25.08.2010, 13:04 Uhr | t-online.de
Wird Jan Schlaudraff bei Hannover bleiben? Angeblich lockt der "Club". (Foto: imago) (Quelle: imago)
Das Interview führte Lars Fritsch
Jan Schlaudraff galt vor nicht allzu langer Zeit als größtes Talent im deutschen Fußball. Nach einem enttäuschenden Jahr beim FC Bayern wechselte der Offensiv-Mann 2007 zu Hannover 96. Doch statt dort an seinen Höhenflug aus Gladbacher oder Aachener Zeiten anzuknüpfen, wird der 27-Jährige von zahlreichen Verletzungen zurückgeworfen. Mangelnde Einstellung und schwache Trainigsleistung werden ihm vorgeworfen. Im Interview mit t-online.de spricht Schlaudraff über seine Leidenszeit, seine guten Vorsätze und darüber, warum er bei den Bayern den Durchbruch nicht geschafft hat.
t-online.de: Herr Schlaudraff, nach einer für Sie verkorksten Saison lief die Vorbereitung in diesem Jahr eigentlich gut an. Beim Auftakt gegen Frankfurt warf Trainer Mirko Slomka Sie plötzlich aus dem Kader. Was ging in Ihnen vor?
Jan Schlaudraff: Der Trainer hatte mir gesagt, dass meine Trainingsleistung nicht so gut war. Die Entscheidung lag bei ihm, darauf habe ich wenig Einfluss. Ich glaube, dass meine Saisonvorbereitung insgesamt sehr erfreulich war. Die letzte Woche war nicht so gut wie die Wochen davor. Dass ich dann direkt aus dem Kader geflogen bin, war für mich schon überraschend.
Schon in der Vorsaison hatte Ihnen Slomka Schlampigkeit im Training vorgeworfen…
Es gibt immer mal bessere und mal schlechtere Einheiten. Ich habe in den ersten fünf Wochen der Vorbereitungen versucht, daran zu arbeiten und umzusetzen, was mir der Trainer nahegelegt hat. Das hat in der letzten Woche nicht so geklappt. Ich werde das in dieser Woche wieder besser machen.
Mit Michael Ballack und Simon Rolfes soll es bei Bayer wieder nach oben gehen. zum Video
Das Verhältnis zwischen Ihnen und dem Trainer gilt nicht gerade als gefestigt. Ist das eine gute Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit?
Ich versuche einfach, meine Leistung zu bringen. Er wird das registrieren und entsprechend handeln. Ich glaube, wir hatten letztes Jahr eine schwierige Saison. Wir müssen jetzt schauen, wo es dieses Jahr hinführt.
Sie stehen in Hannover immer wieder in der Kritik, selten werden Sie besonders positiv wahrgenommen. Haben Sie das Gefühl, der Sündebock zu sein?
Ich habe diese Saison ein Pflichtspiel absolviert. Das war im Pokal gegen Elversberg. Dass wir ausgeschieden sind, ist natürlich eine Katastrophe. Aber ich denke, wenn man bei einem Viertligisten ausscheidet, kann man das nicht an einer Person ausmachen. Fakt ist, dass ich derjenige war, den es getroffen hat. Klar hagelt es oft Kritik. Aber als Sündenbock sehe ich mich nicht.
Hannover will noch einen Stürmer abgeben, Ihr Name wird dabei auch gehandelt. Stehen die Zeichen auf Abschied?
Davon gehe ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht aus. Wir haben mit Mohammed Abdellaoue einen weiteren Stoßstürmer dazu bekommen. Aber ich bin kein Zentrumsstürmer wie zum Beispiel Mikael Forsell oder Mike Hanke. Ich sehe mich eher auf den Außenpositionen oder hinter den Spitzen. Wer von uns abgegeben wird, entscheidet der Verein und die Nachfrage.
Wie man hört, will Ihr alter Trainer Dieter Hecking Sie zum 1. FC Nürnberg holen. Liegt Ihnen ein entsprechendes Angebot vor?
Nicht, dass ich wüsste.
Glauben Sie denn noch daran, sich bei Hannover zu etablieren?
Ich werde natürlich versuchen, auch weiterhin meine Leistung zu bringen. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag in Hannover und gehe davon aus, dass ich den Vertrag erfüllen werde.
In der Vergangenheit wurden Sie mehrfach durch Verletzungen zurückgeworfen? Wie fühlen Sie sich jetzt?
Ich fühle mich im Moment sehr gut. Ich bin sehr froh darüber, dass ich endlich mal eine längere Zeit gesund bin. Es ist ewig her, dass ich so lange am Stück beschwerdefrei trainieren konnte. Ich bin daher relativ zufrieden.
Nach guten Leistungen für Borussia Mönchengladbach und Alemannia Aachen sind Sie 2007 zum FC Bayern gewechselt. Seitdem ging es mit Ihrer Karriere bergab. Wie beurteilen Sie den Wechsel nach München im Nachhinein?
Ob alles richtig war, kann man nur beurteilen, wenn man wüsste, wie es anders gelaufen wäre. Damals war es der logische und richtige Schritt. Es ist aber schwierig, bei Bayern Fuß zu fassen. Es war eine wichtige Erfahrung für mich. Jetzt bin ich aber seit zwei Jahren in Hannover. Leider läuft es hier bisher nicht so rund.
Warum konnten Sie sich beim Rekordmeister nicht durchsetzen?
