20.09.2010, 15:52 Uhr | dpa
Aus der Stuttgarter Trainerschule an die Spitze der Bundesliga: Thomas Tuchel (li.) ist mit Mainz Erster, Ralf Rangnick (re.) mit Hoffenheim Zweiter. Am 2. Oktober kommt es in Mainz zum direkten Duell. (Foto: imago) (Quelle: imago)
Die gute Jugendarbeit des VfB Stuttgart ist weithin bekannt und dokumentiert sich in den Titeln, die die Schwaben in diesem Bereich seit Jahrzehnten sammeln. Ihren Stempel hinterließen dort auch die beiden derzeit erfolgreichsten Bundesliga-Trainer: Thomas Tuchel und Ralf Rangnick. Tuchel, den Rangnick in Ulm bis zu dessen Karriereende zweieinhalb Jahre lang betreute, hat den FSV Mainz 05 erstmals in der Vereinsgeschichte an die Tabellenspitze geführt. Dahinter lauert Rangnick mit seinen ebenfalls noch ungeschlagenen Hoffenheimern. Vor zwei Jahren führte der 52-Jährige den Bundesliga-Neuling auf Anhieb zur so genannten Herbstmeisterschaft.
Tuchel und Rangnick haben vieles gemeinsam. Beide dozieren gern über den Fußball, der für sie mehr ist als nur ein 1:0. Beide propagieren, wie übrigens auch ihr in Stuttgart geborener Kollege Jürgen Klopp vom Tabellendritten Borussia Dortmund, das Spiel gegen den Ball. Beide stellen das Kollektiv in den Mittelpunkt, das funktionieren soll wie ein Uhrwerk. Und nicht zuletzt sind beide ehrgeizige Perfektionisten und äußerst gewiefte Taktiker, die nichts dem Zufall überlassen.
Der Mainzer Manager Christian Heidel singt ein Loblied auf Tuchel, den mit 37 Jahren jüngsten Bundesliga-Trainer: "Er hat einen überragenden Fußballsachverstand, gepaart mit der ausgeprägten Fähigkeit der Kommunikation mit den Spielern." Als Erfolgsrezept des Trainers hat Heidel ausgemacht, "dass er den Jungs ein taktisches Konzept gibt. Und ganz wichtig ist: Sie wissen, wo sie hinlaufen und warum sie da hinlaufen sollen."
Für Tuchel sind dies völlig normale Vorgänge. Er hat den Job von der Pike auf gelernt und zehn Jahre lang im Nachwuchsbereich in Stuttgart, Augsburg und Mainz Erfahrungen gesammelt. Im Sommer 2009 schlug seine große Stunde, als die Mainzer den damaligen Aufstiegs-Coach Jörn Andersen - Nachfolger des Kulttrainers Klopp - fünf Tage vor dem ersten Saisonspiel entließen und Tuchel über Nacht zum Cheftrainer beförderten. "Diese Entscheidung war wohl überlegt. Wir hatten ihn ein Jahr als Trainer der U19 gesehen und schon immer das Gefühl, dass er diese Mainz-05-Philosophie hat", sagte Heidel im Rückblick.
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Die Wege von Tuchel und Rangnick haben sich in der Vergangenheit übrigens des öfteren gekreuzt. Als Tuchel zwischen 1994 und 1998 beim SSV Ulm kickte, war Rangnick dort Trainer. Und als er 2000 beim VfB Stuttgart die U15 übernahm, saß Rangnick bei den Bundesligaprofis auf der Trainerbank.
Kein Wunder, dass der so genannte "Fußball-Professor" den Werdegang seines 15 Jahre jüngeren Kollegen mit großem Interesse verfolgt. "Ich bin nicht überrascht, dass Mainz noch zwei Punkte mehr auf dem Konto hat als wir. Ich bin eher überrascht, dass einige darüber überrascht sind. Ich weiß, wie in Mainz gearbeitet wird", sagte Rangnick. Welche Rolle die gemeinsame Herkunft bei der jüngsten Erfolgsstory spielt, ließ er dagegen offen: "Ob es Zufall ist, dass beide Teams schwäbische Trainer haben, überlasse ich der Interpretation anderer Leute."
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Quelle: dpa
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