10.04.2011, 13:32 Uhr
Bayern-Präsident Uli Hoeneß ist froh, dass Louis van Gaal nun weg ist. (Foto: imago)
Die Horrorvision Europa League vor Augen haben die Verantwortlichen des FC Bayern München die Notbremse gezogen. Am Tag nach dem frustrierenden 1:1 (1:0) beim 1. FC Nürnberg und fünf Spieltage vor dem Schlusspfiff einer für seine Verhältnisse völlig missratenen Saison gab der Rekordmeister bekannt, dass Trainer Louis van Gaal gehen muss. Und nicht, wie am 7. März beschlossen, erst am 8. Mai, sondern mit sofortiger Wirkung. (Kommentar: Van Gaals Rauswurf ist logisch)
Am Sonntagvormittag tauchte van Gaal schon gar nicht mehr an der Säbener Straße auf. Das obligatorische Auslaufen unter stahlblauem Himmel leitete der bisherige Assistent Andries Jonker. Er soll nun in Zusammenarbeit mit Hermann Gerland, Trainer der so gut wie abgestiegenen Drittliga-Mannschaft der Bayern, retten, was noch zu retten ist. Das Minimalziel heißt Rang drei und die damit verbundene Teilnahme an der Qualifikation zur Champions League. (FAN total!: War van Gaal alles egal?)
Auf Rang drei steht Hannover 96, Vorsprung: ein Punkt. Ein Minimalziel, das zu erreichen van Gaal nicht mehr zugetraut wurde, und nicht nur das, wie Uli Hoeneß behauptete. "Gestern war es genug. Es gibt den Spruch: 'Der Krug geht so lange zum Brunnen, bis er bricht.' Und jetzt ist er gebrochen. Dass die Spieler hinter ihm standen, ist ein Märchen", sagte der Präsident mit einer Miene, die fast schon Hass, zumindest aber Wut auf den geschassten van Gaal verriet. Was der langjährige Manager damit sagen wollte: Der Trainer hat die Mannschaft nicht mehr erreicht. Erfolg ist die eine Sache, aber Spaß eben auch. Und Spaß ist etwas, was es in diesem Verein schon lange nicht mehr gegeben hat", keifte Hoeneß.
Kein Spaß, kein Erfolg - van Gaal bekam vor allem von Hoeneß noch ein paar Watsch'n verpasst. Mit dem Wechsel im Tor in der Winterpause von Jörg Butt zu Thomas Kraft "ging die ganze Scheiße los", sagte der Präsident, "das hat Unruhe in die ganze Abwehr gebracht, das konnte man sich nicht länger antun". Manuel Neuer, so das Fehlereingeständnis von Hoeneß, hätte der FCB auf alle Fälle holen müssen: "Wir hätten die Unruhe mit Neuer hier nie gehabt. Van Gaal hat unseren Rat nicht angenommen." "Bei dem ein oder anderen Spieler, ergänzte Hoeneß, sei außerdem zu beobachten gewesen, "dass Angst seine Aktionen begleitet." Das, beteuerte der Präsident, werde sich nun wieder ändern.
Andries Jonker, berichtete Karl-Heinz Rummenigge anerkennend, habe am Sonntag gleich eine "bemerkenswerte Antrittsrede" vor den Spielern gehalten. "Er wird", sagte der Vorstandsvorsitzende, "Dinge ändern, die veränderungswürdig sind. Er hat eine klare Meinung, einen klaren Plan." Hoeneß erwartet für das nächste Spiel der Bayern gegen Bayer Leverkusen und ihren künftigen Trainer Jupp Heynckes spielen, gleich "eine Explosion", denn: "Die Spieler haben ihre Zwangsjacke abgestreift."
In Nürnberg hatten Rummenigge, Hoeneß und Nerlinger noch ein letztes Mal mit ansehen müssen, dass "die Spieler", wie van Gaal seine Mannschaft nannte, längst nicht mehr das tun, was der Trainer ihnen angeblich mit auf den Weg gegeben hat. Nach dieser gefühlten, noch dazu selbst verschuldeten Niederlage wirkte van Gaal dann, als ahnte er schon, was nur wenige Stunden später in der Tat geschehen würde. Der Niederländer war erstaunlich leidenschaftslos - er wirkte gebrochen, und er schien zu wissen: Das Spiel ist aus.
Der Rekordmeister sieht das Minimalziel in Gefahr und beurlaubt Trainer Louis van Gaal. zum Video
Das Ende von van Gaal entbehrte nicht einer gewissen Tragik, weil er mit ausgelöst wurde von Torhüter Kraft, den er im Winter anstelle von Butt ins Tor gestellt hatte. "Das Tor haben wir selbst verursacht. Und dann hat sich Arjen Robben gehen lassen", sagte der frustrierte Coach zu den zwei Szenen, die den FC Bayern vielleicht noch teuer zu stehen kommen. Erste Szene: Kraft verhalf mit ungenauem Zuspiel auf den auch nicht gerade geistesgegenwärtigen Philipp Lahm dem Club den Ausgleich durch Christian Eigler (60.). Zweite Szene: Nach dem Schlusspfiff beleidigte Robben dann auch noch Schiedsrichter Knut Kircher: Der zog Rot. "Das spielt eine Rolle im nächsten Spiel, denn wir brauchen Arjen Robben", jammerte van Gaal, dem das nächste Spiel nun egal sein kann.
Bayern entlässt den Trainer. Fan Elmar regt sich über das Verhalten des Holländers und die Leistungsverweigerung des Teams auf. zum Video
Quelle: t-online.de
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