Weil die Spieler, die vor mir gespielt haben, einfach besser waren. Mit Klose und Toni waren wir im Sturm überragend besetzt.
Wieso hatten in der Vergangenheit häufig gerade junge Spieler Schwierigkeiten, sich bei den Bayern zu etablieren? Und wieso funktioniert das jetzt unter Louis van Gaal so gut?
Es ist schwierig, sich bei Bayern durchzusetzen, weil die Konkurrenz unglaublich groß ist und der Verein auch in der Lage ist, für viel Geld auf allen Positionen nachzurüsten. Aber wenn man es wie Badstuber oder Müller geschafft hat, hat man das Potenzial, ein absoluter Weltklassespieler zu werden. Es ist also ein schmaler Grat, aber ich denke nicht, dass für junge Spieler der Schritt zum FC Bayern schlecht ist, zumal der Verein verstärkt auf die Jugend setzt.
Nachdem Ihr Wechsel zu 96 bekannt gegeben wurde, sagten Sie: "Ich bin überzeugt, dass Hannover für die nächsten Jahre gute Perspektiven hat und ich mich hier persönlich weiterentwickeln kann." Letzte Saison stand der Klub dicht vor der Zweitklassigkeit, Sie standen ständig in der Kritik. Was ist schief gelaufen?
Für mich persönlich war das Problem, dass ich oft verletzt war. Und wenn ich gesund war, konnte ich häufig nicht die Leistung bringen, die ich mir gewünscht habe. Hinzu kommt, dass der Verein die Vision hatte, an die oberen Plätze heranzukommen und sich Ziele gesteckt hatte, die zu hoch waren und deshalb nicht erreicht wurden.
Der Verein hat in der Vorsaison nach dem Tod von Robert Enke nur fünf Spiele gewonnen, es gab sogar eine Serie von neun Niederlagen in Folge. Die Rettung gelang in letzter Minute. In wie weit war das tragische Ereignis für die Erfolglosigkeit verantwortlich?
Das war eine besonders schwierige Situation. Damit muss man erst einmal umgehen können. Der Einfluss war erheblich.
Steckt das noch in den Köpfen der Spieler?
Das ist jetzt Vergangenheit. Wir sind froh, dass wir die Saison mit einem blauen Auge überstanden haben. Aber das Thema ist vom Tisch.
Nach der WM 2006 galten Sie als sicherer Kandidat für die Nationalmannschaft. Seit drei Jahren haben Sie kein Spiel mehr für die deutsche A-Auswahl bestritten. Wie sehr schmerzt es, nicht bei der WM in Südafrika dabei gewesen zu sein?
Das Thema Nationalmannschaft beschäftigt mich überhaupt nicht mehr. Ich will zusehen, dass ich gesund bleibe und im Verein auf die Füße komme. Das habe ich in den letzten Jahren nicht geschafft. Von daher mache ich mir darüber keine Gedanken mehr.
Wie beurteilen Sie die Entwicklung der Nationalelf in den letzten Jahren?
Es ist unglaublich, dass sich die Nationalelf so super weiterentwickelt hat. Und gerade die jungen Spieler haben bei der WM überzeugt. Ich gehe davon aus, dass diese Entwicklung noch nicht abgeschlossen ist und die Mannschaft in den nächsten Jahren um die wichtigen Titel mitspielen kann.
Was sind Ihre persönlichen Ziele für die nächsten Jahre?
Erstmal will ich zu hundert Prozent gesund bleiben und in den Trainings- und Spielrhythmus kommen. Dann will ich versuchen, bessere Leistung zu bringen als in den letzten zwei Jahren, um mich generell wieder zu stabilisieren.
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Quelle: dpa
Remmiz schrieb:
am 29. August 2010 um 19:01:53
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Hannover 96
Ich war überrascht als ich beim ersten Bundesligaspiel von Hannover 96 die >Nummer 1 auf dem Trikot von Frmmlewitz sah. Hat der
Vorstand von Hannover 96 nicht feierlich versprochen, die Nummer 1 , nach dem Tod von Robert Emke nie mehr zu vergeben? Was ist da geschehen? Sind große Versprechen nur solange gültig wie sie Publikumswirksam sind. Oder geht es ganz einfach nach dem Slogan " was kümmert mich mein Geschwätz von gestern"!
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Nörgler schrieb:
am 27. August 2010 um 12:01:54
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Schlaudraff
Wenn er ein sog. Talent war, dann hat ihm jemand in den Kopf gesetzt: geh zu FCB, da kannst du viel Geld verdienen. Anscheinend
hat ihm niemand gesagt, dass er dafür auch schuften muß und das hat ihm das Genick gebrochen. Er meinte, nur beim FCB zu sein, reciht aus. Dass aber da vor ihm
Hochkaräter sind, gegen die man ankämpfen muß, hat er vor lauter "Kohle" vergessen. Nun ist er eben nur ein Talent, aber kein großer Fußballer. Mein
Rat:er soll sich bei einem 2.Ligist reinhängen (z.B.FCA).
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GinoDull schrieb:
am 26. August 2010 um 14:59:23
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Schlaudraff
Es war damals schon nicht nachzuvollziehen, wie ein durchschnittlicher Spieler wie Schlaudraff zum FCB gehen will. Was aber noch
schlimmer war, ist daß der FCB dieses "Talent" auch noch genommen hat. Deshalb meine Frage: hat Schlaudraff
kein Gefühl für sein "Können" und welcher "Superscout" vom FCB hat dies verbrochen?
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