Schüler sich falsch verhalten hat. Die Forderungen von Herrn Wendt nach einem Verbot der Stehplätze sind totaler Humbug", sagte Volker Goll von der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS), die 44 Fanprojekte in Deutschland betreut. Auch ein Verbot für Gäste-Fans wäre für Goll ein schwerer Schlag: "Da würde sich der Fußball um etwas berauben."

Watzke: "Populistischer Unfug"

Dass Stehplatzkurven ursächlich für die Gewalt in und um Stadien verantwortlich sein sollen, hält auch BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke für "populistischen Unfug". Schließlich ist gerade Dortmund ein Beispiel, wie sich 24.000 Stehplatz-Besucher bei den Heimspielen frenetisch und zugleich friedlich verhalten können. Freiburgs Sportdirektor Dirk Dufner versuchte, das Thema Gewalt in einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen: "Die Politik tut immer so, als ob wir die Verursacher von Gewalt sind und dann auch zahlen müssen. Das stimmt aber nicht." Stattdessen seien die Vereine diejenigen, die sich mit gewaltbereiten Gruppen auseinander setzen und den Dialog suchen: "Wie wäre es denn, wenn wir Geld dafür kriegen, dass wir das Problem haben? Wir sind doch praktisch die Streetworker."

DFB: "Alles auf dem Prüfstand"

DFB und DFL reagierten bislang besonnen auf die Forderungen von Politik und Polizeigewerkschaft: "Wir stellen alles auf den Prüfstand. Die Abschaffung von Stehplätzen in den Stadien ist aber aktuell kein Thema", versicherte Helmut Spahn, Sicherheitsbeauftragter des DFB. Ob die Abschaffung ein Thema wird, hängt auch von der Reaktion der Fans ab - zum Beispiel beim Derby zwischen dem 1. FC Köln und Borussia Mönchengladbach am Wochenende.


Quelle: t-online.de , sid , dpa

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Kommentare (4)

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Thema: "Nach Hertha-Randalen: Diskussion um Stehplätze entbrannt"

Bummi schrieb: am 20. März 2010 um 23:08:11
(0) (0) Auswärtskarten
Beim Spiel St.Pauli gegen Hansa Rostock am 28.03.2010 sind nur 500 Gäste zugelassen. Dies ist meiner Meinung nach der
Präzedenzfall, den die Polizei schaffen will, um dann in allen Stadien diesen Schwachsinn einzuführen. Wir als Fans sollten aufpassen, dass dieses Negativbeispiel keine Schule macht.
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Karl_Soest schrieb: am 18. März 2010 um 15:29:49
(0) (0) Als wenn man darauf gewartet hätte
melden sich jetzt Stimmen mit den dümmsten Vorschlägen. Irgendein unbekannter Minister aus BW denkt
natürlich wieder nur ans abkassieren der Masse - ist Politikern wohl angeboren -. Die gute Polizeigewerkschaft will was verbieten was mit dem Auslöser in Berlin rein garnichts zu tun hatte - da waren Sitzplätze -, der einzige Platz, der Auslöser, war der 18. von Hertha. Die DFB-Überlegung/Betroffenheit - der größte Schwachsinn - die Auswärtsfans zu reduzieren oder zu verbieten.
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Bochumer schrieb: am 18. März 2010 um 14:58:32
(0) (0) Schwachsinn
Absoluter Schwachsinn, in Berlin gab es noch nicht mal Stehplätze, was sollen Stehplätze denn mit menr Randale zu tun haben.

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