12.04.2011, 10:00 Uhr
Bayern-Keeper Thomas Kraft legt sich mit dem Klub-Präsidenten an. (Foto: imago)
Trainer Louis van Gaal ist entlassen und der FC Bayern München muss sich nun mit den Folgeerscheinungen herumschlagen. Ausgerechnet Youngster Thomas Kraft knöpft sich jetzt keinen geringeren als Uli Hoeneß vor. Nachdem der Klub-Präsident den Torwartwechsel im Winter mit den Worten kommentiert hatte, "damit ging die ganze Scheiße los", konterte jetzt Kraft. "Das ging voll gegen mich", sagte der 22-Jährige der "tz" und schickte eine Drohung gleich hinterher: "Ich werde mich dazu zu gegebener Zeit äußern."
Van Gaal wechselte in der Winterpause überraschend seine Nummer eins im Tor. Der bis dato tadellos haltende Routinier Hans-Jörg Butt musste ins zweite Glied rücken, der unerfahrene Kraft rückte zwischen die Pfosten. Kritiker wie der Ex-Nationaltorhüter Jens Lehmann sagten voraus, dass ein junger Keeper hinter einer jungen Abwehr um Holger Badstuber (22) und Breno (21) nicht funktionieren könne. Sie alle behielten recht.
Im kommenden Spiel gegen Bayer Leverkusen dürfte aller Voraussicht nach wieder Butt im Kasten der Bayern stehen. Zwar wollte sich Fünf-Spiele-Trainer Andries Jonker noch nicht festlegen, doch die Bosse wünschen sich den 36-Jährigen zurück. Allgemein wird erwartet, dass Jonker den Vorstand nicht düpieren wird. Selbst der angeschlagene Kraft zweifelt an seinem Einsatz. Bis Sonntag sei er fit, "aber ob ich gegen Leverkusen spiele, weiß ich nicht."
In den bisherigen Spielen agierte der Nachwuchskeeper zwar ordentlich, doch zusätzliche Sicherheit konnte er seinen Vorderleuten nicht vermitteln. Seine zwei Patzer bei der 1:3-Pleite in Hannover und zuletzt beim 1:1 in Nürnberg kosteten den Bayern wertvolle Punkte. Das Tor gegen den Club "geht auf meine Kappe, aber ansonsten habe ich mir nichts vorzuwerfen", sieht Kraft seine Leistung allerdings in einem etwas besseren Licht.
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Ohne es zu wollen, spaltete er auch die Mannschaft. Als die Kapitäne Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger van Gaal baten, dass Kraft die riskanten Chip-Pässe wie beim Gegentor in Nürnberg unterlassen solle, wurden sie laut "Bild"-Zeitung vom General lautstark mit den Worten zurechtgewiesen: "Das wird so gemacht, wie ich will."
Ob sich Kraft mit seiner Kritik an Hoeneß einen Gefallen getan hat, darf man bezweifeln. Zumal Hoeneß mit seinem Ausspruch, dass mit dem Torwartwechsel die "ganze Scheiße" anfing, nicht unbedingt den jungen Torhüter gemeint hatte, sondern vielmehr die gesamte Unruhe rund ums Team und vor allem auf den Rängen. Als plötzlich das Eigengewächs im Kasten stand, fingen die Teile der Anhängerschaft an, gegen den geplanten Neuzugang Manuel Neuer Politik zu machen und den Präsidenten zu beleidigen.
Überhaupt hat es bis dato so gut wie kein Spieler gewagt, sich mit den Bayern-Granden anzulegen. Der letzte war übrigens ebenfalls ein junger Torhüter: Michael Rensing. Er kanzelte eine Beckenbauer-Kritik als "Schwachsinn" ab. Wenig später war er seinen Platz im Bayern-Tor los.
Quelle: t-online.de
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