19.07.2010, 08:58 Uhr | t-online.de
Bayern-Trainer Louis van Gaal will 2014 als Nationaltrainer zur WM. (Foto: imago)
Für Bayern-Trainer Louis van Gaal wirft die kommende Saison bereits ihre Schatten voraus. Doch auch die gerade zu Ende gegangene WM in Südafrika wirkt noch nach. Wichtige Erkenntnisse konnte der Niederländer von dem Turnier, das er, bis auf das Finale, zu Hause am Fernseher verfolgt hat, allerdings nicht mitnehmen. Im Interview mit dem "kicker" zeigte sich van Gaal enttäuscht von dem Turnier in Südafrika. "Es gibt nichts Neues mehr", sagte der Bayern-Coach: "Das Rad hat sich zu Ende gedreht." Begeistert war der Niederländer dagegen vom Auftreten der deutschen Mannschaft. Und in vier Jahren will er als Nationalcoach selber dabei sein. (Zum Durchklicken: Die Top-Transfers der Saison)
Besonders die vielen langweiligen Partien in der Vorrunde haben den Meistermacher enttäuscht. "Alle Teams haben verteidigt. Nur Spanien, Chile und Deutschland nicht." Dagegen hatte er erwartet, dass eine Mannschaft den Willen zeigen würde, anzugreifen. Aber außer den genannten Dreien sowie Argentinien war das für den Fußballlehrer nicht zu erkennen gewesen.
Dass Argentinien zwar eine gute Rolle spielen würde, aber nicht ins Finale vorstoßen könnte, stand für van Gaal schon vorher fest. "Das habe ich vor der Weltmeisterschaft schon vorausgesagt, wohl als Einziger. Ich habe gesagt, dass Argentinien mit so einem Trainer nicht Weltmeister werden kann. Trainer ist ein Beruf, den man erlernen muss. Das ist kein Hobby. Diese Zeit ist vorbei. Man ist nicht einfach ein Trainer", kritisierte der Niederländer seinen Trainerkollegen Diego Maradona.
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Den könnte er schon bald beerben. Denn ein großes Ziel für van Gaal bleibt es, nach seiner Zeit beim FC Bayern Nationaltrainer zu werden. "Ich bin bald 60. Da kann ich mir das vorstellen", so der Coach. "Innerhalb von sechs Wochen kann ich eine Mannschaft fertigmachen". Schon in Südafrika hätte van Gaal als Trainer dabei sein können, ein Angebot von Nigeria lag dem Holländer vor. Doch der FC Bayern und seine Frau votierten dagegen. "Für mich wäre es schön gewesen, aber für meine Frau nicht. Ich bin kein Egoist", so van Gaal. Doch bei der WM 2014 will er unbedingt dabei sein. "Ich will Nationaltrainer werden. Eigentlich müsste ich bei Bayern jetzt aufhören, denn jetzt werden die neuen Nationaltrainer gesucht." Doch es muss Perspektiven geben. "Ich will Nationaltrainer werden in einem Land, das etwas gewinnen will. Das kann Deutschland sein, Spanien, Argentinien."
Van Gaal selbst wird ein Teil des Erfolges der deutschen Nationalmannschaft zugeschrieben. Mit dem von Thomas Müller geprägten Begriff des "Louis-van-Löw-Fußballs" wurde der Bayern-Coach als Mit-Urheber des deutschen Spielsystems ausgemacht. Doch van Gaal wiegelt das Lob ab. "Müller kann das besser beurteilen, weil er jedes Training mitgemacht hat. Was ich beurteilen kann, ist, dass die deutsche Elf unser 4-4-1-1 gespielt hat. Alle Spieler haben auf den Positionen gespielt, die ich auch für richtig halte. Deutschland hat attraktiv gespielt wie wir. Darüber war ich froh. Als ich das gelesen habe, dachte ich: Das ist nicht schlecht für mich."
Nachwirkungen der WM bei seinen Bayern-Profis befürchtet van Gaal nicht, weder positiver noch negativer Natur. "Bayern München ist etwas anderes ist als die Nationalmannschaft. Hier zählen wieder andere Werte und Leistungen. Natürlich hat Müller ein sehr gutes Turnier gespielt, Klose auch. Hier fangen aber alle wieder bei Null an. Gomez hatte auch bei uns keine gute Phase, aber er weiß, dass er weiter hart arbeiten muss, das tut er auch. Badstuber hat ein schlechtes Gefühl nach der WM. Er weiß aber, dass bei Bayern den Spielern das Vertrauen geschenkt wird, das Friedrich etwa in der Nationalelf hatte. Rückendeckung ist sehr, sehr wichtig", macht er seinem jungen Abwehrmann Mut.
In Bezug auf Neuzugänge hält sich van Gaal bedeckt. "Ich schaue immer nach Spielern. Ich schaue nach van der Wiel, nach Coentrao, nach Caceres, nach Deco, nach allen. Ich habe alle gesehen bei der WM. Die Besten waren Xavi, Iniesta, Schweinsteiger, der in der Verfassung seines Lebens ist." Dringenden Handlungsbedarf sieht der Niederländer sowieso nicht. "Wir brauchen nicht zwingend jemand. Wir haben 25 Spieler, das sind drei zu viel. Weil ich finde, dass wir jedem eine Perspektive bieten müssen. Derzeit müssten einige auf die Tribüne. Das macht uns in der Motivation Probleme. Wenn wir uns verstärken können, werden wir kaufen. Aber ich bin kein Trainer, der einfach kauft. Ich bin ein Trainer, der die Spieler verbessern will und das kann. Der Neue muss viel besser sein als die, die wir haben. Und dann müssen wir ihn bezahlen können. Und einbauen. Da kann man auch daneben liegen."
Quelle: t-online.de
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