08.04.2011, 14:03 Uhr
Viele Werder-Fans wollen die Reise nach Hamburg antreten. (Foto: imago)
Die Fans des SV Werder Bremen wollen sich den Spaß nicht verderben lassen und trotz des durch den DFB verhängten Geisterspiels zum FC St. Pauli reisen. Nach der Becherwurf-Affäre hatte das DFB-Sportgericht den Kiezklub zu einem Heimspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit verurteilt.
Die Werder-Anhänger fühlen sich durch das Urteil zu Unrecht bestraft. Viele haben bereits Tickets für die Begegnung am Ostersamstag gekauft, wo sie ihre Mannschaft im Abstiegskampf unterstützen wollten. "Das ist ein Urteil, das ich als sehr schwierig empfinde. Es sind Fans betroffen, die dafür nicht verantwortlich sind", erklärte Thomas Hafke, hauptamtlicher Mitarbeiter beim Bremer Fan-Projekt. "Fußball ist, was im Stadion passiert. Die Fans trifft das hart." Der Verein selbst hat mit großer Zurückhaltung reagiert und wollte das Urteil zunächst nicht bewerten. "Wir geben keine Stellungnahme ab, solange das Urteil nicht rechtskräftig ist", teilte Bremens Mediendirektor Tino Polster mit.
Auch die organisierten Bremer Fan-Clubs reagierten kritisch auf die angedrohte Aussperrung der Zuschauer. Der Fan-Club "Hot Spots" warnte in einem Offenen Brief an den DFB, nicht alles über einen Kamm zu scheren und erinnerte an ähnliche Vorfälle in der Vergangenheit. "Nach dem Spiel Hamburger SV gegen Hannover 96 warf der Spieler Paolo Guerrero eine Trinkflasche auf einen Zuschauer. Der Spieler wie auch der HSV erhielten hierfür eine Geldstrafe, Guerrero zudem fünf Spiele Sperre, die er dann als Zuschauer im Stadion verbringen durfte", heißt es in dem Schreiben. Erinnert wurde auch an den Golfball, der Bayern-Keeper Oliver Kahn im Jahr 2000 in Freiburg traf. Der Täter wurde damals zu 30 Stunden Sozialarbeit verurteilt.
"Falls eine Gleichbehandlung bei Fällen von Verstößen Ziel des DFB-Schiedsgerichtes ist, so wurde dies bislang nicht ersichtlich. Vielmehr legt die bisherige Handhabung den Verdacht nahe, dass vor allem die Funktion des Opfers und Täters über das Strafmaß mit entscheidet und nicht die Tat an sich", argumentierte der Fan-Club und stellte die Frage, ob eine Kollektivstrafe das richtige Mittel zur Stärkung der Selbstkontrolle der Zuschauer und Fans ist.
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Quelle: dpa
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