11.08.2010, 12:30 Uhr | Eine Analyse von Steffen Engesser
Alte Startelf gleich neue Startelf? Bremen setzt auf Kontinuität. (Foto: imago)
Am 20. August startet die Bundesliga in ihre 48. Spielzeit. t-online.de hat alle 18 Klubs unter die Lupe genommen. Teil 16 der Teamcheck-Serie beschäftigt sich mit Werder Bremen.
Die Hanseaten stehen in vielfacher Hinsicht vor einer ungewissen Zukunft. Neben dem Weserstadion, dessen Umbau Ende des Jahres abgeschlossen sein wird, eröffnen sich für die Verantwortlichen kurz vor Saisonbeginn zahlreiche neue Baustellen. Der Verbleib von WM-Star Mesut Özil ist ungewiss, Neuzugang Marko Arnautovic sorgt für negative Schlagzeilen, in der Champions-League-Qualifikation wartet mit Sampdoria Genua ein unangenehmer Gegner. Man darf gespannt sein, wohin der Weg von Werder Bremen in dieser Saison gehen wird.
Dabei hat man sich in der Hansestadt einiges vorgenommen: Nach einem Jahr in der Europa League will Bremen wieder Glanzpunkte in der Königsklasse setzen. Auch in Sachen Meisterschaft haben die Werderaner hohe Ziele. Stürmer Claudio Pizarro schickte bereits eine Kampfansage an die Konkurrenz: "Die Bundesliga zu gewinnen, das ist das Wichtigste. Wir haben die Qualität, Meister zu werden."
Neuzugang mit Star-Potenzial: Marko Arnautovic. (Foto: imago)Ganz nach hanseatischer Kaufmannsart - Bremen hielt sich in dieser Saison auf dem Transfermarkt vornehm zurück. Mit Marko Arnautovic wurde lediglich ein potentieller Hochkaräter verpflichtet. Der Transfer des Mittelstürmers, der für rund 6,5 Millionen Euro von Inter Mailand an die Weser wechselte, hat es jedoch in sich: Der Österreicher deutete in den bisherigen Testspielen bereits seine Klasse an, allerdings bleibt abzuwarten, wie charakterstark der 21-Jährige ist. Arnautovics Auftreten, seine Eigenwilligkeit ließen Kapitän Torsten Frings den Neuzugang bereits mehrfach öffentlich kritisieren. Auch Geschäftsführer Klaus Allofs mahnte: "Marko muss lernen, sich einzufügen. Da hat er Nachholbedarf."
Neben Arnautovic wurde auch Felix Kroos, der von Hansa Rostock nach Bremen wechselte, unter Vertrag genommen. Der jüngere Bruder von Toni Kroos soll jedoch erst einmal in Bremens U-23-Auswahl Spielpraxis sammeln. Zudem kehren Jurica Vranjes (Genclerbirligi Ankara) und Kevin Schindler (MSV Duisburg) nach ihren saisonalen Gastspielen wieder zu den Grün-Weißen zurück.
Einen weiteren Neuzugang könnte Bremen während der Spielzeit präsentieren. Seit Wochen buhlen die Werderaner um den Brasilianer Wesley. Die Verpflichtung des vielseitigen Mittelfeldspielers vom FC Santos gestaltet sich jedoch wegen der verteilten Besitzansprüche schwierig. Weitere Zugänge könnten bei einer erfolgreichen Champions-League-Qualifikation getätigt werden.
Den wohl wichtigsten Transfer verzeichneten die Hanseaten unter der Rubrik Abgänge: Millionenflop Carlos Alberto kehrte zum brasilianischen Klub Vasco da Gama zurück und wird somit endgültig von der Bremer Gehaltsliste gestrichen. Außerdem wurden die Ergänzungsspieler Peter Niemeyer (Hertha BSC) und Marko Futacs (FC Ingolstadt 04) verliehen, die Kaufoption des in der Vorsaison ausgeliehenen Linksverteidigers Aymen Abdennour nicht wahrgenommen.
Zur Königspersonalie entwickelt sich kurz vor Saisonbeginn Mittelfeldspieler Mesut Özil. Der 21-Jährige, dessen Vertrag im kommenden Sommer ausläuft, wird mit fast allen europäischen Spitzenmannschaften in Verbindung gebracht. Ein Transfer bis zur Wechselfrist (31. August) würde Bremen immerhin einen zweistelligen Millionenbetrag in die Vereinskassen spülen.
Die Offensive ist das Prunkstück der Werderaner. Bremen steht seit Jahren für attraktiven Offensivfußball. Mit Özil, Marko Marin, Aaron Hunt und Pizarro haben die Hanseaten die dafür nötigen kreativen Topspieler in ihren Reihen. Die offensive Spielausrichtung hat jedoch auch ihre negativen Seiten: Bremen agiert im Umschalten von Angriff auf Verteidigung oft zu behäbig, kassiert dadurch immer wieder Gegentore.
Auch die Außenverteidiger bereiten den Verantwortlichen Sorgen. Sowohl Clemens Fritz, als auch Sebastian Bönisch fehlten in der letzten Saison die nötige Konstanz. "Da haben wir nicht die große Konkurrenz wie im Mittelfeld oder Sturm", kritisierte Schaaf bereits zu Vorbereitungsbeginn und fordert Verstärkungen.
Die Innenverteidigung untermauert hingegen Bremens Champions-League-Ambitionen: Per Mertesacker und Naldo bilden eines der besten Duos der Liga. Allerdings bleibt abzuwarten, wann der Brasilianer seine hartnäckige Knieverletzung endgültig auskuriert hat. Zudem steht mit Tim Wiese ein reaktionsstarker Keeper im Tor, der sich weiterhin berechtigte Hoffnungen auf den Platz im deutschen Tor machen darf.
