14.01.2012, 06:30 Uhr
Robin Dutt und Michael Ballack haben eine schwere Rückrunde vor sich. (Quelle: imago)
von Marc L. Merten
Wenn Bayer Leverkusen in die Rückrunde startet, hat Trainer Robin Dutt allen Beteuerungen der Verantwortlichen zum Trotz weiter einen ganz schweren Stand. "Wir sind ja von seiner Arbeitsweise überzeugt", sagt Sportdirektor Rudi Völler, stellt aber im gleichen Atemzug klar: "Den Gegenwind muss er aushalten." Und auch, dass Dutts Vorgesetzte ein klares Ziel formuliert und somit den Druck auf den Übungsleiter erhöht haben: ein Champions-League-Platz soll am Ende der Bundesliga-Saison zu Buche stehen.
Die Königsklasse – sie ist das bestimmende Thema unter dem Bayer-Kreuz. Auch, weil da ja noch das große Highlight im Februar bevorsteht: das Achtelfinale gegen den FC Barcelona. Die Fans sind schon ganz verrückt nach dem Duell mit Messi, Xavi und Co.: Das Heimspiel am 14. Februar war binnen weniger Minuten ausverkauft. Über den Tag verteilt gingen knapp eine Million Anrufe an der Geschäftsstelle ein. Zahlen, wie der Verein sie noch nie zu bieten hatte. Aber auch Zahlen, die gewaltige Erwartungen schüren.
Erwartungen, die das Team um Neu-Coach Dutt in der Hinserie nur selten erfüllen konnte. 26 Punkte nach 17 Spieltagen bedeuten Platz sechs in der Liga. Im DFB-Pokal ereilte die Leverkusener bereits in Runde eins das blamable Aus gegen Dynamo Dresden (3:4 n.V.). Einzig in der Champions League trumpfte die Werkself groß auf und holte sich mit drei Heimsiegen gegen Chelsea, Valencia und Genk die Fahrkarte fürs Achtelfinale.
Doch gerade letztgenannter Erfolg überdeckte viele Probleme, die die Mannschaft in der Liga hatte. Kaum ein Spieler zeigte konstant hohes Niveau – am offensichtlichsten und eklatantesten wurde dies im Sturm bei Eren Derdiyok und Stefan Kießling ersichtlich. Im Mittelfeld entwickelte sich der Anfang der Saison fast schon aussortierte Michael Ballack plötzlich zum Hoffnungsträger. Andre Schürrle, der Königstransfer des Sommers, konnte die in ihn gesteckten Erwartungen noch nicht ansatzweise erfüllen. Und hätte Bayer nicht auf den letzten Drücker mit Bernd Leno noch einen Volltreffer auf dem Transfermarkt gelandet, hätte Leverkusen überdies noch ein gigantisches Torwartproblem.
Doch wer glaubte, mit dem Ende der Hinrunde würde der Fokus auf einer konzentrierten Rückrunden-Vorbereitung liegen, sah sich getäuscht. Stattdessen stand die Posse um Hanno Balitsch im Mittelpunkt, in der besonders Dutt keine gute Figur machte und von Fan-Gruppen sogar offen zum Rücktritt aufgefordert wurde. Andere Probleme kamen durch Pech hinzu. Mit Sidney Sam fällt nach Renato Augusto der nächste Flügelflitzer verletzungsbedingt länger aus.
Mitnichten kann man in Leverkusen davon reden, dass alle Kräfte gebündelt werden, um die hochgesteckten Ziele bis Anfang Mai zu erreichen. Und doch ist der Anreiz für jeden Spieler enorm, sich konzentriert vorzubereiten: Alleine der Name Barcelona bringt einen Extra-Schub an Motivation. Und auch, dass Ballack seine wohl letzte Bundesliga-Saison spielen wird, könnte sich auf das ganze Team positiv auswirken. Immerhin gilt der mittlerweile 34-Jährige als Musterprofi mit enormem Ehrgeiz. Allein die Rolle von Robin Dutt ist fraglich. Schafft er es, das junge Team auf Kurs zu bringen, könnte ihm sogar eine rosige Zukunft in Leverkusen bevorstehen. Erfüllt die Werkself die hohen Erwartungen jedoch nicht, droht sein Weg schon im Sommer in Leverkusen wieder zu Ende zu gehen.
Quelle: t-online.de
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