Ein Fragzeichen steht noch immer hinter der Personalie Özil. Verabschiedet sich der WM-Star aus Bremen, hätten die Grün-Weißen einen enormen Qualitätsverlust zu verkraften. Die Verpflichtung eines adäquaten Ersatzes wäre wohl erst in der Winterpause ein Thema.
Neben den personellen und taktischen Überlegungen, bleibt abzuwarten, wie das Team mit etwaigen Rückschlägen umgeht. Sollten die Werderaner die Qualifikation zur Champions League verpassen und nicht optimal in den Ligabetrieb starten, könnten Eigenwilligkeiten von Neuzugang Arnautovic zum Problem werden. Zudem könnte die Dreifachbelastung (Meisterschaft, Pokal, CL/EL) einer erfolgreichen Saison im Wege stehen. Vor allem in der Defensive sind Ausfälle nicht adäquat zu ersetzen.
Gibt seit über einem Jahrzehnt die Richtung vor: Trainer Thomas Schaaf. (Foto: imago)Thomas Schaaf ist eine Institution in Bremen. Der 49-Jährige geht in seine zwölfte Saison und ist auf dem besten Wege, den Vereinsrekord von Otto Rehhagel (14 Jahre in Serie) zu knacken. Schaaf bildet zusammen mit Geschäftsführer Allofs ein perfektes Gespann, das auch in stürmischen Zeiten die Ruhe behält. Zudem ist der ehemalige Werder-Spieler (281 Spiele; 14 Tore) ein Befürworter des Offensivfußballs und hat nicht zuletzt deshalb die breite Rückendeckung der Anhänger.
Mit Spannung erwarten die Fans das erste Pflichtspiel auf internationalem Parkett. Bremen empfängt in der Champions-League-Qualifikation Sampdoria Genua (18.8.). Nach einem Jahr in der Europa League lechzt das Umfeld wieder auf Fußball in der Königsklasse. Die zurückhaltende Transferpolitik der Vereinsführung lässt so manchen Anhänger etwas verhalten in die neue Spielzeit blicken, dennoch erhofft man sich, ein Wörtchen um die Deutsche Meisterschaft mitreden zu können.
Die Testspiele verliefen durchwachsen. Gegen unterklassige Gegner setzten sich die Hanseaten erwartungsgemäß klar durch. Die ersten ernstzunehmenden Tests wurden gegen den SC Freiburg 2:1 und Racing Santander 3:1 knapp gewonnen. In der Schlussphase der Vorbereitung musste man sich dem ungarischen Vertreter Szombathelyi Haladas 1:2 und dem FC Fulham 1:5 geschlagen geben. Allerdings sind die Ergebnisse nicht wirklich aussagekräftig, da die Nationalspieler das Gros der Vorbereitung verpassten.
Auch in dieser Saison setzt Thomas Schaaf wieder auf eine Raute im Mittelfeld, also ein 4-4-2-System. Versuche mit der 4-3-3-Formation wurden unter anderem im Testspiel gegen den FC Fulham (1:5) bitter bestraft. Auch an der Startaufstellung wird der Trainer, aufgrund fehlender Alternativen, wenig ändern. Die Stammspieler der Vorsaison sind gesetzt. Lediglich im Mittelfeld streiten sich Phillip Bargfrede, Aaron Hunt, Marko Marin und Tim Borowski um einen Platz auf den Halbpositionen. Zudem verdrängt Neuzugang Arnautovic wohl Hugo Almeida aus der ersten Elf.
Diese Spieler könnten gegen Hoffenheim auflaufen
In Sachen Meisterschaft bleiben die Sektkorken in dieser Saison auf der Flasche. Bremen kämpft erneut um einen Startplatz für die Champions League. Um Deutscher Meister zu werden, fehlt den Hanseaten aufgrund der Dreifachbelastung schlichtweg die Breite im Kader. Bleiben die Werderaner vom Verletzungspech verschont, werden die Problemfelder gelöst, ist Rang drei realisierbar.
Quelle: t-online.de
Andi schrieb:
am 19. August 2010 um 10:16:00
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Werder
Werder hat es fast immer geschafft "schwierige" Spieler zu integrieren. Diese Spieler haben uns dann auch den meisten Spaß gemacht
und den Verein dann als echte Persöhnlichkeit verlassen :-(. Daß der Arnautovic was kann, hat er schon bewiesen. Mal schauen, wie es mit ihm weitergeht. Özil wünsche ich bei Real alles Gute, hat sich sehr fair gegenüber Werder verhalten.
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Nörgler schrieb:
am 18. August 2010 um 10:51:07
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Bremen
Nach dem Abgang von Özil verliert Bremen zwar einen excellenten Spieler,
aber vielleicht läßt sich die Position mit Marin
kompensieren. Allerdings machen mir die anderen MF-Spieler etwas Kopfzerbrechen: Borowski,Hunt,
Bargfrede. Hunt als Spielmacher?? Heute Abend werden wir sehen, was er
bringt.Borowski-zu stacksig, zu langsam und Bargfrede muß endlich mal aus
sich rausgehen-er hat m.E. noch die größte Chance aus diesem Trio als
gewinner hervorzugehen.
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Thomas schrieb:
am 12. August 2010 um 14:59:27
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Schöne Zusammenfassung
Denn so kriegt man einen guten Überblick, was man für die kommende Saison in etwa zu erwarten hat...
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